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Stadtjugendpflege in Bad Münder: Emotionen im Ausschuss

BAD MÜNDER. Es ist genau ein Satz, der aus einer angespannten Situation eine emotionale Debatte macht, die so im Bildungsschuss selten geführt wurde: „Ich habe mich sehr unwohl gefühlt.“ Gesagt hat ihn SPD-Ratsfrau Ekatarina Heindorf als Reaktion auf den Bericht des Stadtjugendpflegers Frank Henning.

Sozialpädagoge Frank Henning stellt im Bildungsausschuss die Arbeit der Stadtjugendpflege vor – unterstützt von zahlreichen Jugendlichen, die als Besucher zu der Sitzung gekommen sind. Foto: Dittrich
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

„Hier steht niemand vor einem Tribunal“, erklärte sich Heindorf, „niemand muss sich in dieser Sitzung verteidigen.“ Eine Aussage, die für verstörende Blicke und Empörung sorgte – sowohl bei Henning als auch bei den Jugendlichen, die als Besucher in den Sitzungssaal am Steinhof gekommen waren. „Wir sind nicht hier, weil wir uns verteidigen müssen“, schallte es von dort als Reaktion. „Verteidigen muss ich mich vor niemandem“, konterte auch Henning direkt.

Benjamin Hachfeld (CDU), Elternvertreterin Melanie Matuszak-Röhrig und AG-Sport-Vorsitzender Jürgen Koch stellten sich Heindorf ebenfalls entgegen – sie hätten sich eigentlich sehr wohl gefühlt und lobten Hennings Arbeit.

Dabei hatte die Ausschusssitzung zunächst gelassen begonnen – mit einer sichtlich entspannten und erfreuten Vorsitzenden Petra Joumaah (CDU): „So viele Besucher hatten wir selten bei einer Sitzung. Das sieht fast wie ein Jugendparlament aus.“ Ein Andrang, den Henning sichtlich überraschte, der auf Einladung des Ausschusses seinen Arbeitsbereich vorstellte. Die von ihm ausgebildeten Jugendleiter hatten Wind von der Sitzung bekommen und eilten als Unterstützung für „ihren“ Sozialpädagogen herbei – Sozialassistent Christian Dreeke verlas außerdem einen Text der Jugendleiter. „Du bist 100 Prozent empathisch, ehrlich und direkt“, wurde Henning darin gelobt, „du brauchst dir keine Jugendleiter zu fischen.“

SPD-Ratsmitglied Swen Fischer hatte in einer vergangenen Sitzung einen Bericht der Stadtjugendpflege angeregt – um mehr über Hennings Arbeit zu erfahren und dem Bereich generell mehr Platz in der Runde einzuräumen.

Hennings Bericht geriet dann zum Rundumschlag seines Arbeitsfeldes von 1993 bis heute, angereichert mit Beispielen vom Ferienprogramm bis hin zu Kino-, Disco- und Hiphop-Angeboten, die der Jugendpfleger über die Jahre realisiert hatte. „Viel Zeit nimmt auch die Einzelfallbetreuung in Anspruch“, erklärte er weiter. Die beruhe aber auf Anonymität und solle deswegen auch anonym bleiben. „Hilfe in allen Lebenslagen“, hatte Fachdienstleiterin Sina Bruns die Aufgabe der Stadtjugendpflege zuvor eingeordnet.

Einige Wochen zuvor hatte sich allerdings auch der SPD-Ortsverbandsvorsitzende Daniel Köhler kritisch über das Kinder- und Jugendzentrum „Point“ geäußert (wir berichteten) – was offenbar für viel Wut unter den Jugendlichen gesorgt hatte, wie jetzt deutlich wurde. Köhler selbst war allerdings nicht als Besucher bei der Sitzung erschienen. „Der hätte ruhig mal kommen können“, sagte Joumaah eindeutig in dessen Richtung, ohne seinen Namen zu nennen – woraufhin die Besucher applaudierten und die SPD-Politiker schwiegen. „Kommt doch mal vorbei“, sagte ein sichtlich genervter Jugendlicher während der Debatte, „guckt euch doch mal an, was wir machen!“ Das wiederum beantwortete Heindorf mit einem „natürlich, sehr gerne“. Daraufhin einigte man sich im Ausschuss darauf, zeitnah das Point zu besichtigen.

Auf Köhlers Kritik ging Henning auch ein – angefangen bei dem heruntergekommenen Gebäude: „Da bin ich seit Jahren dran.“ Pläne gibt es offenbar schon: Zusammen mit dem Bauhof soll das Gebäude im nächsten Jahr gestrichen werden, auch ein Graffiti-Projekt sei geplant.

Fischer verteidigte indes seinen Vorstoß: „Wir wollten erfahren, was sich bei der Stadtjugendpflege geändert hat, welche Fragen die Jugendlichen haben.“ Die Arbeit von Henning habe sich womöglich auch seit der Ankunft der Flüchtlinge verändert. Außerdem sprang Fischer sowohl Heindorf als auch Köhler bei: „Man muss sich mit Kritik auseinandersetzen.“



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