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Diskussion um Rintelns umstrittenes Denkmal geht weiter / Landkreis will Inschrift entfernen lassen

Stein aus NS-Zeit: Kulturgut oder Störenfried?

Rinteln (clb). Für den Streit um den Stein an der Realschule interessieren sich jetzt auch überregionale Medien: Nachdem im September Frankfurter Lehrer zu Besuch in Rinteln gewesen waren und Kritik an dem Nazi-Denkmal vor dem Eingang der Realschule geäußert hatten, ist jetzt der NDR - sowohl Radio als auch Fernsehen - auf das Thema aufmerksam geworden und war gestern zu Besuch in Rinteln, um öffentliche Meinungsträger zu befragen. Dabei kam vor allem die Frage auf, ob ein Schulhof der richtige Ort für ein solches Denkmal - und vor allem für seine umstrittene Inschrift "Klagt nicht - kämpft" - ist.

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Während Museumsleiter Dr. Stefan Meyer und Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz eine Ergänzung um eine historische Erklärung (in welcher Form auch immer) befürworten, sind die Heimatbund-Denkmalschützer um Werner Zimmermann für die Erhaltung des Steins und seiner Inschrift. Gestern hat sich der Landkreis Schaumburg als Schulträger dazu durchgerungen, den Schriftzug entfernen zu lassen. "Wir haben uns kurzfristig dazu entschlossen, diese Inschrift zu entzerren, weil wir glauben, dass das insbesondere in Verbindung mit einer Schule nur zu Missverständnissen führen kann", bestätigte Dezernentin Eva Burdorf auf Anfrage. Dr. Stefan Meyer, der grundsätzlich betonte, als Historiker keine fachliche Empfehlung zur Gestaltung eines Denkmals geben zu können, erklärte, dass jede Zeit das Recht hat, die Geschichte aus ihrer Sicht zu interpretieren. "Das Besondere ist ja weder die Entstehungszeit noch die Inschrift, sondern die Tatsache, dass der Stein mitten in der Stadt und mitten auf dem Schulhof steht. Und da muss man sich ja fragen: Ist das die Botschaft, die man den Schülern sagen will?" Dieser Stein sei damals sicher bewusst in Granit und für die nächsten 1000 Jahre dort hingesetzt worden, doch heute müsse man sich fragen, ob er dort wirklich so lange stehen soll oder ob "wir nicht das Recht haben, das so zu interpretieren, wie wir das heute auch sehen". Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz vermutet, dass der Stein der Rintelner Bevölkerung nicht als Nazi-Denkmal im Bewusstsein gewesen ist und es deshalb keine öffentliche Diskussion gegeben hat. "Ich finde die Inschrift nicht in Ordnung, weil sie missverständlich interpretiert werden kann", sagt Buchholz. Auch er plädiert für eine zusätzliche Erklärung, um zu verdeutlichen, vor welchem historischen Hintergrund der Stein damals dort hingekommen ist. Auf keinen Fall könne man ihn an einer Bildungseinrichtung unkommentiert stehen lassen. Das sieht Werner Zimmermann vom Arbeitskreis Denkmalschutz des Heimatbundes ganz anders: "Dieser Stein ist ein authentisches Zeitdokument aus dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Und der Standort direkt vor dem Eingang der Schule ist optimal - er provoziert ja geradezu zum Nachdenken und zum Auseinandersetzen mit dieser kritischen Zeit." Dafür, dass die Inschrift in Kürze von dem Findling entfernt werden soll, hat Zimmermann kein Verständnis. Auch hält er es für wichtig, diese Diskussion öffentlich zu führen. "Die Frage, ob was verändert werden sollte, darf keine Entscheidung sein, die nur in vertraulichen Kreis- und Verwaltungsausschüssen diskutiert wird", so der Denkmalschützer. Die große Aufgabe der Schule sei es jetzt, die Schüler über die historische Epoche aufzuklären und das Denkmal in den Unterricht einzubinden. Das ist bislang jedoch nicht geschehen. Viele der gestern dazu befragten Schüler konnten weder mit dem Denkmal noch mit der Inschrift etwas anfangen. "Vielleicht hat das was mit Mobbing und Gewalt an den Schulen zu tun", vermutete ein Schüler. Ein anderer: "Das hört sich schon ein bisschen rassistisch an. Immer gleich einen draufgeben, schon brutal." Andere Jugendliche hingegen waren der Meinung, dass der Stein nicht zum Bild der Schule passt, viel zu groß ist. Und: "Wenn der Stein an den Zweiten Weltkrieg erinnern soll, finde ich es schlecht, weil ?Klagt nicht - kämpft' ja aussagt, dass es für einen guten Zweck ist", erklärte ein Junge. In einem Punkt waren sich alle Befragten einig: dass das Thema dringend im Unterricht behandelt werden müsste. Schulleiter Horst Kynast lehnte das Gespräch mit dem NDR jedoch ab. Hinweis: NDR 1 Niedersachsen (Frequenz 100,8) sendet die Beiträge der gestrigen Befragung, bei der auch der Chefredakteur unserer Zeitung, Frank Werner, interviewt wurde, heute um 8 Uhr sowie um 17 Uhr in den Nachrichten. Das NDR-Fernsehen wird heute um 19.30 Uhr im Rahmen der Sendung "Niedersachsen 19.30 - das Magazin"über das umstrittene Rintelner Denkmal berichten.



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