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Auch heimische Landwirte, Flieger und Bootsfahrer stöhnen über die dramatisch gestiegenen Kraftstoffpreise

Spritpreise: "Volle Kraft voraus" wird zusehends teurer

Rinteln (wm). Dass Auto fahrende Normalbürger - berechtigt - über die hohen Spritpreise stöhnen, ist längst Alltag geworden. Doch inzwischen treffen die Erhöhungen auch Gruppen, die früher über Energiepreise für ihren Beruf oder ihr Hobby nie ernsthaft haben nachdenken müssen oder wollen.

Es sind vor allem die Landwirte, denen die steigenden Dieselpreise zu schaffen machen. Wie Rainer Sander, stellvertretender Geschäftsführer beim Landvolk Weserbergland erläuterte, rettet da auch die so genannte Mineralölsteuerrückerstattung für Landwirte nicht die Bilanz. Denn gezahlt werde erst ab 2000 Liter, was bedeute, die kleinen Höfe gehen leer aus. Andererseits nur bis zu 10 000 Liter und das reiche für die großen Höfe nicht. Mit maximal 1700 Euro Rückerstattung, so Sander, "kommt man nicht weit". Ein weiteres Problem: Seit 1970 ist die Rückerstattung nicht den realen Kosten angepasst worden, damals gab es 42 Pfennig pro Liter, heute 21 Cent. Vor allem Viehhaltungsbetriebe trifft es doppelt, denn drei Mal muss geerntet werden, Futter zum Stall, Mist auf die Felder gebracht werden - "da summieren sich die Kilometer", so Sander. Zwar seien moderne Traktoren sparsamer geworden, doch 20 Liter pro Stunde beim Pflügen gehen "weg wie nichts". Auch für die Bootseigner beim Motoryachtclub mit derzeit rund 90 Mitgliedern am Doktorsee wird "volle Kraft voraus" immer teurer. Zwar beginne gerade erst die Saison, doch Vorsitzender Nils-Günther Pengel ist überzeugt, dass mancher vielleicht auf die eine oder andere Fahrt verzichten wird. Rein statistisch, so Pengel, sind Bootsfahrer rund 50 Stunden in der Saison auf dem Wasser. Dass Urlaubstörns wegen der Spritpreise ausfallen, glaubt er aber nicht - auch andere Leute würden für eine Fernreise, einen Pauschalurlaub, ein- bis zweitausend Euro ausgeben. Bootsfahren sei imübrigen mehr als ein Hobby, nämlich bei vielen Freizeitkapitänen Leidenschaft und Lebensstil. Boote werden - ganz normal wie Fahrzeuge - an der Tankstelle aufgetankt, entweder auf dem Trailer, mit dem man vorfahren kann oder mit Kanistern im Hafen. Der Motoryachtclub habe schon einmal über eineeigene Wassertankstelle nachgedacht - am Doktorseehafen liegen im Schnitt etwa 40 Boote - aber die Auflagen seien einfach zu hoch und nicht zu erfüllen. Wie viel Diesel durch die Maschine läuft, das hänge von Gewicht wie Volumen des Bootes ab, pauschale Angaben machten da keinen Sinn, so Pengel. Leo Stewing vom Rintelner Luftsportverein dementierte am Telefon erst einmal das Gerücht, Flugbenzin für Hobbyflieger würde subventioniert. Das sei nicht der Fall, im Gegenteil, der spezielle Sprit für Motorflugzeuge sei wegen der höheren Oktanzahl sogar teurer, nämlich zurzeit deutlich über zwei Euro pro Liter. Rund 40 Liter pro Stunde braucht die Cessna des Luftsportvereins, die Segelflieger in die Lüfte schleppt - das geht ins Geld. Dass Privatpiloten sparen, merke man auch an den deutlich gesunkenen Landezahlen. Was sich ebenfalls in der Kasse auswirke, denn wer in Rinteln lande, zahle auch Landegebühren.




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