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Sportintegration in Bad Münder: Laufen läuft, Fußball stockt

BAD MÜNDER. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ lautete damals das Motto der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Die Welt zu Gast – das könnte man auch auf die Flüchtlinge beziehen, die in den vergangenen Jahren in Bad Münder ankamen. Nur dass die Gäste länger bleiben und langfristig integriert werden sollen.

Sportliche Integration: Mohammad Haroun, Hussam Kasem und Omar Al Thawi beim Söltjerlauf im vergangenen Jahr. Foto: Archiv
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Ein möglicher Integrationsweg: Gemeinsam Sport machen.

Vor Ort gestaltet sich die Integration von Flüchtlingen bei den Sportangeboten in Bad Münder aber teilweise schwierig. Zumindest die Tuspo, einerseits Gastgeber des Café International (wir berichteten), andererseits größter Sportverein im Stadtgebiet, konnte bisher nur wenige gute Erfahrungen mit der Integration von Flüchtlingen sammeln.

„Sich einzufügen, fällt einigen schwer“, sagt Helmut Burdorf über die Situation bei den Mannschaftssportarten. „Viele bringen ihre persönlichen Probleme und Konflikte mit“, erklärt er. „Die sind manchmal schwierig zu lösen.“ Das gelte sowohl für Mannschaften, die einzelne Spieler integrieren wollten und für Mannschaften, die sich ausschließlich aus Flüchtlingen zusammensetzten. „Da potenzieren sich die Probleme sogar noch“, meint Burdorf und verweist auf die verschiedenen Religionen und Ethnien und pubertierenden Jugendlichen. „Das ist eine schwierige Mischung.“ Die Trainer der Tuspo stünden da manches Mal ratlos vor den streitenden Personen. „Solche Probleme müssen vorher geklärt sein“, sagt Burdorf deswegen. Bei dem Angebot „Sport vereint“, bei dem das Jobcenter ein Jahr lang die Vereins-Mitgliedschaft für Flüchtlinge oder Langzeitarbeitslose bezahlt, ist die Tuspo nicht vertreten.

Anders sind hingegen die Erfahrungen des Sportclubs. Jürgen Keller hatte im vergangenen Jahr eine Laufgruppe für Flüchtlinge gegründet. Mit 13 ging er damals an den Start. „Das war das einzige, was ich anbieten konnte“, erklärt der passionierte Läufer und SC-Vorstand. Rund ein Jahr später seien aus der Gruppe inzwischen noch acht Mitglied des SC, hinzu kommen noch zwei Jugendliche, die bereits mitlaufen, aber noch nicht Mitglied sind. „Ich bin zufrieden damit“, sagt Keller. Es habe am Anfang ein paar Probleme mit der Sprache gegeben, inzwischen seien die Flüchtlinge aber diesbezüglich schon sehr viel weiter. „Die Integration läuft“, bilanziert er, „Aus der Laufgruppe heraus haben sich auch neue Kontakte für die Flüchtlinge ergeben, es haben sich Gespräche über Berufe entwickelt und vieles mehr.“ Persönliche Streitereien hat Keller beim Lauftreff bisher nicht erlebt.

Mit den anderen Sparten klappt es aber auch beim SC noch nicht, gibt Keller zu. „Vereinzelt haben welche am Fitness-Training teilgenommen, aber ansonsten hat da noch nichts funktioniert.“

Das Programm „Sport verein(t)“ wird Morgen im Café International ab 16 Uhr vom Jobcenter in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung vorgestellt. Ziel ist es, anerkannten Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen über das Vereinsleben am sozialen Leben teilhaben zu lassen. Dafür übernimmt das Jobcenter ein Jahr die Mitgliedsgebühr.



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