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Gefälligkeitsaussage sollte Freund vom Verdacht des Diebstahls befreien - selber unter Verdacht

Teure Hilfsbereitschaft: Zeuge vor dem Kadi

Stadthagen/Rodenberg (menz). Aus Sorge um seine laufende Bewährung hat ein junger Mann aus Lindhorst einen Freund aus Rodenberg gebeten, ihm aus der Patsche zu helfen. Eine Gefälligkeitsaussage sollte ihn vom Verdacht des Diebstahls befreien. Die Hilfsbereitschaft hat sich für den willigen Freund schlecht ausbezahlt, dieser stand plötzlich selber als mutmaßlicher Dieb im Fokus der Justiz.

Aufzuklären war ein kleiner "Fischzug" durch die Umkleidekabine einer Rodenberger Sporthalle. Während im September 2005 nebenan geturnt worden war, hatten Diebe in Taschen und Rucksäcken gewühlt. Sie plünderten Portemonnaies, steckten ein Handy und einen tragbaren CD-Player ein. Insgesamt fünf Mädchen hatten einen Schaden zu beklagen. Angesichts der Strafverhandlung vor dem Jugendrichter hatte der gefällige Freund kalte Füße bekommen und seine Aussage widerrufen. Auf den Freispruch für den einen folgte die Anklage gegen den anderen auf dem Fuße. Der Vorwurf des Diebstahls in fünf Fällen wurde jetzt mit einer Anklage wegen diverser Schwarzfahrten vor dem Jugendschöffengericht in Stadthagen verhandelt. Der heute knapp 21-Jährige war dem Gericht kein Unbekannter, er hat eine Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung im Register, unter anderem hat er in der Vergangenheit schon einmal eine Tankstelle überfallen. Die Strafaussetzung wurde durch die aktuelle Verhandlung nicht gefährdet. Die Taten liegen so lange zurück, dass zwischenzeitlich wegen späterer Taten ein Strafverfahren stattgefunden hat, mit einer günstigen Sozialprognose für den Lindhorster, die immer noch gilt. Der Bewährungshelfer unterstrich: "Es läuft wirklich gut." Die Richter des Jugendschöffengerichtes erhöhten die laufende Jugendstrafe um drei Monate auf jetzt ein und ein dreiviertel Jahr und bestätigten die Bewährung. Mit seinem Urteil war der Lindhorster zufrieden. Im Gegensatz zu seinem Mitangeklagten, der den Richterspruch gegen sich gar nicht fassen konnte. Der 21-Jährige aus Rodenberg wurde wegen seiner Beteiligung an den Turnhallendiebstählen zu einem Freizeitarrest verurteilt. Er wird in der Zelle in Bückeburg ein Wochenende hinter verriegelten Türen Probesitzen, fernab des normalen Strafvollzuges. Danach könnte er eine Ahnung davon haben, was einen Gefangenen erwartet. Dass sein Kumpel, der obendrein "mehr geklaut hat als ich", verschont bleibt, fand der Rodenberger ungerecht. Vergeblich bemühte sich Richterin Gudrun van Lessen, dem jungen Mann zu erläutern, dass die Strafe für den Lindhorster "wirklich heftiger" ausgefallen ist. Der Rodenberger wütend: "Ich geh' da nicht rein." Das Urteil könnte eine Freundschaft zerstört haben. Bis auf die eine oder andere abfällige Bemerkung hatten sich die beiden ohnehin nicht mehr viel zu sagen.

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