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Anklage: Versuchter Totschlag

Streit um Frau: Drei Messerstiche in den Rücken

Stadthagen/Bückeburg (ly). Im Streit um eine Frau soll ein 26-Jähriger aus Bad Nenndorf einem anderen Mann vor dem Stadthäger Kinocenter dreimal ein Messer in den Rücken gerammt haben. Jetzt muss sich der mutmaßliche Täter vor dem Bückeburger Schwurgericht verantworten. Zur Last legt Staatsanwalt Frank Hirt ihm versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Bisher schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen.

Vorausgegangen waren der Bluttat gegenseitige Beschimpfungen in einem Internet-Chatroom. Das spätere Opfer, ein 21-Jähriger aus Nordsehl, wollte daraufhin offenbar die Ehre seiner Freundin verteidigen. Per Computer vereinbarten die Männer ein Treffen vor dem Lichtspielhaus an der Städthäger Bahnhofstraße. Was dort an jenem 8. Mai genau passiert ist, muss nun das Gericht klären. Es gibt verschiedene Versionen. Sicher scheint, dass zwei Waffen im Spiel waren: das Messer und eine Soft-Air-Pistole. Darunter versteht man zum Teil täuschend echte Nachbauten scharfer Waffen, die aber Kugeln aus Plastik verschießen. Zum Prozessauftakt hat ein Entlastungszeuge (19) ausgesagt, dass der mutmaßliche Messerstecher von dem 21-Jährigen mit einer solchen Soft-Air-Pistole bedroht worden sei, als die Männer sich gegenüber standen. "Jetzt knall' ich dich ab, du Hurensohn!'', soll der Nordsehler gesagt haben, "aber die Waffe klemmte''. Daraufhin habe der Nenndorfer das Messer gezogen. Staatsanwalt Hirt geht davon aus, dass der Mann mit der Pistole weglaufen wollte, eingeholt und auf offener Straße vor Zuschauern niedergestochen wurde. Vor Gericht tritt das Opfer gleichzeitig als Nebenkläger auf. Der 21-Jährige erzählt die Geschichte an den entscheidenden Stellen anders. Erst beim Weglaufen will er die Pistole aus dem Hosenbund gezogen haben. Unter den Verletzungen leidet der junge Mann nach eigenen Angaben bis heute. "Sport kann ich nicht mehr machen'', klagt er. "Ich kriegekeine Luft.'' In aufwändigen Vernehmungen versucht das Gericht nun die Tat zu rekonstruieren und Widersprüche aufzulösen. Bisher hat die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus elf Zeugen geladen. Hinzu kommen eine Rechtsmedizinerin und ein Psychiater, der die Zurechnungsfähigkeit des mutmaßlichen Messerstechers beurteilen soll. Das Opfer war zwar mit dem Leben davongekommen. Laut Gutachten hätte zumindest einer der drei Stiche aber zum Tode führen können. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Angeklagten, der bereits in Untersuchungshaft sitzt, bis zu 15 Jahre Gefängnis. Beim versuchten Totschlag wird die Strafe jedoch in der Regel gemildert. Dann bewegt sich der Strafrahmen zwischen zwei Jahren am unteren Rand sowie elf Jahren und drei Monaten Haft. Vermutlich prüfen die Richter am Ende auch, ob es sich um einen Fall von Notwehr handeln könnte. Der Prozess wird fortgesetzt.




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