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Bürgermeister will Waschtreppe erhalten

Stufen sollen bleiben

Altenhagen II (nah). Die vorgesehenen Arbeiten für den künftigen Dorfplatz in Altenhagen II und einem Teil der Straße "Zum Kalkofen" haben ein halbes Dutzend ungleicher Steinplatten in den Blickpunkt des örtlichen Interesses rücken lassen. Die wenigen Stufen hinab zum Altenhäger Bach dürfen nach dem Willen von Bürgermeister Frank Witte und einiger Einwohner durch den geplanten Neubau einer Straßenbrücke nicht verschwinden. Im Gegenteil: Die Stufen sollen als Beispiel für eine der bereits weitgehend in den Dörfern verschwundenen Waschtreppen erhalten werden.

Schon am Rande des jüngsten Abends mit "Altenhäger Dorfgeschichte(n)", zu denen die Arbeitsgemeinschaft der örtlichen Vereine regelmäßig einlädt, hatten Anwohner auf das Relikt aus alten Zeiten hingewiesen. Zwar steigen auch heute noch Nachbarn hinab und holen eine Kanne Wasser für den Vorgarten. Aber vor Jahrzehnten nutzten noch viel mehr Leute die Treppe: Da wurden zum Beispiel nach der Ernte Rüben und Kartoffeln gewaschen. Die Hamelner Heimatforscherin Annemarie Rein-Piepho ist vor einigen Monaten den Spuren historischer Waschtreppen im Weserbergland nachgegangen. "Es gibt leider nicht mehr viele davon", berichtete sie auf Anfrage. Aber sie weiß von einigen Orten, bei denen die alten Stufen liebevoll erhalten werden; zum Beispiel an der Emmer in Hämelschenburg, am Dorfbach im Hessisch Oldendorfer Ortsteil Bensen und am Nährenbach in Fischbeck. Ein Musterbeispiel sei jedoch das am Flüsschen Saale gelegene Oldendorf, durch das die große Bundesstraße 1 führt. Dort sind bereits zwei Treppen instand gesetzt worden; zwei weitere sollen demnächst folgen. Rein-Piepho erfuhr sogar von einer Furt, durch die Bauern ihre Gespanne einst trieben, um die Pferdehufe sauber zu waschen. Etliche weitere Erinnerungen von Anwohnern hat die Forscherin inzwischen dokumentiert. Ob allerdings wie in Hämelschenburg auch in Altenhagen II die Frauen das Wasser aus dem Bach schöpften, um die zu bleichende Wäsche zu besprengen, weiß heute niemand mehr. Aber das ist Bürgermeister Witte letztendlich egal: "Die Treppe muss bleiben", hat er die Verwaltung bereits gebeten, die gerade den Ausbau von Dorfplatz, Brücke und Straße in Auftrag gegeben hat: "Und wenn das viel Geld kosten sollte", erklärt der gelernte Fliesenleger", dann werde ich selber die Stufen erneuern". Er weiß auch schon, welches Material er dafür nehmen könnte: Die historische Rundbogenbrücke soll nämlich Betonfertigteilen weichen. Da könnten die alten Steine doch glatt eine neue Funktion erfüllen.




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