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Mit dem Fahrrad durch drei Landkreise / Die vierte Etappe führt von Bodenwerder nach Grohnde

Thul auf Tour – Wahlkampf an der Weser

Weserbergland. Eine graue Wolkenschicht hängt über Bodenwerder, kleine Regentropfen fallen auf den dunklen Asphalt vor dem Hotel Deutsches Haus. Trotz des trüben Wetters herrscht im Hotel-Foyer gute Stimmung. Drei Radfahrer unterhalten sich über die schönste Route von Bodenwerder nach Hajen – rechts oder links der Weser ist die entscheidende Frage. Schließlich geht es um die vierte Etappe auf der Sommerreise des CDU-Bundestagsabgeordneten Hans Peter Thul, der in dieser Woche seinen Wahlkreis Hameln-Pyrmont-Holzminden auf dem Fahrrad bereist.

Autor:

Julia Henke

Um 9.20 Uhr ist es entschieden: Die Konservativen radeln links der Weser entlang. Die Sommerreise durch den Wahlkreis führt Thul zwar an die politische Basis, doch die vier Mann starke Truppe aus CDU-Mitgliedern bleibt die meiste Zeit unter sich. Thuls Parteifreund Hartmut Schüler radelt als stellvertretender Samtgemeindeverbandsvorsitzender von Bodenwerder und Polle neben Thul und berichtet dem Berliner Abgeordneten von den Vorzügen und Problemen der zukünftigen Samtgemeinde. Der mitunter starke Gegenwind trägt Worte wie „demografische Entwicklung“ in die Reihe der hinteren Fahrer: Lorenz Seeger (CDU), der ein fünfwöchiges Praktikum bei Thul in Berlin absolviert und Börrys Ortsbürgermeister Andreas Lenk (CDU). Die letzten Meter im Landkreis Holzminden führen vorbei an Raps und Kornfeldern, und am Schloss Hehlen, „das einzige Schloss direkt an der Weser“, erklärt Schüler dem Gast mit ein wenig Stolz. Viel Zeit bleibt Schüler nicht mehr, denn kurz vor dem Grenzschild der Landkreise Holzminden und Hameln-Pyrmont wartet Lenk auf seine Gelegenheit, an die Spitze vorzustoßen und zu Thul aufzuschließen. Die Parteikollegen haben sich „ihren Thul“ hübsch aufgeteilt – allein: Gespräche mit „dem Mann auf der Straße“ sind absolute Mangelware.

Dafür gibt es wieder bürgermeisterliche Begeisterung, weil im Ilsetal „immer die Sonne scheint“. Der erste Stopp findet unterm Hajener Maibaum statt – ohne bürgerliches Publikum. Immerhin: Thul erfährt hier von der Auszeichnung „Schönes Dorf Hajen“ und den fünf Frauen, die sich ehrenamtlich um die Rosenrabatte kümmern. Das begeistert den Mann aus Berlin so sehr, dass er die Frauen für ihr Engagement in Hajen „zum Kaffeekränzchen“ in die Hauptstadt einlädt. Dann endlich: Bei der Besichtigung der Bäckerei Hajener Landbrot hat der Abgeordnete Kontakt mit der Basis. Wilhelm Bente und Bäckermeister Rüdiger Lenk zeigen dem Berufsberliner, wie mit modernen Maschinen Teig hergestellt wird. Thul interessiert, warum Brot und Brötchen nur in Deutschland gut schmecken: „Jedes Mal wenn ich aus dem Ausland komme, dann freue ich mich auf ein richtiges Brot.“ Die Antwort von Bente ist simpel: „Das liegt am Roggenmehl und am Sauerteig.“ Da hat der Abgeordnete etwas dazugelernt. Es gibt noch Kaffee und Kuchen. Und eine Diskussion über die aktuelle Bundespolitik. Inzwischen mit dabei: der Emmerthaler CDU-Fraktionschef Rolf Keller. Weiterhin nicht dabei: Bürger, Wähler, Publikum. Zum Thema Steuersenkungen fordert Keller: „Wir dürfen den Bürgern jetzt keine Lügen erzählen, jeder weiß, dass Steuersenkungen in der momentanen Situation nicht möglich sind.“ Thul hat da einen Vorschlag: „Der Solidaritätszuschlag ist in den nächsten vier bis fünf Jahren nicht mehr haltbar.“ Dessen Abschaffung sei eine Möglichkeit, die Steuern zu senken. Sagt’s, und radelt weiter nach Grohnde zum Fährhaus.

Helles oder dunkles Ferge-Bräu?

Dort testet der wahlkämpfende Abgeordnete auf Sommertour erst einmal ein Ferge-Bräu, das ihm von Börrys Ortsbürgermeister Lenk empfohlen wird. „Helles oder Dunkles“, fragt der Kellner. Thul antwortet „genau in der Reihenfolge“, um dann aber doch beim Hellen zu bleiben. Die Pause am Fährhaus nutzt Thul, um zu telefonieren. Es geht um die Wahlplakate. Schließlich ist in elf Wochen Bundestagswahl.

3 Bilder

Ein Thema, an dem Thul hier in Grohnde nicht wirklich vorbeiradeln kann, ist die Atomkraft. Krümmel im Sinn, das AKW Grohnde vor Augen, spricht er mit Offiziellen des Kraftwerkbetreibers e.on. Thul ist nach eigener Aussage von der Sicherheit der Kernenergie überzeugt – und meint, dass die SPD den Störfall im Atomkraftwerk Krümmel ausschlachte. Ebenso wie die „Graffiti-Malerei“ von Greenpeace am AKW Unterweser. Aber: „Die Energiekonzerne müssen nicht nur kernphysikalisch alles im Griff haben, sondern ihre Öffentlichkeitsarbeit ändern“ und bessere Aufklärungsarbeit leisten, legt Thul dem stellvertretenden Leiter des Grohnder AKW, Peter Schwarz, nahe.

Und schon wird’s wieder gesellig: Die Atomkraftbefürworter Thul, Lenk und Keller radeln schnell zurück zum Grohnder Fährhaus, und nach einem weiteren ordentlichen Bier in der Gaststätte gibt es das nächste auf einem Planwagen, den die CDU-Mitglieder vor Ort organisiert haben, um ihrem Berliner in aller Ruhe ein Bild von den Börryer Ortschaften vermitteln zu können. Ein kleiner grüner Trecker zieht den Wagen mit sechs Männern und drei Frauen durch Hajen, Frenke, Brockensen, Esperde, Börry und Latferde. In dem dörflichen Ambiente blieb’s beim Bierchen und ’nem Sekt dennoch politisch. Themen gibt’s genug: die Strukturen im Dorf, die Schulversorgung, der Windmühlen-Park, und – natürlich – das Abschneiden der jeweils örtlichen CDU bei den vergangenen Wahlen. Wahlergebnisse von 50 oder gar 60 Prozent gab es hier und dort. Thul, der bei der letzten Bundestagswahl bei 35 Prozent lag, nimmt es gelassen. Für ihn zählt das Ergebnis seiner Sommerreise: „Das ist eine tolle Tour. Da lernt man seinen Wahlkreis richtig gut kennen.“

Interessiert sieht sich der Bundestagsabgeordnete in der Hajener Landbäckerei an, wie Teig hergestellt wird. Bild rechts: Thul auf dem Weg in den Landkreis Hameln-Pyrmont.

Auf der Reise durch seinen Wahlkreis unterhält sich Hans Peter Thul mit Claudia Aldag (li.) und Manuela Lenk.

Bild unten: In Hajen erklärt Andreas Lenk (re.) dem Bundestagsabgeordneten und Hartmut Schüler die Tafeln am Maibaum.

Fotos: jhe




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