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Stellvertreterin zeigt Vorsitzenden an

Bad Münder. Sie haben versucht, den Deckel drauf zu halten – es ist ihnen nicht gelungen. Zweieinhalb Wochen vor der Bundestags- und Landratswahl muss sich die SPD in Bad Münder erneut mit einem handfesten Skandal auseinandersetzen. Die stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Martina Hilger hat ihr Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt und ist auch als kooptiertes Mitglied der Stadtratsfraktion ausgeschieden. Hintergrund ist eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzenden Heinrich Söfjer.

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Dieser Schritt Hilgers wirft auch in SPD-Kreisen Fragen auf. Die Vorsitzende des Ortsvereins Bakede galt bislang als vehemente Unterstützerin des Stadtverbandsvorsitzenden, in den vergangenen Krisensituationen in Stadtverband und Fraktion stand sie fest an der Seite Söfjers und verteidigte seine Position. Erst im März wurde sie zu seiner Stellvertreterin im Stadtverband gewählt.

Dass die Vorwürfe Hilgers gegen den Parteichef schwer wiegen müssen, zeigt sich auch darin, dass sie bei der Polizei Anzeige erstattete. Jürgen Keller, Chef des Kriminalermittlungsdienstes in Bad Münder, bestätigte gestern, dass Anzeige erstattet wurde. Details zum Inhalt der Anzeige wie auch zu den beteiligten Personen wollte er nicht nennen. „Wir haben Ermittlungen wegen des Verdachts auf Stalking und übler Nachrede aufgenommen und bereits erste Zeugen befragt“, erklärte er.

Diese Ermittlungen führt auch Hilger als Grund an, sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht näher zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Dass sie Anzeige erstattet hat, bestätigt sie – und auch, dass ihr Rücktritt von den Posten im Stadtverband und in der Fraktion unmittelbar mit der Anzeige gegen Heinrich Söfjer und Reaktionen von Parteivertretern auf ihre Vorwürfe zusammenhängt.

Zugeknöpft geben sich die aktuellen Sprecher von Stadtverband und Fraktion. „Die Auseinandersetzung hat persönliche Gründe, die nichts mit der Arbeit des Stadtverbandes zu tun haben“, sagt Kerstin Achilles, stellvertretende Vorsitzende. Uwe-Peter Keil, stellvertretender Fraktionschef, erklärte gestern Abend, bis auf die Mail Hilgers mit ihrer Rücktrittsmitteilung keine Kenntnis von den Vorgängen zu haben. Er wisse von einigen Gerüchten, will sich dazu aber nicht äußern, da es sich offensichtlich um eine private Auseinandersetzung handele.

Heinrich Söfjer, der sich derzeit einer medizinischen Behandlung unterzieht, hatte im Anschluss an die Fahrt des SPD-Stadtverbandes zur Feier des 150-jährigen Parteibestehens in Berlin erklärt, aus „gesundheitlichen und persönlichen Gründen“ seine Arbeit an der Spitze der Fraktion und des Stadtverbandes bis auf Weiteres ruhen lassen zu müssen. Auf Nachfrage dieser Zeitung wollte er nicht zu den aktuellen Vorwürfen Stellung nehmen. „Kein Kommentar. Nur soviel: Die Vorwürfe sind haltlos, sie stimmen nicht“, erklärte er.jhr

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