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Anstoß 20.45 Uhr – und viele junge Fans gucken bei Live-Übertragungen der EM in die Röhre

Späte Spiele sind für Kita-Kinder tabu

Bad Münder (jhr). Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten – und einige ganz heiße Fans dürfen es trotz aller Fußballbegeisterung und schwarz-rot-goldener Euphorie nicht sehen. „Zähneputzen, ab ins Bett und Licht aus“, ordnet Marion Eckermann an, und ihr Zweitgeborener Michel versucht es noch mit einem Deal: „Bis zur Halbzeit. Bitte Mama. Dann gehe ich auch freiwillig.“ Doch Mutter Eckermann bleibt hart: Am nächsten Tag sei Schule, der Wecker klingele um 6 Uhr und überhaupt sei es nicht in Ordnung, wenn Zehnjährige erst gegen halb elf schlafen gingen. Basta. Michel mault, aber er geht – nicht ohne ein „die anderen aus meiner Klasse dürfen alle.“ Dürfen sie? Die NDZ hat vor dem Viertelfinalspiel der deutschen Elf Stimmen eingefangen.

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Regina Webel-Emmermann, Mutter eines Neunjährigen und einer Zwölfjährigen, bleibt bei Liveübertragungen der Euro-Spiele eisern. „Die Tagesschau ist das Signal zum Zubettgehen. Daran ändert auch die Meisterschaft nichts.“ Was bei ihrem Sohn auf mürrischen Protest stößt, wird von ihrer Tochter klaglos akzeptiert. Eine Ausnahme gibt es auch vor dem Wochenende nicht. Ganz anders bei Familie Martin: „Wir sind alle total fußballverrückt. Die Nachbarn kommen, dann sitzen wir bis um Ende zusammen. Hoffentlich mit viel Grund zum Jubeln. Mit dabei alle drei Kinder, acht, zehn und 14 Jahre alt.

Bei den Leitern von Einrichtungen, in denen Kinder am Morgen nach einer Übertragung auftauchen, geht die Empfehlung ebenfalls in Richtung „ohne Fußball ins Bett.“ Martina Pleuger, Leiterin der Kita Laurentiusweg, formuliert es kompromisslos: Für Kinder im Kita-Alter seien die späten Spiele „absolut tabu“. Einige ihrer Schützlinge würden bereits morgens ab 7 Uhr gebracht, teilweise werde sogar Mittagsschlaf gehalten. KGS-Direktor Edgar Schulz überträgt die aktuelle Frage gleich auf die Situation insgesamt: „Wir stellen immer wieder fest, dass viele unserer Schüler viel zu lange aufbleiben. In vielen Kinderzimmern stehen PC und Fernseher, die erst spät ausgeschaltet werden“, weiß er. Dass Kinder übermüdet im Unterricht einschlafen, berichten seine Kollegen immer wieder. Letztlich müssten die Eltern entscheiden, wann ihre Kinder abends die Augen schließen – und damit ihre Verantwortung abrufen. „Sie sind die Bestimmer“, so Schulz. „Bei uns ist die EM ein großes Thema“, erzählt Beate Kynast, Leiterin des Waldkindergartens. „Aber alle Spiele, die um 20.45 Uhr laufen, sind tabu.“ Die Eltern scheinen das genauso zu sehen – übernächtigte Kinder hat Kynast noch keine festgestellt. Stattdessen schaue sich der Nachwuchs mit seinen Eltern die Zusammenfassungen am Tage an, weiß die Pädagogin.

Tipps für Eltern unter www.schau-hin.info.



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