weather-image
14°

So stehen die Landtagsabgeordneten zum Reformationstag

BAD MÜNDER. Wie hältst du‘s mit dem Luther? Die abgewandelte Gretchenfrage aus Goethes Faust stellen sich momentan auch zwei heimische Politiker: Petra Joumaah (CDU) und Ulrich Watermann (SPD) entscheiden mit, wenn es um den Reformationstag als neuen niedersächsischen Feiertag geht.

Der Reformationstag könnte ein Feiertag werden. Foto: Rathmann
zett2

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Im Juni, noch vor der Sommerpause, sollen die Landtagsabgeordneten in Hannover entscheiden, ob die mit dem Reformationstag auch Martin Luther ehren wollen. Daran gibt es durchaus Kritik: Einige wollen einen religionsfreien Feiertag, manche kritisieren Luthers Antisemitismus, andere gar keinen: Die FDP verweist auf die Belastung der Wirtschaft. Die Regierungsfraktionen von CDU und SPD erklärten die Angelegenheit zur Gewissensfrage, gaben die Abstimmung frei.

Zumindest bei Watermann und Joumaah wäre das gar nicht nötig gewesen: Beide stehen zu Luther, zum Reformationstag – und zum neuen Feiertag. Joumaah, die in Bad Münder wohnt, sagt, sie könne einige der Bedenken nachvollziehen – etwa die derjenigen, die auf andere Religionen verweisen: „Ich habe mich sehr ernsthaft mit den Bedenken der jüdischen Gemeinde auseinandergesetzt“, sagt Joumaah. Luther ein Antisemit? „Das ist so“, räumt die CDU-Abgeordnete ein: „Aber ist nicht heute oder vor 70 Jahren einer, sondern er war es in seiner Zeit.“

Braucht es denn überhaupt einen neuen Feiertag? „Ich bin da schmerzfrei“, sagt Joumaah, „ich hätte es auch akzeptiert, wenn es keinen gäbe.“ Das Argument der FDP will sie trotzdem nicht stehen lassen: „Wirtschaftlich steht Bayern besser da als wir – und keiner hat so viele Feiertage.“ Wenn also einen neuen Feiertag, dann sei im überwiegend protestantischen Niedersachsen der Reformationstag die naheliegende Wahl.

Der SPD-Politiker Watermann müsste aus religiösen Gründen eigentlich gegen die Würdigung Luthers sein: Dieser hatte schließlich als eine Hauptperson der Reformationsbewegung für die Aufspaltung der katholischen Kirche gesorgt. Doch Katholik Watermann hält die Argumente pro Reformationstag trotzdem für „gut begründet“. Allein die Situation in Grenzregionen spreche dafür: Schließlich haben auch Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern diesen Feiertag. „Da muss man an Familien denken, in denen ein Elternteil in einem Nachbarland arbeitet.“ Er könne nicht nachvollziehen, dass die Debatte in Niedersachsen eine so große Emotionalität bekommen habe.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt