weather-image

Theater im Schaafstall: Schauspielerin beeindruckt Zuschauer

270_0900_13474_lkbm209_1407_Schaafstall_4587.jpg

Autor:

Christoph Huppert

Schon der äußerst penible Aufbau des Lehrertisches lässt tief in die Abgründe einer offensichtlich stark geschundenen Lehrerinnenseele blicken.

In ihrem Monolog springt die Frey dann behände durch mehrere Rollen. In die von Kollegen oder die des salbadernden Schulleiters, dem „Alphatier“, das opportunistisch seine Lehrer psychisch ausbeutet und in die Resignation treibt.

Längst hat Inge Lohmark den Kontakt zur ihr fremd und unverständlich gewordenen Schülergeneration verloren. „Kevin, ein Hirn wie ein Hohlorgan“, lästert sie, oder „die Erika mit dem Wettbewerbsbusen“. Schüler sind Blutsauer, die sich vom Blut der Lehrer ernähren. Ja, jedes Opfer ist auch selber schuld, kommentiert sie die aus der Ferne betrachteten Vorgänge an der Bushaltestelle. Freiheit? Auswahl? Freie Entscheidung? Gibt’s nicht, sinniert die Lohmark. „Es gibt die Zuchtwahl, sonst nix.“ Sie praktiziert ihren Darwinismus, kein Wunder, dass Darwin auf einem Schulbuchstapel an der Wand lehnt.

Vier Jahre noch. Berufliche Alternativen lehnt sie ab. Allmählich gleitet ihr Monolog immer mehr über ins Persönliche, wird zum Seelenstriptease und schier unerträglichen Psychogramm. Ihr Fazit: „Freiheit wird übertrieben“ und „Wer die Welt entdecken will, der muss zuhause damit anfangen.“

Mehr und mehr verbittert die Lohmark, wachsen Zynismus, Sarkasmus und die Unfähigkeit, selbst gegenüber ihrer Tochter Empathie zu empfinden. Am Ende der Unterrichtsstunde steht Erstarrung, bleibt die Lohmark als innerlich leere Hülle, und die Zuschauer fragen sich nun, ob man sie wohl bemitleiden soll.

„Ehrlich, das erschließt sich mir nicht“, sagt ein Herr in der ersten Reihe. Und auch andere können mit dem Pädagoginnen-Psychogramm wenig anfangen.

„Aufregend, anregend, mit Hintergrund“, so hatte Ernst Jürgen Kirchertz seine Vorschusslorbeeren versprüht. Exzellent in der Darstellung sicherlich und dabei in einzelnen Versatzstücken fraglos den Nerv von zeitgenössischen Burn-out-Pädagogen treffend, blieb die Heranziehung Darwinscher Evolutionstheorien und ihre Anwendung auf eine sich nicht nur aus Sicht ältlicher Biologielehrerinnen rasant wandelnden psychosozialen Gesellschaftsstruktur recht konstruiert. Kein Wunder also, wenn sich da unter Nicht-Pädagogen Rat- und Hilflosigkeit breit machte.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt