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Karl-Hinrich Manzke zur ehrenamtlichen Arbeit

„Soziales Engagement wird wieder zunehmen“

Heute denkt Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke von der Schaumburg-Lippischen Landeskirche über die Entwicklung der Gesellschaft und die Herausforderungen und Chancen der Kirche nach:

Ich prophezeie, dass die Menschen in zehn Jahren mehr als heute bereit sein werden, etwas für andere und für die Allgemeinheit zu tun“, sagt Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke von der Schaumburg-Lippischen Landeskirche hinsichtlich der Perspektiven für 2020. „Ob das auch kirchlich zutreffen wird, hängt von uns selbst ab.“ Die Gegenwart begreift der Theologe als eine „starke Umbruchszeit voll radikaler Veränderungen“ – eine Herausforderung, auch für die Kirche.

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Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Einer Untersuchung der demografischen Entwicklung im Landkreis Schaumburg zufolge werde die Landeskirche im Jahr 2020 rund 5000 Mitglieder weniger haben. „Aber das werden wir nicht einfach hinnehmen, sondern nach Handlungsoptionen fragen“, sagt Manzke. Das sei auch ein Ergebnis der jüngst abgehaltenen „Zukunftskonferenz 2021“ der Landeskirche. „Der Zeitkorridor von zehn Jahren ist groß genug für Veränderungen“, befindet der 51-jährige Familienvater.

„Unsere auf Wohlstand ausgerichtete Gesellschaft muss sich umstellen“, meint Manzke. Die sinkenden Bevölkerungszahlen wirkten sich auf die sozialen Sicherheitssysteme aus. Das Sozialsystem könne von den immer weniger werdenden Erwerbstätigen nicht mehr bezahlt werden. Doch der Bedarf an sozialen Diensten werde steigen.

Eine daraus resultierende Zunahme der sozialen Dienstleistungen wäre auch eine Chance für die Kirche. „Die Leistungen werden nicht mehr wie früher bezahlt werden können. Das ehrenamtliche Engagement wird dadurch wieder zunehmen“, schlussfolgert Manzke. „Aber so eine Gesellschaft lebt eben vom Bürgerengagement.“ Das Hauptaugenmerk müsse vom Wachstum des Bruttosozialprodukts auf das Wachstum des Bürgerengagements gelenkt werden – „auch als Quelle der Zufriedenheit der Menschen“. Ein Lohn für soziales Handeln wird laut Manzke zunehmend „Dankbarkeit“ sein, das Empfinden für soziales Engagement allgemein zunehmen.

Dr. Karl-Hinrich Manzke von der Schaumburg-Lippischen Landeskirc
  • Dr. Karl-Hinrich Manzke von der Schaumburg-Lippischen Landeskirche

Als praktisches Beispiel für Bürgerarbeit nennt Manzke Nachbarschaftshilfe: „Sei es im Umgang mit Einsamkeit, von der Menschen betroffen sind, oder bei Behördengängen.“ Einen Blick für die Bedürfnisse der Menschen zu bekommen, sich wieder mehr auf die praktische, diakonische Arbeit zu besinnen, „das erwarte ich von meiner Kirche“. Außerdem müsse mehr schulnahe Jugendarbeit geleistet werden, bräuchte es noch mehr Theater- und Musikangebote der Kirchen in den Schulen. „So haben wir bereits im vergangenen Jahr einige neue Leute für die Kirche gewonnen“, bilanziert Manzke.

Darüber hinaus spricht der Landesbischof von einem „Wachsen der kulturellen Vielfalt“ durch Einwanderer innerhalb der nächsten zehn Jahren. Konflikte sehe er da nicht, sofern „kulturelle Werte“ wieder stärker ins Bewusstsein rückten – „und damit meine ich Religion“, so Manzke: „Die Verabschiedung von der Religion wird gerade verabschiedet.“ Religion sei eben nicht „von gestern“, beiße sich nicht mit gesellschaftlichem Fortschritt, „wie in den 1960er und 70er Jahren angenommen“. Gerade Einwanderer – „von denen die meisten Gläubigen im Übrigen keine Christen sind“, wie Manzke anmerkt – wollten ihre Religion auch öffentlich leben, schätzten „das Miteinander von Religion und Kultur“ und „die vorrangige Pflege der Familie und der Sippe“.

Gleichwohl hätten viele Migranten aus arabischen oder afrikanischen Ländern eine andere Auffassung vom öffentlichen Leben und beispielsweise „Probleme mit Freizügigkeit“ in der Öffentlichkeit – „wie etwa angesichts gewisser Zeitschriften am Kiosk, aber auch gewisser Karikaturen“, wie Manzke im Hinblick auf die Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung sagt, infolgedessen es in verschiedenen islamischen Ländern zu Protesten seitens der Moslems kam. Hier sei eine Auseinandersetzung mit „Tabus im öffentlichen Leben“ nötig.

Für die christlich-jüdische Religion bedeute mehr kulturelle Vielfalt eine Herausforderung. Im Jahr 2020 werde es eine stärkere Präsenz der Religion im öffentlichen Leben geben



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