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In einem symbolischen Akt sollen jüdischen Opfern ihre Bürgerrechte zurückgegeben werden

"So etwas darf es niemals wieder geben"

Stadthagen (ssr). In einem symbolischen Akt sollen den mehr als 430 jüdischen Opfern des Nationalsozialismus in Schaumburg ihre Bürgerrechte zurückgegeben werden. Dazu wird Stadthagens Bürgermeister Bernd Hellmann am 9. November, dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht, eine eigens angefertigte Menorah an Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde Schaumburg übergeben. Später soll dieses Religionssymbol des Judentums in der früheren Stadthäger Synagoge seinen Platz finden, die wie berichtet zu einer Gedenkstätte umgestaltet werden soll.

Der symbolische Akt soll am Sonntag, 9. November, um 17 Uhr in der St.-Martini-Kirche vor der Aufführung eines Oratoriums vollzogen werden. Der siebenarmige Leuchter aus Bronze wird von Hellmann im Beisein von Oberprediger Klaus Pönnighaus an Alexander Pojarov, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde im Landkreis Schaumburg, übergeben. Die Menorah soll zunächst in der Martinikirche stehen, bis sie in der früheren Synagoge ihren endgültigen Platz finden wird. Das hat der von der "Schaumburger Landschaft e.V." koordinierte "Arbeitskreis für ein Erinnerungsprojekt für die Opfer des Nationalsozialismus in Schaumburg" gestern vor Journalisten bekannt gegeben. Dieser Arbeitskreis soll übrigens schon bald in einen Förderverein übergehen. Der Umsetzung des "Erinnerungsprojektes" liegt ein Beschluss des Rates der Stadt zugrunde. Hellmann betonte, es gehe bei dem Akt in keiner Weise um einen juristischen oder behördlichen Vorgang. Vielmehr um "eine Geste, eine symbolische Rückgabe der Bürgerrechte". Diese vollziehe er bewusst "im Namen und als Repräsentant der Bürger", so Hellmann. Damit solle zugleich eine in die Zukunft gerichtete Mahnung verbunden sein: "So etwa darf es nie wieder geben." Nach Erkenntnissen des Arbeitskreisen sind in Schaumburg mindestens 438 jüdische Bürger Opfer des Rassenwahns geworden. Unter anderem warenihnen willkürlich die Bürgerrechte genommen worden. Für einzelne Fälle liegen dem Arbeitskreis Originaldokumente vor. In einem Schreiben hat die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, den geplanten symbolischen Akt begrüßt. Dasselbe gilt für den Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Auch der Literaturnobelpreisträger und jüdische Autor Imre Kertèsz hat den Vorgang in einem Brief an den Arbeitskreis als "sehr wichtig" gewürdigt. Geschaffen wurde die Menorah vom Initiatoren des "Erinnerungsprojektes", dem Wölpinghäuser Künstler Hasso Neumann. Dieser fertigte sie als Bronzeabguss eines Modells aus Bienenwachs. Neumann betonte, es handele sich nicht um seine eigene Kreation, sondern um die möglichst exakte Nachempfindung jenes Leuchters in der Kapelle von Kapernaum, in der nach Zeugnis der Bibel Jesus als Rabbiner gelehrt hat. Im Sockel trägt die Menorah die Inschrift "Symbol für die Rückgabe der Bürgerrechte an die jüdischen Opfer in Schaumburg / 1938 - 2008". Die Menorah ist vollständig aus Spendengeld finanziert. Hellmann und Pönnighaus machten deutlich, bei diesem wichtigen Akt sei mit im Blick, dass es beim Erinnerungsprojekt genauso auch um andere Opfer der Nazizeit gehe.




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