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Ulrich Wollmann fühlt sich im Stich gelassen / "Nur ein Cent Umsatz je Liter"

Tankstellenbetreiber senkt Spritpreise - und kassiert Abmahnung von Esso

Rinteln (clb). Weil er feststellen musste, dass andere Tankstellen mit Preissenkungen schneller waren und seine eigenen Anträge an die Esso nicht beantwortet wurden, ist Ulrich Wollmann der Kragen geplatzt. Der Rintelner Tankstellenbetreiber hat gegen die Anweisung von Esso gehandelt, sich an den Computer gesetzt und eigenhändig die von der Muttergesellschaft vorgegebenen Spritpreise ebenfalls um zwei Cent gesenkt. Prompt hatte er eine Abmahnung im Briefkasten. Begründung: Sein Antrag auf Preisänderung sei bezüglich der aktuellen "Wettbewerbssituation" noch nicht freigegeben, die Senkung ohne Genehmigung jedoch ausdrücklich verboten.

Ulrich Wollmann und sein Stationsleiter Heinz Jensen kämpfen mehrmals täglich mit der Preissituation in Rinteln, da die Esso - ebenso wie andere Mineralölkonzerne - die Preise per Computer von einer Zentrale aus festlegt und unter Berücksichtigung der Wettbewerber steuert. Somit ist mal der eine, mal der andere "schneller". Als er 1988 den Vertrag für die Übernahme der Esso-Tankstelle an der Seetorstraße unterschrieben habe, hätte die Muttergesellschaft noch eine Provision von drei Pfennig pro Liter gezahlt, erinnert sich Wollmann. Bis heute sei diese Zahl jedoch nur einmal geändert worden: als sie nach korrektem Wechselkurs auf Euro umgestellt wurde. Und da er als Esso-Betreiber sogar noch die Bonuspunkte für Vieltanker mitfinanzieren müsse, bleibe ihm etwa ein Cent pro Liter - Umsatz, nicht Gewinn. Zahle dann noch obendrein jemand seine Tankrechnung mit Kreditkarte, bleibe ihm nicht mal mehr dieser eine Cent. Wegen der Gebühren der Kartengesellschaften müssten die Tankstellenbetreiber oftmals noch draufzahlen, ärgert sich Wollmann. Vom Exxon-Konzern, dem die Marke Esso gehört, fühlt sich der Rintelner im Stich gelassen: "Weil sich andere das Geld in die Tasche stecken - Manager oder Aktionäre." Die für die Preispolitik zuständige Abteilung von Exxon, ansässig in Hamburg, war gestern telefonisch nicht erreichbar - in der an Wollmann gerichteten Abmahnung heißt es jedoch, dass Kraftstoffe laut Agenturvertrag sogenannte "Agentur- waren" sind und die Einstellung dieser Preise ausschließlich durch die Esso Deutschland GmbH erfolgen darf. Falls Wollmann die Kraftstoffpreise künftig weiterhin ohne entsprechende Erlaubnis festlege, heißt es in dem Schreiben, werde Exxon die technische Möglichkeit, die Preistafel manuell einzustellen, an seiner Station für einen Zeitraum von ein bis dreiMonaten blockieren. Allein vom Spritverkauf könnte Wollmann heute nicht mehr leben. "Von dem einen Cent, der pro Liter noch übrig bleibt, sind noch nicht mal die Energie- und Personalkosten gedeckt", sagt er. Deshalb fährt er längst zweigleisig - und hat sich mit der angrenzenden Werkstatt, der Waschanlage, der Autovermietung sowie dem Shopverkauf ein zweites Standbein aufgebaut.




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