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Ende des Zivildienstes ruft unterschiedliches Echo hervor / Freiwilligendienst wird kritisch gesehen

Soziale Einrichtungen bald ohne Zivis

Bad Münder (jhr). Die Verkürzung des Zivildienstes stellte soziale Einrichtungen in Bad Münder in den vergangenen Jahren immer wieder vor Probleme – so sehr, dass das grundsätzliche Ende für den Zivildienst, das gestern eingeläutet wurde, jetzt von vielen Einrichtungen entspannt gesehen wird.


Sie schieben in Krankenhäusern Patienten von Station zu Station, arbeiten als Hausmeister in Altenzentren, unterstützen die Helfer im Rettungsdienst: Lange Zeit galten Zivildienstleistende als Stütze im Sozialsystem. Dass das an das Aus für die Wehrpflicht gekoppelte Ende des Zivildienstes beim DRK-Kreisverband dennoch keine großen Löcher reißen wird, erklärt Sachbearbeiter Kai Benjamin Kilian: Mit der Verkürzung der Zivildienstdauer von 13 auf 11, 9 und später 6 Monate habe die Zahl der Zivildienstleistenden beim DRK immer weiter abgenommen – schließlich sei irgendwann der Punkt gekommen, an dem es keinen Sinn mehr gemacht habe. „Im Rettungsdienst dauert der Einführungskurs rund acht Wochen. Wenn man dann noch mögliche Krankheitszeiten und Urlaub abrechnet, bleibt kaum noch Zeit übrig“, sagt Kilian. Auch im Umgang von Zivildienstleistenden mit Senioren sei die geringe Dienstdauer ein Problem gewesen: „Kaum war ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, war die Zeit schon wieder vorbei.“ Am 31. Dezember 2010 habe er den letzten Zivildienstleistenden verabschiedet: „Da ging eine kleine Ära zu Ende.“ Eine feste Größe beim DRK seien inzwischen jedoch junge Menschen im freiwilligen sozialen Jahr (FSJ).

Ganz auf Zivildienstleistende verzichtet hat bereits vor rund zwei Jahren Esther Heindorf-Steinrück im Senioren- und Pflegeheim Bad Münder. „Wir hatten sehr gute Zivildienstleistende – aber nicht nur“, sagt sie. Problematisch sei der Zwang gewesen, der hinter dem „Ersatz“-Dienst gesteckt habe – und eben nicht jeder junge Mann habe Spaß daran gehabt, in einer Senioreneinrichtung zu arbeiten.

Fest im Plan hat unterdessen Tatjana Steinbach, Pflegedienstleiterin der Deister-Süntel-Klinik, die Zivildienstleistenden. In der Klinik sorgen sie beispielsweise für die Begleitung von Patienten zu Untersuchungen. „Vielleicht können Praktikanten einen Teil auffangen, den gesamten Aufgabenbereich aber sicher nicht“, sagt sie. Freiwillige im sozialen Jahr hat sie in den fünf Jahren, in denen sie den Pflegedienst leitet, nicht in der Klinik erlebt – entsprechend ist sie auch skeptisch, dass die von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vorgestellte Idee eines Bundesfreiwilligendienstes in der Klinik zu großen Entlastungen führen wird.



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