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Stammzellen-Typisierung in Beber: Sekunden gegen Blutkrebs

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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Es ist ein dreifacher Spendetermin, der in Beber am Donnerstag stattfindet. Vor allem Blut wird in der Mehrzweckhalle gespendet, um Menschen bei Operationen mit frischen Konserven versorgen zu können. Zwei Mal pro Jahr veranstaltet der DRK-Ortsverein eine solche Spende. Dieses Mal können auch Kleidungsstücke und ein paar Zellen aus der Mundschleimhaut gespendet werden.

Die Stäbchen verteilen zwei Mitarbeiter des Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Registers (NKR), Erika Wilkens-Aktürk und André Marner. „Wir schicken die Proben ins Labor“, erklärt Wilkens-Aktürk, „das dauert dann sechs bis acht Wochen und dann stehen Sie weltweit für eine Stammzellspende zur Verfügung.“ In zwei Monaten bin ich also einer von über 28 Millionen Menschen, deren Zellen helfen könnten, um bei einem Patienten Blutkrebs oder einen Defekt des Immunsystems zu heilen – vielleicht in Brasilien, Südafrika oder Schweden. So steht es in der Broschüre, die mir die NKR-Mitarbeiterin zusammen mit den Stäbchen und einem Pappbecher in die Hand drückt.

„Aufgenommen werden Menschen im Alter von 18 bis 55 Jahren“, sagt Wilkens-Aktürk, „mit 61 Jahren wird man aus der Datenbank gelöscht, weil man dann als Spender nicht mehr infrage kommt.“ Das liege vor allem an der körperlichen Belastung einer Stammzellspende. Wer lebensgefährliche Infektionskrankheiten wie Diabetes oder Aids hat, selbst an Krebs erkrankt ist oder einen schwachen Kreislauf hat, darf nicht spenden. Meine Allergien spielen keine Rolle.

„Schwere psychische Erkrankungen sind auch ein Ausschlusskriterium“, sagt Wilkens-Aktürk. „Man sollte auch die psychische Belastung einer solchen Spende nicht unterschätzen“, sagt sie. „Das ist wie eine Blutwäsche und kann mehrere Stunden dauern.“

Von dem Wattestäbchen im Mund bis zur Spende ist es allerdings noch ein langer Weg. „Wenn sie für einen Patienten als Spender infrage kommen, nehmen wir Kontakt zu Ihnen auf“, so Wilkens-Aktürk. „Und dann wird noch einmal alles getestet.“ Dafür hat das NKR jetzt meine Adresse, meine Telefonnummer und meine Mail-Adresse. Drei Möglichkeiten, um mich zu erreichen. Trotzdem: „Manche Spender erreichen wir sofort, manche erst nach mehrmaligen Versuchen.“ Die Gründe seien unterschiedlich: Manchmal würden die Briefe zunächst für Werbung gehalten, einige Spender seien auch mehrmals umgezogen, die Telefonnummer ungültig. „Dann müssen wir uns erstmal durchtelefonieren.“ Dabei müsse es oft schnell gehen, erklärt die NKR-Mitarbeiterin.

Nach der Aktion in Beber wird die Datenbank voraussichtlich um 64 Datensätze wachsen. So viele Menschen haben sich in den drei Stunden am Donnerstag typisieren lassen. Zusätzlich wurden über 1200 Euro Spenden gesammelt, unter anderem vom DRK, einer heimischen Firma und der Kreistagsabgeordneten Barbara Otte-Kinast. Blutspender gab es 79. Nicole Ofner-Barkowski, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins, ist zufrieden: „Das ist die bisher höchste Spenderzahl.“



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