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Neuordnung der Energieversorgung soll im Juni bekannt gegeben werden / Erfahrungen aus Springe

Stadtwerke-Debatte geht in eine neue Runde

Bad Münder (mf). Gründet die Stadt Bad Münder eigene Stadtwerke oder lässt sie sich weiter von Eon Avacon mit Strom und Gas beliefern? In den kommenden Wochen wollen Politik und Verwaltung alle möglichen Alternativen ausloten, um Ende des Jahres eine Grundsatzentscheidung treffen zu können.

Ende 2012 läuft in Bad Münder der Stromkonzessionsvertrag aus.

Nach Informationen der Neuen Deister-Zeitung buhlen derzeit mindestens fünf Energieversorger um die Gunst der Kurstadt. Sie alle haben in den zurückliegenden Monaten im Rathaus ihre Konzepte vorgestellt – unter anderem im Verwaltungsausschuss und in den Fraktionen. Hintergrund: Ende 2012 laufen die langfristigen Konzessionsverträge zwischen Stadt und Eon aus. Im Gegenzug dafür, dass sie dem Energiekonzern das Leitungsrecht gewährt und darauf verzichtet haben, die öffentliche Versorgung selbst wahrzunehmen, bekommt die Gemeinde Geld – die sogenannte Konzessionsabgabe.

Eon Avavon versucht derzeit, der Stadt eine Verlängerung beziehungsweise einen Neuabschluss dieses Vertragsverhältnisses schmackhaft zu machen. Ob der Rat darauf eingeht, ist indes fraglich. Schließlich gibt es eine Reihe weiterer Handlungsoptionen, die für die Kommune unterm Strich lukrativer sein dürften.

Das weitestgehende Modell wäre eine Stadtwerke-Gründung nach Springer Vorbild. Am 22. April wollen sich die münderschen Ratspolitiker deshalb ein Bild davon machen, welche Hürden man dafür in der Nachbarstadt nehmen musste. Der Springer Baudezernent Hermann Aden wird im Verwaltungsausschuss von den Erfahrungen berichten.

Als Partner für ein solches Stadtwerke-Modell hat sich das Unternehmen BS Energy/Veolia angeboten, das auch bereits in Springe als Partner zum Zuge gekommen ist. Dass BS Energy/Veolia weiter expandieren will, ist kein Geheimnis; eben so wenig, dass sich bei einem Engagement in Bad Münder Synergieeffekte ergäben. Mit der Veolia-Tochter Oewa hat man in Bad Münder im Abwasserbereich immerhin schon gute Erfahrungen gemacht.

Zwischen den Modellen Konzessionsvertrag und Stadtwerke-Gründung bieten sich allerdings noch diverse Zwischenlösungen an: Etwa ein Pachtmodell, zu dem Eon offenbar auch bereit wäre. Das funktioniert so: Die Kommune gründet allein oder mit Partnern eine Gesellschaft, erwirbt das vorhandene Netz, um es dann umgehend an den jetzigen Betreiber und Eigentümer zurück zu verpachten. Mit dem operativen Geschäft hätten dann weder Gemeinde noch Netzgesellschaft etwas zu tun.

„Wir wollen bei einem möglichst geringen Risiko so viel Geld wie möglich verdienen“, gibt der stellvertretende Verwaltungschef Marcus Westphal offen als Parole aus. Grundsätzlich sei aber noch alles offen, jede Variante vorstellbar.

Neben Einnahmen geht es auch um Einfluss: Der wäre für die Stadt bei eigenen Stadtwerken ohne Zweifel am größten. Über den Aufsichtsrat könnte sie die Geschäftspolitik mitbestimmen.

Nicht vom Tisch ist für die Stadt auch die Option, unter das gemeinsame Dach kreisweiter Stadtwerke zu schlüpfen. Weil dort die Mitspracherechte vermutlich aber sehr eingeschränkt wären, wird diese Variante von vielen münderschen Politikern abgelehnt. Seine Fühler nach Bad Münder ausgestreckt hat dem Vernehmen nach auch noch ein Energieversorger aus der Region Hannover.

Voraussichtlich in der Juni-Sitzung des Rates will die Stadtverwaltung der Politik alle Varianten aufzeigen. Dann soll die Neuordnung von Gas- und Stromversorgung öffentlich bekannt gemacht werden. Bis zum Ende des Jahres erhofft sich die Verwaltung eine Grundsatzentscheidung des Rates.



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