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150 Teilnehmer gestern Abend beim dritten Forum zum Erinnerungsprojekt für Naziopfer

Synagoge als Hauptspur der Erinnerung?

Stadthagen (ssr). Unter dem Motto "Wege zur Erinnerung" hat gestern Abend das dritte und letzte Forum zum geplanten Erinnerungsprojekt für die Schaumburger Nazi-Opfer gestanden. In der Aula der Schule Am Schlosspark ging es dabei um konkrete Gestaltungsmöglichkeiten.

Außerordentlich sachlich und zielorientiert verläuft die Diskuss

Der Beifall unter den rund 150 Teilnehmern ließ vor allem Symphatie für eine Restaurierung der früheren Synagoge in Stadthagen, sozusagen als Hauptspur von Erinnerungswegen, erkennen. Landesbischof Jürgen Johannesdotter, einer der beiden Moderatoren, verdeutlichte eingangs, dass auf dem Forum keine Entscheidung fällt: "Es geht um das Zusammentragen von Ideen für Wege der Erinnerung, nicht um ein Ja oder Nein per Abstimmung zu einzelnen Vorschlägen." Die gebündelten Ideen würden dem Rat der Stadt übegeben, der sie "als Herr des Verfahrens" in einen Entscheidungsprozess überführen möge. Sowohl Moderator Klaus-Henning Lemme als auch Klaus Pönnighaus von der Projektgruppe der "Schaumburger Landschaft", die die Foren veranstaltete, erinnerten an den Vorstoß von Hasso Neumann für ein Mahnmal vor der Amtspforte. "Dieser provokante Vorschlag hat etwas wachgerüttelt, diesen Prozess erst ausgelöst", würdigte Lemme. Pönnighaus berichtete, mit ausdrücklicher Zustimmung des (beim Forum als Zuhörer anwesenden) Neumann habe sich die Projektgruppe entschlossen, diesen Mahnmal-Vorschlag nicht weiter zu verfolgen. "Dieser wäre in Stadthagen nicht konsensfähig", setzte Lemme dazu einen abschließenden Punkt. Projektberater Günter Schlusche (Berlin) referierte über deutsche und europäische Beispiele zu Architektur und Kunst der Erinnerung. Danach wurde es konkret: In vier Kurzreferaten machten vier örtliche Experten Vorschläge für "Wege zur Erinnerung in Schaumburg": Jürgen Lingner stellte sein Konzept zur Restaurierung der Synagoge in der Nähe der Niedernstraße als Ort des Gedenkens, Lernens und der Erinnerung vor. Anhand eines Gebäudeplans legte er ein schon recht detailliertes Konzept der Ausstattung vor. Andreas Kraus plädierte für ein dezentrales Netzwerk von Erinnerungsprojekten an verschiedenen Orten im ganzen Schaumburger Land - an geeigneten Standorten jeweils zu einem speziellen Thema. Schlusche stellte seine Idee von etwa einem halben Dutzend "Erinnerungszeichen" in der Kreisstadt vor, die auf für das jüdische Leben wichtige Stätten hinweisen. Rolf-Bernd de Groot schließlich verwies darauf, wie wichtig das Schließen von Forschungslücken in der Heimatgeschichte sei. Die anschließenden Redebeiträge und der jeweilige Beifall ließen unter den Anwesenden eine Tendenz für das Synagogen-Projekt erkennen. Redner betonten aber wiederholt auch, wie wichtig eine Vernetzung mit anderen Orten und ein dynamischer Prozessansatz des Erinnerungsprojektes sei. Mehrüber die Konzept ideen und die Diskussionsbeiträge der Veranstaltung lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe.

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