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So viele Zecken wie selten

BAD MÜNDER. Nur ein paar Runden Toben im Garten, doch das reichte schon: Gleich drei Zecken hatte sich der dreijährige Jonathan eingefangen – und seine Mutter wusste auf einmal, warum Experten seit Jahresbeginn vor einem Zeckenjahr warnen. Der vergangene Winter war mild, viele Wirtstiere der Zecken überlebten.

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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Zecken gelten als die gefährlichsten Wildtiere, die in Deutschland zu finden sind – sie haben den Menschen auf ihrer Beuteliste. Sie schrecken nicht davor zurück, den Menschen als Wirt zu nutzen. Dabei ist nicht der Stich das eigentliche Problem, sondern die Krankheiten, die mit dem Stich übertragen werden können – die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME.

Wie präsent das Thema Borreliose ist, weiß Michael Eisenberg. Der Eimbeckhäuser ist Leiter einer Borreliose-Selbsthilfegruppe in Hannover, die seit 2001 besteht und sich der Aufklärung über die Gefährlichkeit von Zecken verschrieben hat. Sie wollen den Betroffenen Mut machen und sich über Behandlungen und Beschwerden austauschen. Der 57-Jährige war selbst an Borreliose erkrankt.

Die Krankheit sei vielen nicht geläufig, erklärt Eisenberg. Dabei sei die Nachfrage hoch: Als bei dem ersten Treffen knapp 100 Menschen kamen, sei er „richtig erschrocken“ gewesen. Und auch jetzt stehe das Telefon der Selbsthilfegruppe nicht still. „Viele brauchen einfach Hilfe und fragen, was sie tun müssen.“ Das Problem aus seiner Sicht: Viele Hausärzte würden die Krankheit nicht erkennen, die Infektion werde nur sehr kurz im Studium behandelt. „Viele Betroffene suchen händeringend nach einem Arzt, der wirklich Ahnung hat“, weiß Eisenberg von seinen Gruppentreffen.

Außerdem gebe es keinen Test für Borreliose. Er kann die Ängste gut verstehen, weil er selbst betroffen war. Sechs Jahre haben die Ärzte nach der Ursache seiner Beschwerden gesucht. Von Ausschlag, über eine 12-Wochen-Grippe bis zu Sauerstoffmangel lauteten die Diagnosen. „Die lange Zeit der Nichtentdeckung war verheerend“, so Eisenberg, der sich immer wieder in Therapie begab, die er allen Betroffenen empfiehlt. Jetzt ist er geheilt. Für ihn haben die Ursachenbehandlung immer Priorität. „Patienten werden oft nicht ernst genommen und die Infos reichen einfach nicht aus.“

Sollte es zu einem Stich kommen, sollten Zecken so schnell wie möglich entfernt werden, rät Eisenberg. Insektenschutzmittel wie Autan sollten außerdem an die Hosenbeine und Ärmel gesprüht werden, um Stiche von vornherein zu vermeiden. Was viele auch nicht wissen: Zecken leben in der Kleidung noch zwei bis drei Tage weiter.

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