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Forstgenossenschaft verhandelt mit Entsorgungsunternehmen / Mehr Transparenz gefordert

Steinbruch als Deponie? Bürgermeister besorgt

Hamelspringe (jhr/rho). Was an Gerüchten bislang nur durch den Ort tröpfelte, schwappte am Dienstagabend wie eine Welle über die Versammlung des Wasserbeschaffungsverbandes Hamelspringe-Bakede-Egestorf-Böbber hinweg: „Was ist dran an den Spekulationen über eine Deponie im Steinbruch Hamelspringe?“, wollten die Besucher wissen, nachdem auch in der Versammlung Fragen aufgekommen waren.

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Werner Speer, Vorsitzender der Forstgenossenschaft Bakede, erläuterte gestern auf NDZ-Nachfrage den Stand der Planungen. Demnach stehen die Forstgenossen, zu deren Gebiet auch der Steinbruch gehört, seit Februar in Kontakt mit einem Unternehmen, das bereits in Lüthorst bei Eschershausen Asche aus Filteranlagen deponiert. Angefragt wurde von der GFR, der Gesellschaft für die Aufbereitung und Verwertung von Reststoffen mbH, ob auch im Steinbruch Hamelspringe Asche aus der Verbrennung von Kohle gelagert werden könne. „Kohlenasche, nichts Anderes. Kein Müll“, sagt Speer. Zur Einlagerung werde die Asche mit Wasser versetzt und bilde dann eine Art Schwammstein. „Wir haben mit dem Thema nicht hinterm Berg gehalten. Wir haben es mehrfach im Vorstand diskutiert, sind dann zu dem Schluss gekommen, dass alle Mitglieder darüber beraten müssen und haben eine außerordentliche Mitgliederversammlung zum Thema veranstaltet“, sagt Speer. Allerdings sei das Interesse an der Versammlung gering gewesen – ebenso wie an einer von ihm organisierten Fahrt zum Steinbruch Lüthorst, wo sich die Forstgenossen vor Ort informierten. Der Vorstand der Genossenschaft sei beauftragt worden, mit dem anfragenden Unternehmen in Verhandlungen einzutreten. Dazu müsse aber auch die Norddeutsche Naturstein GmbH (NNG) eingebunden werden. Die NNG betreibt den Steinbruch, müsste einen Teil des Grundstücks zur Verfügung stellen. „Die Gespräche laufen, Ergebnisse kenne ich noch nicht“, erklärt Speer.

Aufgabe der GFR sei es, Gutachten zur Machbarkeit und Verträglichkeit beizubringen, diesen Part wollen die Forstgenossen nicht übernehmen. Dazu müsse zunächst mit dem Landkreis und dem Gewerbeaufsichtsamt Kontakt aufgenommen werden. Beim Landkreis ist das Thema noch nicht bekannt. „Im zuständigen Fachdienst gibt es keine Kenntnisse über die Durchführung oder Planung von Probebohrungen im Steinbruch Hamelspringe“, erklärt Sprecherin Sandra Lummitsch auf Anfrage.

Speer räumt ein, dass es sich für die Forstgenossenschaft um ein profitables Geschäft handle. „Wir wissen ja nicht, was in den kommenden Jahren mit dem Wald auf uns zukommt. Vielleicht wieder ein Sturm wie Kyrill. Und unser Ziel ist es, den wunderschönen Wald hier zu erhalten.“ Belastungen für die Umwelt kann er durch die Einlagerung bislang nicht ausmachen, er will aber das Ergebnis der Untersuchungen zunächst abwarten.

Deutliche Befürchtungen in Richtung Umweltbelastungen und Wassergefährdung hegen hingegen die Ortsbürgermeister Rolf Wittich aus Bakede und Susanne Bubat-Hahn in Hamelspringe. Sie kritisieren fehlende Transparenz im bisherigen Verfahren. Wittich will das Thema schon bald in den Mittelpunkt einer Bürgerversammlung stellen, Bubat-Hahn hat nach Bekanntwerden der Pläne gestern Kontakt zur Unteren Wasserbehörde und anderen Behörden aufgenommen. „Meines Wissens nach geht es da um Feinstäube, möglicherweise um die Gefahr einer Dioxinbelastung“, sagt sie.

Auch sei nicht klar, woher die großen Mengen Wasser, die benötigt werden, stammen sollen. Wie Wittich fürchtet sie unvorhersehbare Folgen, falls das Wasser aus einer Tiefe von 60 oder mehr Metern gefördert werden soll. „Wasser sucht sich seinen Weg – das wissen wir alle“, erklärt sie. Nun müssten „Fakten auf den Tisch“. „Da passiert mir viel zu viel im Hintergrund“, erklärt die Bürgermeisterin.



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