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Landesbischof Jürgen Johannesdotter wird am kommenden Montag 65 Jahre alt

"Sie sind fromm, rot und lieben ihren Fürsten"

Bückeburg (epd). Am 1. Mai geht er gern demonstrieren. Dann ist der Bischof der Schaumburg-L ippischen Landeskirche, Jürgen Johannesdotter, nicht auf der Kanzel zu finden, sondern am Rednerpult der Gewerkschaft. "Die Solidarität ist die politische Schwester der Nächstenliebe", pflegt er zu sagen. Johannesdotter wird am kommenden Montag, 6. Oktober, 65 Jahre alt. Seit sieben Jahren leitet er die Landeskirche Schaumburg-Lippe, mit 61 000 Mitgliedern die zweitkleinste Landeskirche Deutschlands, von der Fläche her sogar die kleinste. Mit ihm steht zum ersten Mal ein Mitglied der IG Metall an der Spitze einer Landeskirche.

Aufgewachsen als Sohn einer Arbeiterfamilie in Bramsche bei Osnabrück, prägt ihn die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft bis heute. Seine Mutter hatte ihn 1958, vor 50 Jahren, bei der IG Metall angemeldet, erzählt er. "In zwei Organisationen bin ich ohne mein eigenes Zutun hineingekommen: in die Kirche und die Gewerkschaft." In der Kirche habe er gelernt, was der Wert des Einzelnen sei. In der Gewerkschaft habe er die Bedeutung von politischen Zusammenhängen erkannt. Nach vielen Jahren in leitendenÄmtern der Landeskirche Hannover kam Johannesdotter 2001 nach Schaumburg. Hier begegnete ihm ein ganz besonderer Menschenschlag: "Sie sind fromm, rot und lieben ihren Fürsten", sagt er schmunzelnd. Und fügt hinzu: "Ich lege Wert darauf: zuerst fromm." Nur 22 Gemeinden gehören zu der Landeskirche, die sich durch die Jahrhunderte ihre Eigenständigkeit bewahrt hat. Eine Kirche der kurzen Wege - und das hat viele Vorteile, findet Johannesdotter: "Die Kirche kann schneller auf Herausforderungen reagieren." Dabei schätzt er die Nähe zu den Gemeindegliedern vor Ort. "Früher ging der Fürst mit dem Bischof zu jeder Goldenen Hochzeit", erzählt der Vater von fünf Söhnen. Heute besucht der Bischof allein noch die "Eisernen" Hochzeiten mit 65 Jahren Ehe, und das waren bisher immerhin rund 30. Doch auch so manchen Konflikt haben ihm seine Schaumburg-Lipper beschert. So musste Johannesdotter im vergangenen Jahr einen meinungsfreudigen Oberkirchenrat zur Räson rufen, der die Scheidung der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann kritisiert hatte und dabei Gerüchte ins Spiel brachte, die er nicht belegen konnte. Seine Unabhängigkeit werde sich Schaumburg-Lippe bewahren können, so lange sich die Kirche selbst finanzieren könne, meint er. Und darum ist ihm nicht bange, denn die Kirchensteuern fließen relativ verlässlich. Ein Jahr noch will er im Amt bleiben, bevor er das Bischofskreuz an einen Jüngeren weitergibt. Denn der neue Präsident des Landeskirchenamtes, ein Jurist, muss noch eingearbeitet werden. Und außerdem feiert Schaumburg-Lippe im kommenden Jahr "sein" 450. Jubiläum der Reformation. Das will sich der Bischof nicht entgehen lassen: "Die Botschaft von der Rechtfertigung aus Gnade, nicht aus Leistung ist unser evangelisches Kapital und ein geistlicher Hebel gegen die Abgrenzung zwischen Arm und Reich." Neben seinem Bischofsamt nimmt Johannesdotter nochüberregionale Aufgaben wahr: Er ist Beauftragter der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für den Kontakt zu den evangelischen Kommunitäten, ist Vorsitzender der "Stiftung Deutsche Lutherische Seemannsmission" und Ko-Vorsitzender der Meissen-Kommission, die die Beziehungen der EKD zur anglikanischen Kirche von England koordiniert. Der als bodenständig und zugleich weltoffen geltende Bischof gilt als kompetenter Gesprächspartner auf dem Gebiet der Ökumene. Er engagiert sich in der weltweiten Gemeinschaft Sant Egidio, deren Anliegen die Förderung des Gebetes und der Einsatz für Frieden und Menschenrechte sind. Termin: Gemeindemitglieder, die ihrem Bischof persönlich gratulieren möchten, sind am 6. Oktober in der Zeit von 11 bis 13 Uhr im Gemeindehaus neben der Stadtkirche herzlich willkommen. Anstelle von Geschenken freut sich der Bischof über eine Spende für die Fenster der Stadtkirche.




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