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Sprachförderung: Zwischen Skepsis und Unterstützung

BAD MÜNDER. „Was sollen wir denn noch alles leisten?“, fragt Martina Pleuger. Sie ist Leiterin der DRK-Kindertagesstätte am Laurentiusweg. Hier sollen – wie in allen Kindergärten in Niedersachsen – ab August die Erzieher die Sprachförderung für die Kinder übernehmen. Pleuger und ihre Kollegen allerdings sind skeptisch.

Spielerischer Sprachtest im Kindergarten. Foto: Archiv dpa
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

Doch von Anfang an: Kinder, die Probleme mit der Sprache haben, müssen dahingehend gefördert werden, noch bevor sie eingeschult werden – in diesem Punkt ist man sich einig. Uneinig sind sich Politik, Kommunen und Erzieher in Niedersachsen allerdings bei der Frage, wer dafür zuständig ist. Bislang waren Grundschullehrer für den den Förderunterricht in den Kindertagesstätten zuständig. Ab 1. August soll diese Aufgabe allerdings von Erziehern übernommen werden. Damit, so die Idee, sollen die Grundschulen entlastet werden (wir berichteten).

Die damit einhergehende Belastung der Kindertagesstätten wird allerdings scharf kritisiert, unter anderem vom Niedersächsischen Städtetag, von Kommunen, von Erziehern.

Auch in Bad Münder zeigen sich die Erzieherinnen in den Kitas wenig angetan. „Wir waren doch sehr erstaunt, als wir davon in den Medien erfahren haben“, sagt Pleuger. Dabei ist die DRK-Kita Laurentiusweg noch im Vorteil. „Wir haben eine Kollegin, die eine Zusatzqualifikation als Sprachexpertin hat und sich auch regelmäßig darin weiterbildet“, erklärt Pleuger. „Doch wie sollen ihre Stunden in Zukunft ausgeglichen werden?“ Außerdem werde Sprache natürlich auch im Alltag der Kita integriert.

Susanne Korth, stellvertretende Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte Arche Noah, wäre es lieber, wenn alles beim Alten bliebe. „Im Moment kommt einmal wöchentlich ein Grundschullehrer zu uns. Das läuft sehr gut und die gemeinsame Arbeit mit den Kindern stärkt die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule“, findet Korth. Durch die neue Regelung würden Kindergarten und Grundschule auseinanderdriften. Daher wäre sie „sehr damit einverstanden“, wenn es so fortgeführt werden könnte.

„Ansonsten bräuchten wir auch mehr Personal“, so Korth. „Ad hoc könnte das niemand übernehmen.“ Außerdem müsste das Personal dafür besser geschult werden. „Wir machen im Alltag zwar Sprach- und Sprechspiele mit den Kindern, aber die Grundschulförderung hat ja ganz andere Methoden. Wir müssten wissen, welche Erwartungen die Grundschule hat, was die Kinder können müssen.“

Für „grundsätzlich richtig“ hält hingegen Kerstin Achilles die neue Regelung. Sie ist Heilpädagogin in der städtischen Kindertagesstätte in Nienstedt. Für Erzieherinnen sei die Sprachvermittlung immerhin Teil der Ausbildung. Das Problem sei jedoch, dass es nicht genügend Personal gebe. „Mein Wunsch wäre es, wenn die Mitarbeiterinnen in Kitas die Zeit für Fortbildungen zur Durchführung der Sprachförderung bekommen“, so Achilles. Außerdem müssten mehr Stunden eingeplant werden.

Auch hier wird natürlich die Sprachförderung bereits in den Kita-Alltag eingebunden, aber: „In unserer Gruppe für Kinder ab einem Jahr, also in dem Alter, wo sich die Sprache anbahnt, sind lediglich zwei Erzieherinnen“ – und die hätten, während sie die Kinder versorgten, keine Zeit, um das Sprechen gezielt zu fördern.

„Außerdem lernen Kinder immer dann besonders gut, wenn sie sich emotional gut eingebunden fühlen“, meint Achilles. „Zu einem Externen, der nur einmal die Woche vorbeikommt, haben sie keine Bindung.“ Sie meint daher: Sprachförderung sollte noch mehr durch Erzieherinnen in den Alltag eingebunden werden können, und nicht nur einmal die Woche durchgeführt werden.

Das geänderte Kita-Gesetz soll im Juni im Niedersächsischen Landtag beschlossen werden.



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