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Prähistorische Schädelknochen, realitätsverzerrende Kunst und klassische Musik im Museum Amtspforte

Sommerreise in die Steinzeit

Stadthagen. Wo früher die Amtsgeschäfte getätigt und sogar Strafgefangene in Zellen gesperrt worden sind, werden heute Schwerter aus dem Dreißigjährigen Krieg und Spinnräder ausgestellt. Jahrtausende alte Mammutzähne und Schädelknochen sind nur ein Teil der Entdeckungsmöglichkeiten, die die Besucher im Stadthäger Museum Amtspforte erwarten. Man muss nicht weit reisen, um etwas zu erleben. Ein Ausflug ins Stadthäger Museum verspricht nicht nur interessante Funde, hinter den Exponaten verbergen sich auch spannende Geschichten.

Autor:

Tina Bonfert
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Kreisrunde Löcher in einem der Schädelknochen zum Beispiel lassen über prähistorische Operationstechniken spekulieren. Bilder von Jagdszenen lassen vermuten, wie mühsam die Mammutjagd gewesen sein könnte und wie schwierig es war, die riesigen Tiere mit primitiven Werkzeugen zu erlegen.

Das Museum in Stadthagen ist schon aufgrund des rund 500 Jahre alten, verwinkelten Fachwerkhauses eine Besichtigung wert. Das Gebäude selbst könnte auch schon als Exponat gelten, wie Susanne Slanina, Leiterin des Museums Amtspforte, anmerkt. Die Holzarchitektur aus dem Jahr 1553 diente über drei Jahrhunderte als Verwaltungs-, Gerichts- und Amtsgebäude. Heute werden auf drei Etagen Fest- und Alltagstrachten, Rollenpressen, die früher in der Druckerei verwendet wurden, Liköre aus der Likörfabrik Meyer und Schmuck aus der Gold- und Silberschmiede von Friedrich Tielking präsentiert.

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Alte Pracht erstrahlt in neuem Glanz

Kürzlich wurden einige Ausstellungsstücke einer aufwendigen Reinigung unterzogen, bei der Leinentücher von Hand gewaschen, gebügelt und gestärkt werden mussten, um die alte Pracht in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Wer aufmerksam hinschaut, könnte auch bemerken, dass bei einigen Trachten der Kragen fehlt. „Wir lassen die Halskrausen bei der Lindhorster Kirchgangstracht zurzeit bearbeiten“, erklärt Slanina.

Auf den Spuren der Stadthäger Geschichte werden die Gäste entlang der Chronologie der Stadt in den Ausstellungsraum im Erdgeschoss geführt. Dort stoßen die Besucher dann auf Bilder vom Schloss Stadthagen. Auf der einen oder anderen Zeichnung könnte sich der Betrachter wundern. Eckart Ließ hat für die Sonderausstellung „Das Schloss Stadthagen im Stil der Weserrenaissance“ das Baudenkmal aus unterschiedlichen Perspektiven in Szene gesetzt. Mit einer besonderen Technik, bei der Fotosequenzen als Vorlage dienten, konnte Ließ die Gebäude auf bestimmte, von ihm ausgewählte Ansichten reduzieren und architektonische Besonderheiten in den Mittelpunkt rücken. So entstanden einzigartige Bilder, die manchmal sogar an der Realität vorbeigehen. Ein Schlossturm beispielsweise, der in Wirklichkeit hinter einem Gebäudeteil versteckt liegt, ist auf den Bildern plötzlich gut sichtbar im Vordergrund.

Im Sommer sind Slanina zufolge urlaubsbedingt vermehrt Touristen unter den Besuchern. Daher achte sie darauf, „kulturelle Highlights“ nicht unbedingt in die Ferienzeit zu legen, damit auch Einheimische daran teilhaben können. „Grundsätzlich ist das Angebot des Museums so angelegt, dass es unterschiedliche Generationen und Interessengruppen anspricht“, erklärt sie.

Die zehnjährige Josephine schwärmt nach einem Museumsbesuch mit den Großeltern von den „bestimmt total schweren Hüten mit Perlen und Draht“, die früher getragen wurden. Auch die Jagdszenen und Überreste aus der Steinzeit faszinierten sie. Sogar im Gästebuch hat sie sich verewigt, und auch ihre Großeltern haben, wie dort zu lesen ist, den Ausflug in die „Schatzkiste“ genossen.

Zwei besondere Aktionen richten sich diesen Sommer speziell an das junge Publikum. Zum einen konnten Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren bei einer Ferienspaßaktion eine „etwas andere Museumsführung“ erleben, zum anderen ist für Sonntag, 21. Juli, ein Nachmittag unter dem Motto „Geräusche, Töne und Musik“ geplant, bei denen zum Beispiel erläutert wird, was gute und was schlechte Töne sind.

Musik ebenfalls Teil des Museumsalltags

Musik spielt generell eine Rolle im Museumsalltag. Carl Bernhard eröffnete in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Geigenbauwerkstatt in Stadthagen. Sein Ruf als Geigenbauer soll über die Grenzen Deutschlands hinausgereicht haben. Sein Nachfolger Heinrich Schnier soll hin und wieder auch Geigen von Mitgliedern des Orchesters in Hannover repariert haben. Eine in der Stadthäger Werkstatt erbaute Geige wird bei besonderen Anlässen, wie der für Anfang November geplanten Aktion unter dem Motto „Musik im Museum“, auch zum Klingen gebracht. Besonderen Wert legt die Museumsleiterin darauf, dass die Ausstellung heimatkundliche Themen und Aspekte beinhaltet, die etwas mit der Stadthäger Geschichte oder mit der Region zu tun haben. Auch bei den Künstlern, deren Werke gezeigt werden, sollte ein Bezug zum Schaumburger Land vorhanden sein. „Die Objekte sollten schon ein Stück Heimat widerspiegeln“, sagt Slanina. Das gelte zwar nicht zwangsläufig für alles, aber es sei schon ein wichtiger Bestandteil der Ausstellungen.




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