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Sind die zunehmenden Wellen von W-Lan, Mobilfunk und Co. gefährlich?

Strahlende Aussichten

Bisher habe ich mir keine großen Gedanken über Umweltgifte oder den Einfluss von irgendwelchen strahlenden Geräten in meinem Haus gemacht. Seit ich aber für den Nachwuchs Babyflaschen ohne BPA, biodynamisches Spielzeug statt Plastikware kaufe und auch bei der Kleidung zumindest manchmal nach dem ökologisch wertvolleren Produkt greife, beschäftigt mich das Ganze jetzt schon.

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Autor:

Jobst Christian Höche

Zeit für eine kleine Auflistung der wichtigsten Elektrogeräte: Allein in unserem Haus befinden sich zwei Mobiltelefone, ein schnurloses Telefon, ein Babyphone, zwei Laptops, ein Tablet-PC, drei W-Lan-Laut-sprecher nebst W-Lan-Router, eine Spielekonsole, eine Mikrowelle, eine kabellose Wetterstation und ein Fernseher. Wenn ich die Suche nach einem W-Lan starte, empfange ich immer mindestens sechs weitere Signale von W-Lan-Routern aus der direkten Nachbarschaft. Damit ist eins klar: Es nutzt absolut nichts, den eigenen Router abzuschalten, um sich der Wellen zu entledigen. Auch das Abschaffen des eigenen Handys führt nicht zu weniger Strahlung im Haushalt, schickt doch ein Funkmast in rund 500 Metern Entfernung Mobilfunkwellen zum Telefonieren und für schnelle Datenübertragungen durch unser Haus. Vom Klüt schickt ein Sendemast außerdem Radiowellen durch die Räume.

Doch ist das alles wirklich schädlich? „Klares Ja“, sagen einige Bürgerinitiativen, die gegen neue Funkmasten protestieren und hinter den Signalen der unsichtbaren Signale den Tod auf Raten vermuten. „Nein, nicht gefährlich“, sagen Experten und ihre verschiedenen Studien, die in den vergangenen 15 Jahren im In- und Ausland zum Thema erhoben wurden. Sowohl die Strahlung von Mobiltelefonen gilt in der Fachpresse mittlerweile als unschädlich als auch das Verwenden von drahtloser W-Lan-Technologie. Wer hier gute Lobbyarbeit unterstellt, dem bleibt immer noch der Blick in die aktuellen medizinischen Forschungen zum Thema, die zum gleichen Ergebnis kommen. Sämtliche Studien der letzten Jahre, die sich mit der Strahlung von W-Lan-Routern und Mobilfunkanlagen beschäftigt haben, kommen zum Ergebnis, dass sich kein Zusammenhang zwischen Erkrankungen und der Strahlung von Mobil- und W-Lan-Funk herstellen lässt.

Auch das deutsche Krebsforschungsinstitut (dkfz) kommt nach einem umfassenden Studium der vorliegenden Studien- und Forschungsergebnisse zu dem Schluss, dass derzeit kein Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Mobilfunknutzung zu erkennen ist. Generelle Entwarnung aber gibt das Institut nicht. Im Gegensatz zur ionisierenden Strahlung, wie zum Beispiel der Röntgenstrahlung, reicht die Energie von Mobilfunkstrahlung jedenfalls nicht aus, um Atome und Moleküle elektrisch aufzuladen beziehungsweise zu ionisieren. Somit könne eine Schädigung von Zellen ausgeschlossen werden. An allen großen Studien wird allerdings kritisiert, dass vor allem die thermischen Auswirkungen der Strahlung auf den menschlichen Organismus untersucht werden, nicht aber die elektromagnetischen Reaktionen. Hier besteht nach Ansicht der Kritiker noch massiver Nachholbedarf.

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„Ich würde meinen Router nicht direkt neben mein Kopfkissen stellen“, sagt der Hamelner IT-Experte Thomas Liebig. Die Signalstärke nehme aber mit zunehmender Entfernung exponentiell ab, so halte er einen Betrieb in einem Meter Abstand bereits für unbedenklich. Negative Auswirkungen seien aber auch ihm nicht bekannt. „Einige Kunden weigern sich strikt gegen den Einbau von W-Lan-Anlagen, wir nutzen dann kabelgebundene Lösungen.“ Gegen ein Gefühl des Unwohlseins könne man eben nichts machen.

Wie sieht es aber mit dem schnurlosen Festnetztelefon bei uns Zuhause aus? „Die erste Generation der schnurlosen Telefone hatte eine gut zehnmal höhere Strahlungsintensität als ein herkömmlicher W-Lan-Router“, so Liebig. Diese Technik sei aus Bedenken vor zu hohen Strahlendosen, die in Pulsen versandt wurden, damals verboten worden. Bei aktuellen Modellen sei die Strahlung „um Faktor zehn“ geringer. Wird nicht telefoniert, ist die Strahlung noch niedriger.

„Wer gar keine Strahlung in seinem Haus möchte, müsste sich eigentlich einen Bleimantel ums Haus legen“, erklärt der Experte weiter. Die Zahl von W-Lan-Quellen und die der Strahlung anderer Quellen sei vor allem in Mehrfamilienhäusern mittlerweile so hoch, dass es „teilweise keinen ungestörten Empfang in den eigenen vier Wänden mehr gibt“.

Allen wissenschaftlichen Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Mobilfunk- und W-Lan-Strahlung zum Trotz klagen einige Menschen über Beschwerden durch elektrische Wellen. Sie bezeichnen sich selbst als „elektrosensibel“. Erste medizinische Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen körperlichen Beschwerden und niedrig- oder hochfrequenten Wellen gibt. Um den Ängsten der betroffenen Personen Rechnung zu tragen, hat das Bundesamt für Strahlenschutz kürzlich eine neue Studie in Auftrag gegeben, die dieses Feld weiter erforschen soll. In der Medizin gibt es aber auch Meinungen, die diese Beschwerden in den Bereich der Hypochondrie stecken, diese also schlicht weg als Quatsch abtun.

Zurück zum meinem Haushalt: Wenn W-Lan, Mobilfunk und Festnetztelefon als potenzielle Gefahrenquellen ausscheiden, kann ich auch das Babyphone von der Liste der möglichen Kandidaten streichen. Es funkt dankt digitaler Technik auf ähnlichen Frequenzen wie das W-Lan, das derzeit als unbedenklich gilt. Bleiben Radiowellen als potenzielle Gefahr. Diese werden bereits seit rund drei Generationen durch die Luft geschickt, ohne das eine Studie sie mit Erkrankungen in Verbindung gebracht hätte.

Aus einer in den USA durchgeführten Studie geht hervor, dass die Hintergrundstrahlung in größeren Städten durchschnittlich bei rund 50 Mikrowatt pro Quadratmeter liegt. Nur ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Großstädten, in der sie mit mehr als 10 000 Mikrowatt pro Quadratmeter einer über 200-mal stärkeren Leistungsflussdichte – also Strahlungsleistung pro durchsetzter Flächeneinheit – ausge¤setzt sind. Doch auch dieser Wert bleibt noch weit jenseits bislang nachweisbarer Wirkungen auf den menschlichen Organismus. Nach aktueller Forschungsmeinung sind für die hochfrequenten Felder nur thermische Wirkungen auf den menschlichen Organismus wissenschaftlich einwandfrei belegt.

Um menschliches Gewebe um ein Grad Celsius zu erwärmen – diese Temperaturerhöhung gilt als gesundheitlich unbedenklich – braucht es Leistungsdichten um 100 Millionen Mikrowatt Strahlungsdichte. Ausschließlich an den thermischen Wirkungen auf biologisches Gewebe orientieren sich auch die aktuell geltenden Grenzwerte. Um die Erwärmung des Körpers durch elektronische Geräte auf höchstens 0,1 Grad zu begrenzen, legt die Bundesimmissionsschutz-Verordnung (BImSchVO) die höchstzulässigen mittleren Leistungsdichten für das GSM Mobilfunknetz auf 4,5 Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter fest. Damit soll einer Schädigung der Bevölkerung vorgebeugt werden.

Fazit: Mein W-Lan-Router sendet von jetzt an vorsichtshalber aus einer Ecke des Hauses, die weit weg von Kinder- und Schlafzimmer liegt. Das Handy schalte ich nachts aus oder lasse es nicht neben dem Kopfkissen liegen. Ansonsten bleibt nur die Hoffnung, dass zukünftige Studien auch die elektromagnetische Strahlung von drahtlosen Geräten als unschädlich einstufen. Ein diffuses Unwohlsein vor den unsichtbaren Strahlen kann ich aber nicht mehr abschütteln.

In fast jedem Haushalt finden sich gleich mehrere Geräte, die ihre Daten drahtlos durch die Luft schicken. Schadet die Strahlung? Dana



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