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Sina Bruns macht Gewalt gegen Frauen zum Thema

BAD MÜNDER. Gestritten hatten sie häufiger. Ein Wort gab das andere, doch diesmal war alles anders. Seine Faust in ihrem Gesicht. Dem ersten Schock wich mit dem Schmerz auch die Erkenntnis bei Mona – ihr Partner, der Mann, mit dem sie ihr Leben verbringen wollte, hatte sie geschlagen.

Bei Conny Büchse (l.) und Sina Bruns informieren sich auch Menschen über das Hilfsangebot, die häufig mit Geflüchteten zu tun haben – wie Integrationslotse Erwin Schlatterer. Foto: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Für die 30-Jährige der Punkt, an dem sie einen Schlussstrich zog und sich trennte. Eine Entscheidung, die Mut erforderte. Mut, den viele Frauen aus Angst vor den Konsequenzen nicht haben.

„Viele sprechen mit niemandem über die erlebte Gewalt“, weiß auch Sina Bruns, Gleichstellungsbeauftragte in Bad Münder. Sie bietet Hilfe bei Gewalt gegen Frauen an, ermuntert Frauen, ihre Rechte einzufordern. Jetzt machte sie auf dem Wochenmarkt mit Flüchtlingssozialarbeiterin Conny Büchse an einem Stand auf Hilfsangebote aufmerksam.

Das Schweigen der Frauen, aus Scham, aus Angst vor weiteren Übergriffen, aus wirtschaftlicher Abhängigkeit, aufgrund fehlender Informationen über ihre Möglichkeiten, ist ein zentrales Problem, das Bruns und Büchse aufbrechen möchten. Um möglichst große Aufmerksamkeit zu erregen, hatten sie auf dem Markt nicht nur jede Menge Informationsmaterial dabei, sondern auch den Informationsbus der Vernetzungsstelle Hannover – Blickfang und dank abgedunkelter Scheiben auch mobiles Büro, in dem auch vertrauliche Gespräche geführt werden konnten. „Das Thema ist bei vielen noch immer tabuisiert“, stellte Bruns nach einigen Gesprächen erneut fest, aber sie hatte auch Gelegenheit, die Hilfsangebote umfangreich vorzustellen. „Vielen war nicht bekannt, dass ich auch für das Thema zuständig bin“, sagt sie.

Büchse hatte zudem auch Migrantinnen im Blick, die oftmals die bestehenden Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten nicht kennen. „Es gibt Hinweise darauf, dass die Quote von Gewalterfahrungen bei Migrantinnen noch höher und die erlittene Gewalt auch öfter mit Verletzungen verbunden sind als bei deutschen Frauen“, heißt es beim Landkreis. Um sie zu erreichen, ist aber oftmals Unterstützung durch Dolmetscher notwendig. Seit dem Frühsommer hat auch Bruns die Möglichkeit, die Übersetzungskosten durch den Verein Gleichberechtigung und Vernetzung tragen zu lassen – „eine deutliche Erleichterung“, so Bruns.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ berät anonym rund um die Uhr unter 08000 116 016 .



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