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Ursache des Zwischenfalls auf der Riha-Baustelle unklar / Berufsgenossenschaft leitet Untersuchungen ein

Stahlträger kippt um: "Hatten enormes Glück"

Rinteln (crs). Den Schreck ihres Lebens haben fünf Betonbauer auf der Baustelle für das neue Riha-Logistikzentrum an der Braasstraße erlebt. Am späten Donnerstag-nachmittag vergangener Woche saßen die Männer in einem Wohnwagen auf dem Baustellengelände, als sich eine 20 Meter lange und 16 Tonnen schwere Stahlbetonstütze aus ihrer Verankerung löste und auf die zwei Wohnwagen krachte. Wie durch ein Wunder wurde keiner der Männer verletzt, alle konnten unversehrt aus dem zerstörten Wohnwagen steigen.

Stolze 20 Meter hoch ist der Stahlbetonträger, der auf dem Baust

"Es hätte viel, viel mehr passieren können, wir hatten enormes Glück", sagt Riha-Firmenchef Richard Hartinger jun., der selber erst am Montag von dem Unfall erfahren hat - denn offiziell ist nicht Riha der Bauherr, sondern, wie bei Bauprojekten dieser Größenordnung üblich, eine Leasinggesellschaft. Auch wenn Hartinger mit einem Schaden von rund 50 000 Euro rechnet, ist er vor allem erleichtertüber den letztlich glücklichen Ausgang des Unfalls: "Am wichtigsten ist, dass den Bauarbeitern nichts passiert ist." Wie die gigantische Stahlbetonstütze umstürzen konnte, ist noch ungeklärt. Offenbar war der gerade erst errichtete 20-Meter-Träger jedoch noch nicht endgültig in seinem Fundament verankert, wie Bauleiter Wolfgang Reißmann von der Firma Markgraf aus Bayreuth als Generalunternehmer bestätigt: "Das hätte am Abend ausgegossenwerden sollen." Die Stützen werden als Fertigteile angeliefert und vom Kran in ein vorgefertigtes Loch aus Beton, ein so genanntes Köcherfundament, gehoben, dort zunächst mit Keilen befestigt und erst später mit Beton ausgegossen. Dieser letzte Schritt fehlte bei der umgestürzten Stütze, was Bauleiter Reißmann als übliches Verfahren auf dem Bau schildert: "Die Säulen werden zunächst verkeilt und dann später gesammelt ausgegossen." Die genaue Ursache des Zwischenfalls soll jetzt ein Gutachten klären: Die Berufsgenossenschaft hat Untersuchungen eingeleitet. Dabei soll herausgefunden werden, ob unter Umständen ein Materialfehler zum Unfall geführt hat oder ob tatsächlich die mangelnde Verankerung ursächlich war. Frühestens in zwei Wochen soll das Gutachten vorliegen. Unklar ist auch, ob die Wohnwagen -ältere Modelle, die von den Arbeitern des Betonbau-Unternehmens aus Ludwigshafen als Pausenraum und Übernachtungsmöglichkeit genutzt wurden - überhaupt auf dem Baustellen-Gelände hätten stehen dürfen. "Das ist gegen die Sicherheitsbestimmungen", meint Hartinger - Reißmann widerspricht: "Es gibt hierzu keine Vorschrift." Und was, wenn noch eine der 24 Stützen auf dem Baustellengelände umkippt? "So etwas darf nicht wieder passieren", sagt Hartinger. "Wir haben darauf hingewiesen, dass alles überprüft werden muss." Auch die Firma Markgraf nimmt den Zwischenfall sehr ernst, hat einen firmeninternen Sicherheitsingenieur kommen lassen. Reißmann sichert zu: "Wir werden in Zukunft noch stärker darauf aufpassen, dass sämtliche Sicherheitsrichtlinien streng umgesetzt werden."

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