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Musik als Ausgleich: "Schaumburger Landstreicher" begeistern im Jakob-Dammann-Haus

"So, jetzt spielen wir ein bisschen Mozart"

Stadthagen (sk). Eine Stunde klassischen Musikgenuss live haben am Sonnabend die "Schaumburger Landstreicher" im gut besetzten Saal des Jakob-Dammann-Hauses geboten. Mit Gefühl, technischem Können - Letzteres ist unerlässlich, um Ersteres zu transportieren - und einer runden Ensemble-Leistung bescherte das 30 Musiker starke Laienorchester unter der Leitung von Katharina Rundfeldt seinen Zuhörern einen genüsslichen Einstieg in den Sonnabendabend.

Mit Können und Gefühl: Die "Schaumburger Landstreicher" spielen

Die Augen schließen und - am Abend vor dem nasskalten Wintereinbruch am Sonntag - vom Frühlingsspaziergang in barocken Gärten träumen, dazu haben die sowohl fragil und duftig als auch körperhaft-kräftig gebotenen Concerti Georg Philipp Telemanns (Concerto in C-Dur) und Wilhelm Unico van Wassenaers (Concerti armonici in G-Dur) verführt. Wassenaer stellte Rundfeld als eher unbekannten adeligen Komponist aus den Niederlanden vor, der als Staatsmann und Mitdirektor der East India Company glänzte, sein musikalisches Schaffen aber nicht unter seinem Namen preisgab. Im Telemann-Werk spielte Maximilian Hagenkötter die Altblockflöte als solistischen Part. Pizzicati der Geigen und Cembalo-Akkorde (am Instrument: Rosemarie Pesch) begleiteten die munter und virtuos gespielte Flöte im zweiten Satz, einem echten "Schmankerl" im Konzert. Hier konnte der Zuhörer ahnen, welch im wahren Wortsinn phantastischen Ausgleich zum beruflichen Alltag ausgeübte Musik bietet. Der 29-jährige Flötist ist Rechtsreferendar in Osnabrück. Mit Ausnahme der Dirigentin sind alle "Landstreicher" in einen Beruf außerhalb der Musik tätig - vom Hubschrauberpiloten über Lehrerinnen bis zum Pensionär. Die "SchaumburgerLandstreicher", die sich einst an der Kreisvolkshochschule formierten, treffen sich wöchentlich im Sülbecker Gemeindesaal zum Üben. Das Streichorchester ist nicht nur mit guten Musikern, sondern auch zahlenmäßig bestens besetzt. Die Dirigenten: "Für Barockmusik sind wir schon viel zu viele. Und für Klassik fehlen die Bläser." Nicht so am Sonnabend. Für Mozarts Sinfonie in G-Dur ergänzten zwei Flöten und zwei Hörner das Ensemble. Vor dem Finalstück bestand Aufklärungsbedarf, hatte es doch im Publikum "protokollarische" Unsicherheiten gegeben. Zwischen den Sätzen ("die kleinen italienischen Bezeichnungen im Programm", so Rundfeldt) werde nicht geklatscht. Das sei in Deutschland so, in anderen Ländern nicht, erklärte die Dirigentin freundlich und "schaltete um" auf das Wesentliche: "So, jetzt spielen wir ein bisschen Mozart." Das taten die "Landstreicher" mit Vergnügen, schönem Tempo und so gekonnt, dass der letzte Satz nach begeistertem Applaus als Zugabe wiederholt werden musste.



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