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Austauschprogramm: Bis Juli ist die 17-jährige Julie Kay Hahn aus Montana zu Gast im Auetal

"Sie wissen mehr, können aber nicht tanzen"

Rolfshagen (rnk). In Hamburg war sie schon, in Hannover auch, Berlin und Weimar stehen auf ihrer Wunschliste der Städte, die sie sich in den nächsten Monaten anschauen möchte, um einen möglichst umfassenden Überblick über Deutschland zu erhalten: Die 17-jährige Julie Kay Hahn aus Montana ist für ein Jahr zu Gast im Auetal.

Die Austauschschülerin aus dem Land, in dem gerne Hüte getragen

Ermöglicht hat es ein seit gut 20 Jahren laufendes Austauschprogramm zwischen dem Deutschen Bundestag und dem US-amerikanischen Kongress. Weil es für eine intensive Freundschaft zwischen zwei Staaten und ein tiefes Verständnis der jeweiligen Kulturen nicht ausreicht, wenn sich nur Politiker treffen, wurde damals ein Austauschprogramm geschaffen, das ausdrücklich für junge Menschen vorgesehen ist. 300 Schüler im Alter von 16 und 17 Jahren nutzen es pro Jahr, dazu kommen noch einmal 100 Auszubildende. Der Ansturm auf die Austauschangebote sei enorm, versicherte der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy: Auf einen Platz kämen rund 100 bis 150 Bewerber. Mitgebracht hat Julie Hahn auch einen riesigen Cowboyhut, weil die in ihrer Heimat von allen getragen werden. "Montana ist der Staat, in dem angeblich jeder einen Cowboyhut trägt und davon träumt, einmal im Rodeo zu gewinnen", erzählt die Schülerin in nahezu perfektem Deutsch. Dass sie die Sprache so gut beherrscht, hängt nicht unbedingt mit ihren deutschen Großeltern zusammen, die vor Jahrzehnten auswanderten - mit ihnen hat sie sich niemals auf Deutsch unterhalten -, sondern mit einem dreiwöchigen Crashkurs in der Elbestadt Hamburg, in dem die ankommenden Amerikaner im August mit der neuen Sprache vertraut gemacht wurden. Julie Kay Hahn, die in ihrer Zeit in Deutschland die elfte Klasse des Gymnasiums Ernestinum in Rinteln besucht, ist eine gute Schülerin. So gut sogar, dass sie in Montana mehrere Kurse der 11. Klasse schon ein Jahr früher besuchen konnte, viel verpassen wird sie in der Schule also nicht. Apropos Schule: "Unfair" nennt sie unser Schulsystem, das die Kinder nach der vierten Klasse aussortiert und trennt. Eine Aussage, die von Edathy sofort bestätigt wird: Auch er ist bekanntlich kein Freund des bestehenden Schulsystems. Immerhin, "deutsche Menschen wissen mehr", ist die Amerikanerin nach den ersten Wochen überzeugt: "Dafür können sie nicht tanzen." Und noch etwas ist ihr aufgefallen: In Deutschland ist Alkohol bei Jugendlichen deutlich stärker verbreitet als in ihrer Heimat bei gleichaltrigen Jugendlichen. In Leoni Ocker hat sie zudem eine Freundin gefunden, wie ein Herz und eine Seele wirken beide beim Pressegespräch. Vielleicht liegt es daran, dass die Auetaler Schülerin das Gefühl nachempfinden kann, viele Monate weit weg von der Heimat zu sein: Sie war selbst schon für längere Zeit in den USA. Weil es nun wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist, dass Familien einen fremden Gast aus dem Ausland für ein Jahr aufnehmen, hat Edathy beim Besuch in Rolfshagen Dorothea Ocker und eine Begleitperson ihrer Wahl zu einem dreitägigen Berlin-Besuch eingeladen. Ach ja: Eine Illusion hat Julie Kay Hahnübrigens verloren. Edathy hat sie ihr geraubt, als er den Montana-Hut unter die Lupe genommen hat und auf dem Etikett entdeckt hat, wo er hergestellt wurde. In Mexiko.

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