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Museumsleiter des Weserberglandes befassen sich mit EWR-Debakel / Rintelns Museumschef: Pleite muss heilsam sein

Stefan Meyer: "Wir haben ja jede Menge Erlebniswelten!"

Rinteln/Weserbergland (cok). Es gab fast nur ein Thema, als sich die Leiter der 40 Museen des Weserberglandes zu einem ihrer regelmäßigen Treffen zusammenfanden: das Debakel rund um die "Erlebniswelt Renaissance" (EWR) und die daraus zu ziehenden Lehren für die Kulturschaffenden des Landes.

"Das Weserbergland ist so reich bedacht mit kulturellen Sehenswürdigkeiten wie kaum eine andere Landschaft in Deutschland", sagte Stefan Meyer, Leiter des Rintelner Museums Eulenburg und Sprecher der Weserbergland-Museen. "Nicht das kulturelle und historische Potenzial des Weserberglandes hat hier versagt, sondern die Geschäftsführung eines Großprojekts, das ohne Kontrolle, Vernetzung und Akzeptanz in der Region war." Diese harten Worte scheinen nötig, angesichts einer möglicherweise drohenden Verstimmung und Demotivierung der kulturellen Institutionen, die mit ansehen mussten, wie enorme Summen offenbar ohne funktionierende Kontrollmechanismen an die Kölner Agentur MWK überwiesen wurden. "Das Weserbergland muss sich wieder auf die eigenen Stärken besinnen. Die bestehen in einer hervorragenden touristischen Infrastruktur, zu der insbesondere auch die Museen zählen." Man wolle und dürfe nicht resignieren, weil eine so groß angelegte Touristenattraktion wie die "Erlebniswelt Renaissance" nicht den erwünschten Erfolg bringen konnte, so die Botschaft der Museumsleiter. "Wir haben ja bereits jede Menge wunderbarer ?Erlebniswelten' ", betonte Meyer, und nannte dabei nicht nur eine in Deutschland einzigartige Dichte hochwertiger Renaissancebauten und Kunstwerke von europäischem Rang, sondern zum Beispiel auch die weltberühmten Sagen und Märchen in Hameln und Bodenwerder, die barocke Universitätsgeschichte in Rinteln oder etwa die Glashüttentradition, das Besucherbergwerk in Kleinenbremen und die Porzellanmanufakturen der Welt in Fürstenberg, als eine der ältesten der Welt. Die musealen Einrichtungen ringsum seien bereits miteinander zu einem Netzwerk verknüpft und in konstruktiver Zusammenarbeit engagiert. Die Lehre aus der EWR, die diesem Netzwerk eher aus dem Weg gegangen sei, könne für die Zukunft nur eine stärkere Berücksichtigung der bestehenden kulturellen und touristischen Infrastruktur bedeuten, so Meyer. "Wir sollten uns gemeinsam, landkreisübergreifend an einen Tisch setzen und neue Ideen entwickeln, denn wir brauchen ein gemeinsames touristisches Leitbild und eine Zusammenarbeit zwischen Politik und Kultur zur gezielten Belebung und Erschließung unserer zahlreichen Attraktionen." Dazu gehöre auch die Erarbeitung von Konzepten für eine gemeinsame Werbestrategie, für die weitere regionale Museenentwicklung und die Entwicklung aktueller, gemeinsamer Museums- und Kulturführer. "Der Schock der EWR-Pleite muss ein heilsamer sein", sagte Meyer. "Er darf keine Lähmung, sondern muss ein Einlenken zugunsten des bestehenden, reichen Potenzials in der Region bedeuten. Wenn dies geschieht, hat die EWR vielleicht doch Gutes bewirkt."



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