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Studie zum Zugunglück von 2002: Krebs unter Beobachtung

Im September 2002 explodierte im Deisterbahnhof nach dem Zusammenstoß zweier Güterzüge ein Kesselwagen. Dabei wurden große Mengen des krebsgefährdenden Stoffes Epichlorhydrin freigesetzt. Jetzt wird eine Untersuchung vorgestellt, die sich mit der Häufigkeit von Krebsneuerkrankungen in Bad Münder beschäftigt.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Die Möglichkeit, durch das Unglück mit krebserregenden Stoffen in Kontakt gekommen zu sein, bewegt seit dem Unglück viele Münderaner. Insbesondere Feuerwehrleute – mehr als 400 agierten als Einsatzkräfte bereits kurze Zeit nach dem Zusammenstoß und größtenteils nur unzureichend geschützt an der Unfallstelle – sorgen sich. In den Wochen nach dem Gefahrgutunfall mehrten sich bei Ärzten in Bad Münder die Fälle, in denen Patienten über Symptome wie Kopfschmerzen, Atemwegs- und Augenreizungen und Hautreaktionen klagten, sprunghaft. Bis heute ist für viele die Frage, ob der Kontakt mit Epichlorhydrin (ECH), das sich in Tierversuchen als krebserzeugend erwiesen hat, in Zusammenhang mit den Beschwerden steht und ob sie einem erhöhten Erkrankungsrisiko ausgesetzt sind, nicht abschließend geklärt. In der Wissenschaft gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit ECH und Tumoren der Lunge und des zentralen Nervensystems, beispielsweise Hirntumoren. Die Untersuchung der Häufigkeit von Krebsneuerkrankungen in Bad Münder, die jetzt vorgestellt wird, kommt zu dem Schluss, das sich bislang kein „auffälliges oder sogar signifikantes Ergebnis“ ergeben hat. Die Untersuchung umfasst einen Zehnjahreszeitraum, ausgewertet wurden die Zahlen der Jahre 2005 bis 2014. Zu einer kompletten Entwarnung wollen sich die Verfasser des Berichts, Mitarbeiter der Registrierstelle des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen mit Sitz in Oldenburg, nicht durchringen – sie verweisen auf die Verzögerungszeit, mit der Krebserkrankungen auftreten können, und die könne „20 Jahre und mehr“ betragen.

Der Untersuchungsbericht ist Teil der Gesundheitsfolgenabschätzung, die nach dem Unfall unter Federführung des Landesgesundheitsamtes angeschoben wurde. Dabei standen zunächst akute wie chronische Gesundheitsfolgen in der Bevölkerung sowie das Ausmaß, in dem Münderaner dem giftigen Epichlorhydrin ausgesetzt waren, im Mittelpunkt. Parallel dazu wurde auch ein Konzept zur Krebsverfolgung erarbeitet, das eine Langzeitverfolgung durch das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen vorsah.

Analysiert wurden im Zehnjahreszeitraum – unterteilt nach Männern und Frauen – das Auftreten von Krebs insgesamt, aber ohne melanotischen Hautkrebs. In zwei weiteren Untersuchungsgruppen wurde besonders auf Lungenkrebs und bösartige Tumore des zentralen Nervensystems geachtet.

Methodik und Ergebnisse der Untersuchung sollen in einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorgestellt werden, zu der die Stadt einlädt. Sie findet am Dienstag, 25. September, um 19 Uhr im Martin-Schmidt-Konzertsaal statt.



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