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Alarmierender Wasserstand schreckt Reeder auf / Politiker schalten sich ein / Lösung in Sicht?

SOS für Schifffahrt: Weserpegel droht zu sinken

Weserbergland. Schauer nützen nichts - schütten müsste es wie aus Kübeln - und zwar in Hessen und Thüringen. Genauer gesagt: im Einzugsgebiet von Werra und Fulda, den beiden Flüssen, die die Weser speisen. Denn mit deren ohnehin knappem Pegelstand soll es demnächst dramatisch abwärtsgehen. Der Fahrgastschifffahrt auf der Oberweser droht dann das Aus. "Mit ein paar kräftigen Schauer ist es nicht getan, es müssen schon lang anhaltende Regenfälle sein", sagt Dana Halbe vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Hannoversch Münden. Das garantiert durch Einleitungen aus der Edertalsperre in Trockenperioden normalerweise, dass die Weser bei Hannoversch Münden mindestens 1,20 Meter Tiefe für die Schifffahrt vorhält. In diesem Jahr wurde aufgrund der Trockenheit bereits auf 1,15 Meter reduziert.

Autor:

karin Rohr

Dramatisch wird es, wenn - wie am Wochenende - aus der Edertalsperre 30 Millionen Kubikmeter Wasser abgegeben werden müssen, um eine Extra-Welle zu erzeugen, die zwei Schwergut-Frachtern den Transport auf der Weser ermöglicht. Damit sinkt der aktuelle Stand von 73 Millionen Kubikmetern Wasser in der Talsperre auf 43 Millionen Kubikmeter. "Wir müssen die kontinuierliche Abgabe von derzeit 23 Kubikmetern pro Sekunde dann auf 6 Kubikmeter pro Sekunde reduzieren", sagt Dana Halbe und bedauert: "Ab September können wir den für die Fahrgastschiffe notwendigen Wasserstand der Weser nicht mehr halten." "Eine Katastrophe", sind sich die Reeder Jörg Menze (Flotte Weser) und Roswitha Warnecke (Weser-Personenschifffahrt) einig. "Dann können wir nur noch Rundfahrten im Rückstaubereich der Hamelner Wehre anbieten", macht Roswitha Warnecke ihrem Ärger Luft, "denn unterhalb der Schleuse haben wir dann auch Probleme." Und auch Menze wird trotz seiner extrem flachgängigen Schiffe vor allem Linienfahrten streichen müssen. Die Welle sei schuld, dass die Wasserzufuhr aus der Talsperre so drastisch reduziert werden müsse und die Fahrgastschifffahrt ab September zu erliegen droht, klagen beide Reeder. "Auch ohne diese Welle würde der Wasserstand der Weser nicht bis Ende Oktober zu halten sein", hält Dana Halbe vom WSA dagegen und macht den Mangel an Niederschlägen der vergangenen Monate für die Misere verantwortlich. Den habe es auch in anderen Sommern gegeben, "ohne dass wir wie jetzt mit dem Rücken an der Wand stehen", will Jörg Menze diese Erklärung nicht akzeptieren. In Schreiben an Weser-Anrainergemeinden, Politiker und Bürgermeister, an Landräte, Bundestagsabgeordnete und das niedersächsische Umweltministerium macht der Flotte- Weser-Chef die Extra-Wellen für Schwergut-Transporte maßgeblich für den Wassermangel in der Edertalsperre verantwortlich. Der Hameln-Pyrmonter Landrat Rüdiger Butte hat bereits reagiert und seinerseits an das Wasserschifffahrtsamt Hannoversch Münden appelliert, "die Wasserentnahme aus der Edertalsperre so zu gestalten, dass sie nicht einseitig zugunsten von Schwertransporten auf der Weser genutzt wird, sondern vielmehr die Fahrgastschifffahrt, insbesondere während der Saison, nachhaltig absichert." Buttes Befürchtung: Eine Einstellung der Schifffahrt hätte nicht nur Entlassungen zur Folge, sondern würde auch dem Tourismus und damit einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor der Region schaden. So weit aber muss es nicht kommen: Alarmiert durch die Nachricht von der Gefährdung der Fahrgastschifffahrt, schaltete sich jetzt die heimische Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller (SPD) ein und beschwerte sich beim Bundesverkehrsministerium. Lösekrug-Möller führte regionale unternehmerische Interessen an: "An der Fahrgastschifffahrt hängt touristische Infrastruktur", pflichtet die SPD-Politikerin dem Landrat bei. Von der parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Karin Roth, erfuhr Lösekrug-Möller, dass die Extra-Wellen für den Schwertransport mit den heimischen Reedern nicht abgestimmt war. "Das ist ein skandalöses Verhalten von einer Behörde", findet Lösekrug-Möller. Zwar sei die Welle jetzt durch, aber: "6 statt 23 Kubikmeter Wasserabgabe pro Sekunde aus der Talsperre sind für uns nicht akzeptabel." Schon heute werden sich Vertreter des Bundesverkehrsministeriums und des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Hannoversch Münden zusammensetzen und einen Lösungsvorschlag erarbeiten. "Mit dem Ziel", so Lösekrug-Möller, "dass die Personenschifffahrt auch im September ermöglicht wird." Auf Kosten des Wasserstandes in der Edertalsperre. Und der kann dann nur noch Petrus helfen...




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