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DEWEZET-Käfer - bald gut im Lack

Talsohle durchschritten, Finale in Sicht

Ein Oldtimer wird Redaktionsauto. Der DEWEZET-Käfer, Baujahr 1967, fährt noch nicht – aber bald! Denn nach einer nunmehr über ein Jahr dauernden Restaurierung sind die größten Hürden in Sachen Rostfraß, Schwellerbau und Motorleistung überwunden. Über zweieinhalb Monate ließ die DEWEZET die beiden Unternehmen Reifen Danger Fahrzeugtechnik und Karosserie- und Lackierzentrum Kaspar in Ruhe arbeiten – jetzt geht’s ins Finale! Teil 9: Bis zum letzten Schliff.

Fast wie eine Hochzeit: Karosserie und Chassis werden probeweise aufeinandergesetzt.

Autor:

Jens F. Meyer

HAMELN / WESERBERGLAND. „Sie finden keinen Besseren! Der hat magische Hände.“ Das sagt Oliver Scholz, Geschäftsführer des Karosserie- und Lackierzentrums Kaspar, über seinen Mitarbeiter Reza Gurbani, dessen Fähigkeiten in der Fahrzeuglackierer-Vorbereitung im Betrieb bekannt sind. „Muss alles schön glatt sein. So ein Auto haben wir ja nicht immer hier“, sagt Reza Gurbani. Früher hatte er seinen eigenen Betrieb in Afghanistan. Ich schaue ihm beim Schleifen über die Schulter. Er schaltet die Maschine ab, fährt mit der Handfläche über die bearbeitete Stelle. Maschine wieder an. Nächster Schliff. Reza Gurbani ist ein Meister seines Fachs. Sein Heimatland liegt weit entfernt, aber er vermag es im Herzen zu tragen. Er lächelt, während er unserem DEWEZET-Käfer an den Lack rückt. Scheiß Krieg, denke ich, Scheiß Flucht. Freiwillig verlässt doch kein Mensch seine Heimat. Was ist das nur für eine Welt? Und über welche Luxusprobleme haben wir hier schon gesprochen? Über Rost, der zu viel fraß, über Schweller, die nicht passten, über einen Dachhimmel, der einen Riss hat…

Reza Gurbani schleift und spachtelt. Und lächelt.

Kundendienstmeister Giovanni Scarcella steht neben mir. „Der Reza ist unersetzlich hier.“ Dass Giovanni Scarcella so zufrieden auf den alten Volkswagen blickt, jenes Fahrzeug, dass wir zum Redaktionsauto für besondere Ausfahrten auserkoren haben, war bislang nicht der Fall. „Als ich den Wagen das erste Mal gesehen habe, war ich nicht begeistert“, sagt er. Kann man so sagen. Er hatte keine Miene verzogen, damals, im November, vor etwas mehr als einem Jahr in der zugigen Scheune in Halvestorf. Ich stand neben ihm. Pokerface. Aber jetzt sieht er der Volkswagenrettung positiv entgegen und klopft mir auf die Schulter. „Das wird gut.“

Karosserie wieder anheben, noch mal nachjustieren. Das wird schon!
  • Karosserie wieder anheben, noch mal nachjustieren. Das wird schon!
Schaut noch aus hohlen Augen: der DEWEZET-Käfer
  • Schaut noch aus hohlen Augen: der DEWEZET-Käfer
Macht perfekte Arbeit: Volkswagenretter Seyed Azimi
  • Macht perfekte Arbeit: Volkswagenretter Seyed Azimi
Schleift und schleift und schleift: Reza Gurbani bringt den Volkswagen in Form.Fotos: Scholz (4), ey
  • Schleift und schleift und schleift: Reza Gurbani bringt den Volkswagen in Form.Fotos: Scholz (4), ey
Karosserie wieder anheben, noch mal nachjustieren. Das wird schon!
Schaut noch aus hohlen Augen: der DEWEZET-Käfer
Macht perfekte Arbeit: Volkswagenretter Seyed Azimi
Schleift und schleift und schleift: Reza Gurbani bringt den Volkswagen in Form.Fotos: Scholz (4), ey

In der Tat geht’s aufs Finale zu! Die Talsohle der Sanierung des DEWEZET-Käfers ist durchschritten; Giovanni Scarcella ist geradezu begeistert, weil auch endlich die Scharniere für die Türen eingetroffen sind. „Sie glauben nicht, wo wir überall gesucht haben. Nichts war zu machen – bis schließlich die Familie Grundmann aus Hessisch Oldendorf noch welche gefunden hatte“, erinnert er sich. Mal wieder: die Grundmanns, die Käfer-Retter, die in diesem Jahr das großartige Volkswagen-Veteranentreffen in der Weserstadt mit einem riesigen Helferteam auf die Beine stellten. Das ist ja auch einer der Gründe, weshalb die Dewezet und Pyrmonter Nachrichten überhaupt diesen Volkswagen mit ins Dienstfahrzeugportfolio aufgenommen haben. Das Weserbergland ist Käferland!

Nun lehnen also die Türen links und rechts an der Wand in Halle 5, mit neuen Scharnieren, einbaubereit, stehen gewissermaßen Spalier für den Korpus des Käfers, an dem Reza Gurbani noch Zentimeter für Zentimeter arbeitet. Bis zum letzten Schliff.

So optimistisch waren wir alle nicht immer. Die Nerven lagen blank, mittendrin ein Sommertief, manche schlaflose Stunde hat dieser Käfer den beteiligten Werkstätten bereitet und mir auch, obwohl ich das nie zugegeben habe. „Aber schließlich haben wir uns durchgeboxt und bringen diesen Volkswagen in Fahrt“, verspricht Oliver Scholz. Es ist nichts weniger als eine Meisterleistung seines gesamten Teams. Es liegt ihm, dem Geschäftsführer des Karosserie- und Lackierzentrums Kaspar, eigentlich fern, einige Mitarbeiter hervorzuheben, weil auf alle Verlass sei. „Aber ohne unseren Kfz-Mechaniker Axel Arve und Seyed Azimi, der ein Karosseriespezialist ist, wären wir niemals so weit gekommen.“ Denn wo jetzt, in der Vorweihnachtszeit, Reza Gurbani Blech schleift, war teils nur Rost. Manche Teile waren nicht zu retten, mussten durch neue ersetzt werden. Und erst die Schweller! Die einen passten nicht, die anderen genauso wenig, und so erinnert sich Oliver Scholz noch mit einigem Schrecken an die Mammutaufgabe Axel Arves, „da irgendwie eine Lösung zu finden – und er hat sie gefunden“!

Irgendwann kam jedenfalls der Tag, an dem die Karosserieabteilung die Dellen aus dem Blech gezogen hatte und manche Stelle mit Spachtelmasse angepasst wurde. Jetzt schleift Reza Gurbani, spachtelt bisweilen abermals, „weil die Spaltmaße schließlich ja auch stimmen müssen, wenn das Fahrzeug fertig vor uns allen steht“, sagt Oliver Scholz. Grundieren. Karosserieschutz auftragen. Spachteln. Danach wird „gefüllert“, was nichts weniger bedeutet, als das noch offene Poren mit Lackpistole gefüllt werden. Abermals schleift der Fachmann, mal fordernd, mal vorsichtig. Immer wieder schaltet er die Maschine aus, fühlt mit der Handfläche nach. Ein Schliff folgt dem nächsten. „Man fängt mit 80er an und hört mit 400er Schleifpapier auf. Je höher die Zahl, desto feiner der Schliff“, erklärt Oliver Scholz.

Die Dichtnähte werden mit einer Polyurethan-Dichtmasse versiegelt. Unterbodenschutz kommt natürlich auch hinzu, samt Radhäusern, versteht sich. Und es ist wie eine schöne Bescherung vor dem Fest, dass nach so vielen ups and downs in dieser nun über ein Jahr währenden Sanierungsgeschichte des 1967er Volkswagens wohl noch vor Heiligabend die Karosserie im Original-Creme-Weiß lackiert sein wird! Hauben und Türen zuerst, dann der große Rest, erst von innen, dann von außen. Auch diesem Winter folgt ein Frühling. Die erste Ausfahrt liegt in greifbarer Nähe.



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