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Vor Gericht: Kupferdieb drohen mehr als drei Jahre Haft / Dachrinnen in Luhden und Heeßen abmontiert

Süchtiger arbeitet mit Bienenfleiß - aber kriminell

Eilsen/Bückeburg (ly). Der gemeine Dieb, so möchte man meinen, scheut die Arbeit wie der Teufel das Weihwasser. Beim Eilser Kupferklau liegt der Fall völlig anders. Zwei Drogensüchtige hatten an der Luhdener Sporthalle sowie der Grundschule Heeßen fleißig Dachrinnen und Fallrohre abmontiert, um das recht teure Kupfer an einen Mindener Schrotthändler zu verkaufen (wir berichteten). "Sie sind regelrecht handwerklich tätig geworden", stellt Richter Friedrich von Oertzen fest. "Diese Energie hätte man positiver nutzen können", fügt der Vorsitzende der Berufungskammer am Bückeburger Landgericht hinzu.

In zweiter Instanz hat von Oertzens Kammer jetzt einen der Männer zu 18 Monaten Haft verurteilt und damit eine Entscheidung des Amtsgerichts bestätigt. Der andere Kupferdieb war in einem vorausgegangenen Prozess mit Bewährung davongekommen, weil er viel weniger Vorstrafen hat. Bei dem früheren Luhdener, der jetzt vor Gericht stand, scheinen dagegen Hopfen und Malz verloren. "Die Prognose ist beängstigend schlecht", so von Oertzen. Auf das Konto des 30-Jährigen gehen acht Vorstrafen, überwiegend Beschaffungskriminalität, um an Geld für Drogen zu kommen, die er seit ungefähr 15 Jahren nimmt. Zuletzt brauchte der Süchtige nach eigenen Angaben Heroin für etwa 20 Euro pro Tag. Wiederholt hatte er die Chance zur Bewährung nicht genutzt und neueStraftaten begangen. Bei den jetzt verhängten 18 Monaten bleibt es daher wohl nicht. Vielmehr ist nach dem jüngsten Urteil überdies mit dem Widerruf mehrerer offener Bewährungen zu rechnen, unterm Strich drei Jahre und zwei Monate Gefängnis. Zurzeit absolviert der 30-Jährige eine stationäre Drogentherapie, nachdem er drei Wochen Entgiftung hinter sich hat. Allein daraus mochte Staatsanwalt Frank Hirt jedoch keine günstige Sozialprognose ableiten. Die Rückfallquote sei hoch, sagte er. Im August vergangenen Jahres hatte der Luhdener von Hartz IV gelebt und festgestellt, "dass das Geld am Monatsanfang immer ganz schnell weg war". So kamen er und sein Mitbewohner auf die Idee mit dem Kupferklau. Zuerst ließen sie von der Luhdener Sporthalle eine zwölf Meter lange Dachrinne und ein Fallrohr mitgehen, bevor die Halle im Oktober zum zweiten Mal das Ziel war. Die Beute: fünf Fallrohre, die in Taschen auf Fahrrädern abtransportiert wurden. Zwischen diesen beiden Taten hatten die Kupferdiebe im September an der Grundschule Heeßen eine zehn Meter lange Dachrinne abmontiert, gefaltet und mit dem Auto nach Minden gefahren. Alles zusammen brachte rund 1800 Euro. Beim Schrotthändler mussten die Männer zum Teil ihre Ausweise zeigen. Erwischt zu werden, nahmen sie in ihrer Gier nach Drogen in Kauf. Genau so ist es gekommen.

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