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"Die Hausnummer 1" in Volksen: Der Hof Wolter auf dem Grünen Brink / Leibzucht ist nach Hannover verlegt worden

Sieben Generationen - und 700 Jahre Landwirtschaft

Volksen (who). In jedem Ort gibt es einen Punkt, an dem dessen Siedlungsgeschichte einmal begonnen hat. Für Volksen wird der Hof Wolter auf dem Grünen Brink als Keimzelle des Dorfes gewertet. Der älteste urkundliche Beleg für den Brinksitzerhof datiert auf das Jahr 1310. Über 700 Jahre später haben Wilhelm und Marianne Wolter mit dem Eintritt in den Ruhestand die Geschichte des Anwesens als landwirtschaftlicher Familienbetrieb beendet.

Der erste Eindruck vom Wolter-Hof macht glauben, es herrsche lediglich aufgeräumte Feiertagsruhe und am nächsten Tag könne erneut die Art Betriebsamkeit beginnen, die man auf einem Bauernhof erwartet. Im Großen und Ganzen stimmt das sogar, stimmt Wilhelm Wolter zu: "Alle Maschinen sind noch da und auch unsere beiden Trecker." Gänzlich im Topzustand zeigt sich der Hof, als Wolter die Tore zu den Gerätescheunen öffnet. Sechs Gebäude stehen heute auf dem Hof. Das alte klassische Bauernhaus mit Wohnteil, Stall und Wirtschaftsräumen unter einem Dach trägt die Jahreszahl 1772. Das großzügige Backhaus dahinter dürfte ein ähnliches Alter haben und ist noch von seinen Eltern als solches genutzt worden, erinnert sich Wolter. Eine Luftaufnahme von 1985 im Wohnzimmer zeigt noch ein siebtes Gebäude, das ehemalige Altenteilerhaus. "Das ist die Leibzucht gewesen, die ist 1995 abgebaut worden", erklärt er. Ein Unternehmer hatte die Leibzucht fachgerecht zerlegen und abtransportieren lassen. Dass das Gebäude andernorts wiederrichtet worden ist, haben die Wolters erst erfahren, als es neu aufgebaut worden war. Es ist heute Teil der Besucherattraktion Bauernhofensemble im Hannoverschen Zoo und beherbergt eine Gastronomie, erklärt Marianne Wolter. "Und es ist richtig gut geworden", bescheinigt ihr Ehemann. Wilhelm Wolter repräsentiert die siebte Generation seiner Familie auf dem Grünen Brink. "Und alle Männer hießen mit Vornamen Wilhelm", verrät Marianne Wolter. Ebenso die Ehemänner der drei Schwestern des Schwiegervaters hätten denselben Namen getragen, genau wie - als bislang letzte in der Verwandtschaft - diedrei Vettern ihres Ehemannes. "Wilhelm Wolter, der Siebte" ist mit der Landwirtschaft groß geworden. Eigentlich habe er nach Wunsch der Eltern den Hof im Vollerwerb weiterführen sollen, erzählt er. Nach reiflicher Überlegung habe er sich jedoch für die Zweigleisigkeit entschieden. Neben seiner Arbeit in einem Rintelner Industriebetrieb ist er von Herzen Nebenerwerbslandwirt gewesen, mit allem, was einen traditionellen Bauernhof ausmacht - von der Geflügelhaltung, einem Stall voller Rinder bis hin zur Bewirtschaftung von Feldern und Weideland. Mit 19 Hektar Eigenland inklusive 3,5 Hektar Waldbesitz hatte der Wolter-Hof für die Vergangenheit eine vergleichsweise gute Ausgangsbasis. Trotzdem hatte Wilhelm Wolter sich für den Betrieb im Nebenerwerb entschieden. Seine Ehefrau, die nach ihrer Heirat als Seiteneinsteigerin auf den Grünen Brink gekommen war, hat diese Entscheidung mitgetragen, ebenso wie die bis dahinungewohnte Arbeit in der Landwirtschaft, in die die gebürtige Extenerin nach und nach vollends hineingewachsen ist. Die Größe des Betriebes sei ihm angesichts der Umwälzungen in der Landwirtschaft einfach nicht mehr ausreichend erschienen, fährt Wilhelm Wolter fort. "Andernfalls wären große Investitionen erforderlich gewesen, um wirtschaftlich arbeiten zu können..." Da auch ihre beiden Töchter ihre eigene Zukunft nicht in der Landwirtschaft sahen, haben Wilhelm und Marianne Wolter im Frieden mit sich selber vor drei Jahren den Schlussstrich unter 700 Jahre Bauerntradition auf dem Grünen Brink gezogen. Und sie seien frohüber ihre Entscheidung, sagen sie. Beide genießen ihren entspannten Ruhestand im neuen Wohnhaus, dass sie 1973 gebaut haben, und in dem ihre Töchter groß geworden sind. Die Ländereien hat ein Berufskollege angepachtet, um seinerseits den eigenen Betrieb wirtschaftlich führen zu können - ein Modell, wie es vielfach in der heimischen Landwirtschaft praktiziert wird.




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