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Bahnchef Mehdorn drückt Provisionen "bis zum Gehtnichtmehr" / Bürgermeister schreibt an Bahn-AG

Steht Rintelner Bahnagentur bald vor dem Aus?

Rinteln (ur). Vor noch nicht einmal einem halben Jahr hat Britta Kallikat ihr "Reisebüro im Bahnhof" eröffnet und damit nach langer Durststrecke wieder den Verkauf von Bahnfahrkarten in Rinteln möglich gemacht. Jetzt droht das Aus: Die Deutsche Bahn AG drückt ihre Provisionen auf eine Marge zwischen 1 und 2 Prozent - "viel zu wenig für einen wirtschaftlichen Betrieb", meint Kallikat.

Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz bleibt in Sachen Bahn am Ball:

Lange hatte es gedauert, bis nach immer weiteren Rückzugsaktionen der Deutschen Bahn aus der Fläche in Rinteln wieder ein Fahrkartenverkauf möglich wurde - und zu verdanken war dies in erster Linie dem gemeinsamen Bemühen der Stadt Rinteln und der Touristikunternehmerin Britta Kallikat aus Obernkirchen, die das Reisebüro im Bahnhof in eigenerRegie und auf eigenes Risiko aufgemacht hat. Dieser Betrieb mit freier Bahnagentur hat sich inzwischen etabliert und ist seit Anfang April zusätzlich zu den Nachmittagszeiten von 15 bis 18 Uhr von Montag bis Sonnabend auch von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Man könnte von einer aussichtsreichen Perspektive sprechen, wäre da nicht der Versuch von Bahnchef Hartmut Mehdorn, die Provisionen der rund 4000 Bahnagenturen auf die Fahrkartenpreise von derzeit 6 Prozent auf eine Marge zwischen 1 und 2 Prozent zu drücken. "Viel zu wenig, um dann noch wirtschaftlich arbeiten zu können", klagt die Reiseverkehrskauffrau, die ihre Befürchtung auch in einem Brief an Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee zum Ausdruck gebracht hat. Dabei beschwor sie auch das Risiko eines "Aus" für viele freie Agenturen. Immerhin 90 Prozent ihrer Umsätze kommen aus dem Kartenverkauf, und wenn die Kalkulationdafür so drastisch verändert würde, bedeute dies: "Entweder dicht machen oder von den Kunden eine Bearbeitungsgebühr nehmen - beides möchte ich nicht." Inzwischen hat sich auch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz eingeschaltet und einen Brandbrief an Bahnchef Mehdorn geschrieben: "Es kann im ländlichen Raum nicht um Gewinnmaximierung um jeden Preis gehen, sondern um die Sicherstellung eines wirtschaftlichen kostendeckenden Betriebs." Für eine Stadt mit rund 29 000 Einwohnern wie Rinteln und ihre Zentralitätsfunktion für das Umland sei es nicht tragbar, wenn Beratung und Fahrkartenverkauf kurz- bis mittelfristig wieder eingestellt werden müssten. Vielleicht "juckt" es die Bahnoffiziellen aber auch nur, dass freie Agenturen wie die von Britta Kallikat tatsächlich daran orientiert sind, immer die günstigsten Verbindungen für ihre Kunden herauszusuchen - ein Verständnis von Service, das leider laut verschiedener Testkauf-Studien von den bahneigenen Verkaufsstellen häufig missachtet wird. Inzwischen ist im Reisebüro am Bahnhof auch eine Unterschriftenaktion für die Beibehaltung der Provisionsregelung angelaufen, um die Position der Agenturen gegenüber der Bahn zu stärken.

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