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Tierschutzhof Hachmühlen bietet Tieren in Not ein Paradies

HACHMÜHLEN. Die Gründe, aus denen Kleintiere nicht bei ihren Besitzern bleiben können, sind vielfältig. Sonja und Sebastian Stefan bieten in Not geratenen Kaninchen und Meerschweinchen ein neues Zuhause. Um den Tieren noch besser helfen zu können, haben sie jetzt einen Verein gegründet: den Tierschutzhof Hachmühlen.

Während andere Tiere auch vermittelt werden sollen, bleiben die Kaninchen und Meerschweinchen im Außenbereich auf Lebenszeit. Das Gehege ist der ganze Stolz von Sonja und Sebastian Stefan sowie Sohnemann Jannis (kleines Bild). Foto: Lindermann
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

Ponys, Hunde und Hühner leben bei den Stefans in Hachmühlen – und rund 15 Kaninchen und 20 Meerschweinchen, die in einem gesicherten Außengehege auf dem Hof der Familie herumwuseln. „Die Tiere sind meistens Privatabgaben oder stammen von anderen Tierschützern, die sie aus Auflösungen oder schlechten Verhältnissen geholt haben, oder es sind Schlachttiere“, erklärt Sonja Stefan. „Manche sind auch Alttiere, die übrig geblieben sind, als der Partner verstarb, oder Tiere, die schwer zu vermitteln sind.“ Dies sei etwa der Fall, wenn die Tiere zuvor jahrelang alleine gelebt haben – häufig als „Bespaßungstiere“, sagt Stefan bedauernd. Meerschweinchen wie Kaninchen sind keine Kuscheltiere, die gerne geknuddelt und gestreichelt werden. Zudem seien sie sehr soziale Tiere, die mindestens zu zweit, am besten aber in Gruppen gehalten werden müssen. Passiert dies nicht, können die Tiere Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Diese Tiere dann wieder zu vergesellschaften, sei schwierig, „aber in der großen Gruppe geht es“, weiß Stefan. Auch körperlich behinderte Tiere, wie etwa dreibeinige Kaninchen, leben in Hachmühlen. „Aber nicht alle unsere Tiere sind Nottiere“, fügt sie hinzu. Manche wurden auch gut gehalten, „aber dann gerieten die Besitzer in Not, zum Beispiel durch eine Scheidung oder eine plötzlich auftretende Allergie“.

Die Tierliebe liegt den Eheleuten Stefan im Blut. „Das ist schon eine Lebenseinstellung“, sagt Sonja Stefan. Als die beiden vor vier Jahren aus der Region Hannover nach Hachmühlen zogen, kauften sie in dem Ort einen alten Hof. „Da war klar, dass wir Tiere aufnehmen“, sagt Sonja Stefan. Dass es so viele würden, sei anfangs jedoch nicht geplant gewesen. „Es hat sich rumgesprochen, dass wir uns um Kaninchen und Meerschweinchen kümmern, und viele Leuten kamen vorbei und haben gefragt, ob wir Tiere aufnehmen können.“ Deshalb hätten sie schließlich nur noch Notfälle aufnehmen können. Denn die Fütterung und Versorgung der Tiere kostet Geld – Geld, dass die Stefans bisher selbst aufbringen, auch wenn bereits einige Leute helfen: „Wir können bei Bekannten oft Grünabfälle abholen, und manchmal sammeln Leute auch Kräuter und hängen Tüten bei uns über den Zaun.“ Generell würden sie von den Bauern in Hachmühlen sehr gut unterstützt, und auch von der Dorfgemeinschaft fühlen sich die Stefans gut aufgenommen. Dennoch finanzierten sie den Großteil selbst, unter anderem durch Futterwiesen, die sie selbst ausgestreut haben. Doch gerade im Winter sind sie auf Gemüse angewiesen.

Die Stefans mussten sich daher schließlich entscheiden: Entweder Tiere in Zukunft ablehnen „oder wir gründen einen Verein, damit wir Spenden annehmen können und so einen finanziellen Hintergrund haben“, erklärt Sonja Stefan. Nach mehreren Monaten des Wartens ist es jetzt soweit: Der Tierschutzhof ist ein eingetragener Verein. So können die Stefans nun auch Spenden annehmen – etwa für die Tierarztkosten. Momentan stehen zudem die jährlichen Impfungen an. „Das sind rund 400 Euro im Jahr für die Kaninchen.“

Im Innenbereich des Hofes soll jetzt zudem ein Gehege für Vermittlungstiere entstehen, denn für manche Tiere soll ein schönes Zuhause gesucht werden – dann können auch Hamster und Mäuse aufgenommen werden, aber auch Schafe und Ziegen. Das Hauptaugenmerk soll aber auf den kleinen Nagern liegen. „Wir wollen damit den Tierheimen unter die Arme greifen, denn die sind zum einen voll, und zum anderen nehmen sie die kleinen Tiere oft gar nicht.“ Der neue Innenbereich soll dann auch im Winter Meerschweinchen und Kaninchen aus Wohnungshaltung ein neues Zuhause geben. Denn diese sind die Kälte nicht gewohnt und können nicht einfach im Winter in den Außenbereich umziehen.

Die Kaninchen und Meerschweinchen im Außenbereich – „unsere Rentnertruppe“, wie Sonja Stefan sagt – bleiben aber auf Lebenszeit. 64 Quadratmeter stehen ihnen hier ganzjährig zur Verfügung, hinzu kommen 150 Quadratmeter Wiese, die auf dem Hof extra für die Tiere abgetrennt wurde. Über Nacht kommen die Tiere aber zurück in den gesicherten Stall. „Das ist schon ein Akt, abends alle reinzuholen“, lacht Sonja Stefan. „Da klingelt auch schon mal ein Nachbar bei uns und sagt: ‚Da ist noch eins draußen.‘“

Die Zukunft des Tierschutzhofes soll aber noch über die Aufnahme, Versorgung und Vermittlung von Tieren in Not hinausgehen: Die Initiatoren wollen Patenschaften für einzelne Tiere anbieten. „Der Beitrag bei einer Fördermitgliedschaft ist frei wählbar, aber auch schon ab 5 Euro im Monat möglich“, erklärt Sonja Stefan. Zudem freuen sie sich über Helfer, die freiwillig Gras und Kräuter für die Tiere sammeln möchten. Außerdem sollen Besuchertage organisiert werden und Sonja Stefan möchte gerne Kurse für den sogenannten Haustierführerschein anbieten. Daran hatte sie bereits mit Kindern gearbeitet, als sie vor der Geburt ihres Sohnes noch als pädagogische Mitarbeiterin an der Grundschule Bad Münder tätig war.

Aber auch mit Spenden und Unterstützung wird wohl der Hauptteil der Kosten und des Aufwandes bei den Stefans bleiben. Doch sie wissen, dass es sich lohnt: „Es macht uns Spaß, Tieren in Not zu helfen. Und man bekommt auch so viel zurück. Es ist so schön zu sehen, wenn ein Tier, das sein Leben bisher in einem Käfig zubringen musste, hier aufblüht“, meinen sie einstimmig.

Mehr Infos zum Verein gibt es auf www.tierschutzhof-hachmuehlen.de.



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