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Mindener Kabarettisten im Kursaal umjubelt / Von großen Haien und kleinen Fischen

Stichlinge fragen: "Wofür werden eigentlich die Aufsichtsräte bezahlt?"

Bad Eilsen (sig). Das Kabarett der "Mindener Stichlinge" hatte bei seinem ersten Auftritt in Bad Eilsen einen guten Eindruck hinterlassen. Daran konnte man sich im Kurort erinnern. Deshalb war der Kursaal am Sonnabend auch bis auf den letzten Platz besetzt. Und die erwartungsfroh gestimmte Runde wurde nicht enttäuscht.

Wieder mal nichts Brauchbares gefangen. Die Netze der kleinen Le

Dieses Mal ging es um die ganze Fülle der aktuellen Themen, mit denen sich die Deutschen herumschlagen müssen. Die Stichlinge begaben sich - symbolisch - auf die schwankenden Planken eines Schiffes und stellten die Frage: "Land in Sicht!?" Eine Reise mit einem Traumschiff sieht anders aus. Aalglatt war die See nicht, auf der Ursula Beinlich, Dieter Fechner, Kirsten Gerlhof, Rolf Mietke und Oliver Roth unterwegs waren. Es kamen schwere Brisen auf. Die Besatzung wurde kräftig durchgeschüttelt. Und wenn sie sich bemühte, auf Fischfang zu gehen, um Abwechslung in die Speisekarte zu bringen - da war leider nichts drin. Große Fische kamen (wie häufig im Leben) ungeschoren davon, und die kleinen fielen durch die Maschen. Genauso sehen die "Stichlinge" auch die politische Alltagssituation. Da monieren Industriebosse, dass Rentner einen kleinen Zuschlag erhalten, ohne daran zu denken, dass der deutlich unter der Rate der schleichenden Geldentwertung liegt. Manager stecken sich ein Vielfaches mehr in die Tasche, und verschieben unversteuerte Millionen nach Liechtenstein. "Schlimm genug, dass das zur Normalität gehört", so die "Stichlinge". Im Meer würden noch ganz andere Haie schwimmen. Die fischten auch im Trüben. In diesem Fall mit dem Stromnetz. Ein Geschäft, das ihren Unternehmen Gewinne in Millionenhöhe einbringt und Millionen von Menschen Existenzängste beschert. Ungeschoren kam auch die SPD nicht davon. Seitdem "Käpt`n Münte" von Bord gegangen ist, laufe da kaum noch was. Parteichef Beck habe sich durch das Liebäugeln mit den Linken ins Abseits manövriert. Aber auch von Koch halten die Kabarettisten nicht viel. Er habe sich mit seinen Wahlkampfreden rechtsaußen eingeordnet. Hessens Zukunft sei ungewiss. Die Linken schleppten in ihrem Gepäck ehemalige SED- und DKP-Leute mit sich herum. Damit sei ebenso wenig zu spaßen wie mit den Neonazis, die mit ihren Parolen immer mehr junge Leute infizieren. Inzwischen hätten die Richter die Hürden so hoch gestellt, dass niemand mehr einen neuen Verbotsantrag für die NPD wage. Völliges Unverständnis bringen die "Stichlinge" für den Bankencrash auf. Da verzocken deutsche Bankinstitute Unsummen, kommen in Schieflage und müssen aus Steuermitteln vor dem "Aus" bewahrt werden. "Wo bleibt da das Controlling, wofür werden eigentlich Aufsichtsräte bezahlt?, fragten die Mindener. Empfehlung für die Zukunft: "Wie wär`s denn, wenn die Pappnasen für das haften müssten, was dort verzockt worden ist?" (Tosender Beifall aus dem Saal!) Und schließlich spießten die "Stichlinge" noch die Kochshow-Inflation im TV auf: "Die Deutschen werden immer feister, und schuld daran sind die Küchengeister." "Gut gemacht - unerschrocken und sehr aktuell", so fällt das Urteil nach dem zweiten Auftritt aus. 2009 sollte es ein Wiedersehen geben.



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