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Historiker Dr. Kai Witthinrich erforscht Schicksale ausgewanderter Münderaner

Suche nach dem Glück in der neuen Welt

Bad Münder (oe). Das Team des Museums Bad Münder widmet sich bereits seit Längerem der Erforschung der Geschichte des Deister-Sünteltales. Jetzt hat sich der Historiker Dr. Kai Witthinrich des Themas der Übersee-Auswanderer angenommen. Nach einer ersten Sichtung alter Kirchenbücher, Briefe und Fotos steht fest, dass wohl weit über 500 Menschen in dem Zeitraum um 1840 das Gebiet zwischen Hasperde-Brullsen im Süden und Feggendorf-Lauenau im Norden verlassen haben. Sie suchten ihr Glück überwiegend in Nordamerika.

Witthinrich findet auf dem Taufbecken wichtige Hinweise auf einen Auswanderer Foto: oe

Es waren meist arme, landlose Familien, die auch in ihrem Nebenerwerb, der Leineweberei, Tischlerei oder dem Bergbau, keine ausreichenden Einkommensmöglichkeiten mehr fanden. Aber es gab vereinzelt auch Nachkommen großer Höfe, die sich mit eigenen Mitteln Land in Amerika kaufen konnten. Auch Mitglieder von Pastoren- oder Bürgermeisterfamilien scheuten den Weg nicht, wie Witthinrich herausfand. 1849 sind auch die beiden Söhne des damaligen Münderaner Bürgermeisters Wermuth, Karl und Otto, nach Wisconsin ausgewandert. Von Karl Wermuth ist bekannt, dass er als Farmer zu Reichtum gelangte.

In der Petri-Pauli-Kirche in Bad Münder fand der Forscher eine interessante Inschrift in der Taufschale. Ein gewisser Harry Deutsch stiftete sie 1966 zum Gedenken an seine Mutter, Johanna Deutsch, geborene Nülsen. Harry Deutsch wanderte einst nach Amerika aus, lebte in Chicago und besuchte in den sechziger Jahren die Stadt seiner Vorfahren, Bad Münder.

Witthinrich hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen zu erforschen und soweit möglich, auf Spurensuche in ihrer neuen Wahlheimat zu gehen.

„Das könnte sogar durch die Mithilfe der Bevölkerung zu einer interessanten Ausstellung führen“, hofft Museumsleiter Michael Meier. Deshalb bitten die beiden Experten alle Bewohner der Ortschaften zwischen Deister und Süntel, die noch Informationen über die Auswanderer bis in die 1930er Jahre hinein haben, um Unterstützung.

„Besonders hilfreich sind alte Fotos, Briefe und andere Dokumente, da zu dem Thema abschließend auch eine Veröffentlichung geplant ist“, so Witthinrich. Wer dazu beitragen möchte, kann sich mit dem 55-jährigen Historiker unter 05042/506472 in Verbindung setzen oder über die Mailadresse kai@whinrich.de Kontakt aufnehmen.

Ein Schwerpunkt ist dabei der so genannte „Kartoffelwinter“ 1846, in dem besonders viele Menschen ihrer Heimat den Rücken kehrten. Ernteausfälle und Hungersnot hatten damals insbesondere Familien aus kleinen Verhältnissen, Leineweber und Tagelöhner in die Ferne getrieben. Schon im nächsten Jahr könnten die Forschungsergebnisse in Buchform erscheinen.



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