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Informationsveranstaltung zu Diakonie-Projekt in Rolfshagen

Sieben Wochen leben von Hartz IV - 345 Euro müssen ausreichen

Auetal/Rinteln (rnk). Viel ist es nicht: Nach Auffassung des Bundessozialgerichts in Kassel ist der Eckregelsatz von 345 Euro für einen Alleinstehenden mit dem Existenzminimum vereinbar und führt nicht automatisch zu einer gesellschaftlichen Ausgrenzung der Hilfeempfänger.

Martin Barwich

Unter dem Motto "Sieben Wochen leben mit Hartz IV" lädt die Diakonie Rinteln ein, sich selber ein Bild davon zu machen. Im Auetal wird es am 15. Februar eine Informationsveranstaltung geben. Martin Barwich, zuständiger Sachbearbeiter der Diakonie, wird ab 20 Uhr im Gemeindehaus Rolfshagen berichten. Der Kirchenvorstand hat ihn eingeladen - auch, weil er es schön finden würde, wenn sich auch im Auetal eine Gruppe finden würde, die das Projekt mitmacht. Sieben Wochen leben mit Hartz IV: In der Fastenzeit, vom Aschermittwoch, 21. Februar, bis zum Ostersonntag, 8. April, können die Teilnehmer versuchen, mit der Grundsicherung sieben Wochen lang auszukommen. Die Regeln sind einfach: Anhand einiger Daten zur Familie und zur Wohnung oder zum Haus (die selbstverständlich streng vertraulich behandelt werden und dem Datenschutz unterliegen), errechnet Diplom-Sozialarbeiter Barwich die Höhe der jedem individuell zustehenden monatlichen Leistung. Der Teilnehmer führt dann ein Haushaltsbuch und eine Überschreitungsliste für unverzichtbare und außergewöhnliche Ausgaben und versucht, mit dem Existenzminimum auszukommen. Über ihre Erfahrungen dabei können die Teilnehmer sich ständig mit der Diakonie sowie mit Gästen aus Politikkreisen oder dem Job-Center und dem Sozialamt diskutieren. Denn einmal in der Woche, jeden Donnerstag, treffen sich die Teilnehmer in der Rintelner Diakonie, Bäckerstraße 8, um Erfahrungen auszutauschen. Barwich will dann interessante Gesprächspartner einladen, mit den Teilnehmern zu sprechen. Hintergrund der Aktion, so heißt es in der Presseerklärung, seien die durchaus unterschiedlichen öffentlichen Ansichten über Hartz IV und die sehr emotional geführten politischen Debatten, in denen gerne von Missbrauch, Parasitentum und den Forderungen nach weiteren Kürzungen die Rede sei. Daher, so erklärt Barwich, sollen mit der Aktion auch Brücken gebaut werden, soll Verständnis der Jobinhaber für diejenigen geweckt werden, die am Rande des Existenzminimums leben. "Die Teilnehmer sollen einen guten Einblick in eine für sie wahrscheinlich fremde Welt erhalten", formuliert es Barwich. Um ein Beispiel zu geben: Alleinstehende, die von Hartz IV leben, müssen in den gesamten sieben Wochen mit 529 Euro auskommen. Für einen Monat haben sie 345 Euro zur Verfügung für alle laufenden Ausgaben wie Nahrung, Getränke und Tabak, Strom und Gas, Bekleidung und Schuhe, Körperpflege- und Pflegemittel, Medikamente und Fahrkarten für Bus und Bahn. Geld für die Kaltmiete gibt es extra. Von den 345 Euro sollen Hartz-IV-Empfänger auch noch jeden Monat 50 Euro zurücklegen, falls die Waschmaschine mal schlapp macht. Selbstverständlich, so Barwich, kann der Versuch jederzeit beendet oder ohne eine mögliche Beteiligung der Kinder weitergeführt werden. Die gesamte Aktion wird mit mehreren diakonischen Werken zusammen durchgeführt und von der Landeskirche koordiniert. Am 25. Februar wird es einen zentralen Gottesdienst zu dieser Aktion in der Marktkirche in Hannover geben. Informationen gibt es bei der Diakonie in Rinteln unter (05751) 9621-0. Dort können auch die Fragebögen für die Ermittlung des persönlichen, zustehenden Bedarfs angefordert werden. Das erste Treffen in Rinteln findet am Donnerstag, 14. Februar, um 19 Uhr in der Diakonie statt.

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