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Rotes Kreuz muss Jugendgruppen auflösen / Brandschützer haben keine Nachwuchsprobleme

Theorie beim DRK, Action bei der Feuerwehr

Hessisch Oldendorf (ah). In echten Notfällen sind sie zur Stelle, um zu helfen und Leben zu retten: Feuerwehr und Deutsches Rotes Kreuz, beides geschichtsträchtige Einrichtungen, die vom aktiven ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder leben und auf Nachwuchs angewiesen sind. Wie sieht es damit in Hessisch Oldendorf aus?

Die Stadt Hessisch Oldendorf besteht aus 24 Stadtteilen, in denen es zehn Ortsvereine des DRK gibt. „Unsere Mitglieder sind vorwiegend älter, mit der Nachwuchsarbeit sieht es im Stadtgebiet ganz schlecht aus“, sagt die Vorsitzende des Ortsvereins Hessisch Oldendorf, Renate Göhmann. 2008 lösten sich die beiden letzten Jugendrotkreuzgruppen auf. Insgesamt 15 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren besuchten von 2000 bis 2008 die Gruppe von Eleonore Büscher in der Kernstadt. „Das Rote Kreuz ist ja eher eine trockene Angelegenheit“, gesteht die Gruppenleiterin. Es gelte, erstmal die Grundsätze des Roten Kreuzes zu besprechen. Da werde in Sportvereinen einfach mehr Action geboten. „Gelernt und erfahren haben meine Gruppenmitglieder, vorwiegend Mädchen, neben den Erste-Hilfe-Maßnahmen, was Zusammengehörigkeit, Sozialverhalten und Rücksicht bedeuten“, erklärt Büscher. Höhepunkt seien immer die Kreiswettbewerbe und die Einsätze bei Übungen gewesen.

Von ihrer Gruppe ist heute niemand im DRK. Eine 16-Jährige, die lange dazugehörte, versichert, sie profitiere sehr von der Zeit beim Jugendrotkreuz, habe sozial viel gelernt, könne bei unerwarteten Zwischenfällen Betroffene beruhigen und Leichtverletzte problemlos versorgen. Ihre Unterrichtszeiten am Nachmittag veranlassten sie dazu auszuscheiden. Auch die Jugendrotkreuzgruppe in Fischbeck hat sich aufgelöst, nachdem die Leiterin ihr Abitur gemacht hatte und wegzog. Der Nachmittagsunterricht und das großartige Angebot für Kinder und Jugendliche in Fischbeck sind nach Ansicht von Hildegard Müller, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins, Grund für das Aus der Gruppe. „Es steht und fällt alles mit engagierten jüngeren Gruppenleitern.“

Ganz anders sieht das bei der Feuerwehr aus: Zu den 24 Ortswehren – jeder Stadtteil hat seine eigene – kommen 15 Jugendfeuerwehren hinzu, zu denen 130 Jungen und 70 Mädchen gehören. „2008 hatten wir 34 Teilnehmer am Grundlehrgang, den unsere jungen Aktiven absolvieren müssen“, sagt Stadtbrandmeister Hans-Jürgen Hoffmann, der sich über Feuerwehr-Nachwuchs keine Sorgen macht. Seine Ortsbrandmeister wissen, was sie zu tun haben. „Wir Aktiven im Alter von 16 bis 62 Jahren haben Nachwuchsprobleme, wir sind nur noch 20 Mann“, verrät Höfingens Ortsbrandmeister Oliver Bock. So wurde vor einigen Jahren geplant, eine Jugendfeuerwehr ins Leben zu rufen, doch Interessenten im entsprechenden Alter fanden sich nicht. Dafür wurde 2007 die Minifeuerwehr gegründet als erste Kinderfeuerwehr im Stadtgebiet. 22 Kinder machen in Höfingen mit, ein Viertel davon ist türkischer Abstammung. „Ich finde es wichtig zu helfen“, erklärt der zwölfjährige Veli Gökdemir. Nils Eikermann, zehn Jahre alt, macht es Spaß, mit Wasser zu arbeiten. Sein Vater Lutz, der Kinderfeuerwehrwart ist, gehört seit 1987 ebenso zur Höfinger Feuerwehr wie sein Großvater, Karl-Heinz Eikermann, der seit 1963 aktives Mitglied ist. Viele Kinder aus der Minifeuerwehr haben das für den Eintritt in die Jugendwehr erforderliche Alter von zehn bis fünfzehn Jahren erreicht. So wird in Höfingen im Oktober eine Jugendfeuerwehr gegründet; für anstehende Jugendwettbewerbe trainieren die Minifeuerwehrleute bereits eifrig. Für die Zukunft der Ortswehr ist die gute Nachwuchsarbeit von großer Bedeutung. Ähnlich positiv sieht es in Barksen aus: 15 Mitglieder hat die örtliche Jugendfeuerwehr. „Zusätzlich werden wir Anfang November offiziell unsere Kinderfeuerwehr gründen“, teilt Barksens Ortsbrandmeister Benjamin Ebbighausen mit. Nach einigen Probediensten hat sich ein fester Stamm von neun Jungen und fünf Mädchen herauskristallisiert, die der Kinderwehr beitreten werden. Spielerisch werden sie auf die Aufgaben der Feuerwehr vorbereitet.

Lösch-Training für die Jüngsten, hier Mitglieder der Kinderfeuerwehr Barksen, bei den Stadtwettbewerben der Jugendfeuerwehr in Welsede. Foto: pr

„Die Kinder der Kinderfeuerwehr von heute sind die Feuerwehrleute und Retter von morgen“, sind sich die Aktiven sicher.

Die Feuerwehr hat keine Nachwuchssorgen: Auch

die Mädchen packen

kräftig zu.

Fotos: ah




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