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„Der Skulptur auf der Spur“: Seit 1990 steht dieses Mahnmal am Berliner Platz

So kam die Mauer nach Hameln

Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und wie lange schon? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor. Heute aus aktuellem Anlass: die Berliner Mauer am Berliner Platz.

Zählt sie nun zu den Kunstwerken im öffentlichen Raum? Ist das Erinnerungsstück aus Beton etwa eine Skulptur? Oder doch eher ein Mahnmal, das viel zu selten als solches wahrgenommen wird? Auf Listenplatz 45 im Heftchen „Ansichtssache Kunst“, das Kunstwerke im öffentlichen Raum Hamelns auflistet, ist das Stück Berliner Mauer zu finden. Fraglos: Was darauf noch zu erkennen ist, ist Kunst. „Ich bin ein Berliner“ ist im Auge eines grünen Vogels zu lesen. Darunter sind eine Weltkugel und Buchstaben zu erkennen, die allerdings zusammenhangslos keinen Sinn mehr ergeben.

Der Typ der sogenannten Grenzmauer 75 – bestehend aus 3,60 Meter hohen Betonelementen – wurde 1976 in Berlin errichtet. Es war verboten, an der Mauer zu malen. Künstler wie Keith Haring oder Thierry Noir taten es Anfang der 80er Jahre in West-Berlin dennoch. Ob es nun aber ein echter Keith Haring ist, der den Berliner Platz ziert? Das lässt sich kaum beantworten. Woher das Stück Mauer stammt? Vom Potsdamer Platz, schreibt die Dewezet im November 1990. In einer groß angelegten Spendenaktion namens „Ein Stück Mauer – ein Stück Hoffnung“ kamen damals 18 000 D-Mark zusammen. Angeregt von den CDU-Ratsmitgliedern Karla Langehein, Gerhard Paschwitz und getragen von der Stadt Hameln und der Deister- und Weserzeitung, sorgte die feierliche Enthüllung des Mauersegments in Hameln deutschlandweit für ein großes Medieninteresse.

Vorangegangen war eine Fahrt nach Berlin. Gerd Buse arbeitete damals als Abteilungsleiter für Grünflächenunterhaltung bei der Stadt Hameln. Während des Transports des Mauerstücks von Berlin nach Hameln am 1. November 1990 war er für die Organisation verantwortlich. Von der Le Lé Berlin Wall Verkaufs GmbH war das 2,7 Tonnen schwere Betonstück gekauft worden. Von einem Speditionsgelände in Moabit wurde es abgeholt.

3 Bilder
Mit der Mauer ging’s zum Reichstag: Gerd Buse, Gerhard Paschwitz, Peter Metzger, Ilona Nossek beim Transport am 1. November 1990.

Mit dem städtischen Unimog, einem Tieflader und zwei Privatwagen war dazu ein Dutzend Hamelner nach Berlin gefahren. „Unterwegs haben wir Butterkuchen gegessen“, erinnert sich Gerd Buse. Und auch, dass der Transport „ein Riesenakt“ gewesen ist, weiß er – mit einem Kran wurde das Segment in Hameln aufs vorbereitete Fundament abgeladen. Karla Langehein hat noch Szenen der „aufregenden Fahrt mit Grenzkontrolle“ vor Augen. Und Gerhard Paschwitz kann sogar Kassenbons anno 1990 vorlegen – von Tankstellen aus Wunstorf, Michendorf und Lehrte.

Dass die Mauer am Berliner Platz aufgestellt werden sollte, „das war uns gleich klar“, sagt Buse. Weshalb? „Hier ist sie im Blickpunkt und stört auch keinen.“ Wie die Mauer einst aussah und wie groß die Hürde zum Weg in die Freiheit ist, das begreift wohl erst, wer vor dem 3,60 Meter hohen Betonkoloss steht. „Das wollten wir den Hamelnern näherbringen“, sagt Buse.

Gerhard Paschwitz erinnert sich noch gut an die Euphorie rund um den Mauerfall. „Ich habe im politischen Bereich die Diskussion angeregt, wie wir den Mauerbau vor Ort begleiten können“, sagt er. Als Paschwitz hörte, dass man Stücke der Mauer kaufen konnte, war er begeistert von der Idee. Sechs Stunden habe damals die Fahrt nach Berlin gedauert. „Die Autobahn war komplett dicht“, so Paschwitz.

„Brüder, reicht die Hand zum Bunde“, sang die Liedertafel Hameln dann am 9. November 1990 auf dem Berliner Platz, als das „Monument der Hoffnung“ feierlich eingeweiht wurde. Rund 1000 Hamelner waren dabei, sangen die Nationalhymne und ließen Luftballons steigen.

Wie haben Sie die feierliche Enthüllung in Erinnerung? Diskutieren Sie online mit. Und lesen Sie im Dossier auf dewezet.de alle Texte der Reihe „Der Skulptur auf der Spur“.

Hamelns Oberbürgermeister Dr. Dieter-Walter Kock (l.) und Quedlinburgs Bürgermeister Rudolf Röhricht weihen 1990 die Mauer ein.




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