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Wahrscheinlichkeit liegt bei 0,01 Prozent / Geburt nur in wenigen Krankenhäusern möglich

„Sie bekommen Drillinge“

In fast allen Partnerschaften kommt irgendwann die Frage auf, ob man sich ein Kind wünscht oder nicht. Dann wird geplant und gerechnet, ob ein Kind zu finanzieren sei. Wenn schließlich alles geklärt ist und nur noch Vorfreude auf den baldigen Nachwuchs herrscht, kommt diese Nachricht des Arztes: „Sie bekommen Drillinge!“ Schon ein Kind verändert alles, wird es doch für die kommenden Jahre den Mittelpunkt der Familie darstellen. Aber das Ganze gleich drei Mal gleichzeitig kann man sich im Vorfeld nur schwer vorstellen.

Autor:

von christoph Boßmeyer

Die Vorstellung von Drillingen ist sicher auch deshalb nicht unbedingt im alltäglichen Denken der Menschen verankert, weil Drillingsgeburten in Deutschland ausgesprochen selten sind. In Deutschland sind 2012 insgesamt 673 544 Kinder zur Welt gekommen. In 230 Fällen konnten sich die Eltern dabei über Drillinge freuen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern Drillinge bekommen, liegt lediglich bei 0,01 Prozent. Aus diesen Zahlen wird deutlich, wie selten Drillinge sind. Ein klarer Trend ist bei Drillingsgeburten in den letzten zehn Jahren ebenfalls zu erkennen. 2002 kamen noch 341 Mal Drillinge zur Welt. Im Jahs darauf sank die Zahl schon unter die Marke von 300 Geburten und nähert sich seitdem kontinuierlich der Marke von 200 Geburten. Sie verläuft damit im Allgemeinen im Gleichklang mit der Geburtenzahl in der Bundesrepublik insgesamt. 2002 gab es mit 719 250 Geburten noch knapp 50 000 Geburten mehr als 2012.

In Niedersachsen ist dieser Trend noch nicht so deutlich ausgeprägt, wie die Zahlen für Drillingsgeburten der letzten fünf Jahre zeigen. 2009 kamen in niedersächsischen Krankenhäusern 31 Mal Drillinge zur Welt, 2010 sank der Wert auf 19 Mal ab. 2011 gab es mit 21 Drillingsgeburten eine leichte Steigerung zu verzeichnen. Die Zahl für 2012 stellt den Tiefpunkt für die letzten Jahre dar – lediglich 12 Mal hieß es in niedersächsischen Kreißsälen: „Es sind Drillinge!“. Mit dem vergangenen Jahr scheint es hinsichtlich Drillingsgeburten wieder bergauf zu gehen. 24 Mal kamen 2013 drei Kinder auf einmal zur Welt und für das laufende Jahr liegt die Zahl bereits bei 15 Drillingsgeburten, berichtet Gerlinde Mieke aus dem Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie. Gemeinsam mit ihren Kollegen befasst sich Mieke mit der Unterstützung von Familien mit Drillingen oder Mehrlingen generell, denn die Geburt stellt Familien vor besondere Herausforderungen. Das Land Niedersachsen unterstützt Familien mit Mehrlingsgeburten ab Drillingen durch eine einmalige finanzielle Leistung und durch die Übernahme der Ehrenpatenschaft durch die Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration.

Die Schwierigkeiten für werdende Drillingsmütter beginnen jedoch schon deutlich vor der Geburt – nämlich in der Wahl des Krankenhauses zur Entbindung des Nachwuchses. Alternative Formen der Entbindung, zum Beispiel eine Hausgeburt, scheiden von vornherein aus. Eine Entbindung im Landkreis Hameln-Pyrmont ist aber ebenso schnell vom Tisch – das Sana Klinikum in Hameln zum Beispiel bringe keine Drillinge zur Welt, berichtet die dortige Pressesprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung.

Drillinge bedeuten Glück im Dreierpack, dennoch ist es alles andere als leicht mit drei Kindern auf einmal. Sie fordern die dreifache Menge an Aufmerksamkeit, essen für drei und verbrauchen Windeln für drei. Auch die finanziellen Ausgaben verdreifachen sich kurzerhand. dpa

Das hat den einfachen Hintergrund, dass das Sana Klinikum wie das Agaplesion-Krankenhaus in Bückeburg als Perinatal Zentrum Level II geführt wird. Damit erfüllt das Klinikum die vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegten Qualitätsanforderungen an betreuende Geburts- und Kinderkliniken und darf Frühgeborene ab 29 Schwangerschaftswochen und ab einem Geburtsgewicht von 1250 Gramm auf die Welt bringen, Kinder mit vorgeburtlich diagnostizierten Fehlbildungen oder Wachstumsretardierung, Zwillinge, Kinder diabetischer Mütter und Kinder mit anderen Risikofaktoren entbunden und stationär behandelt werden. Risikoschwangerschaften können zusammen mit den niedergelassenen Frauenärzten und -ärztinnen betreut werden. Die Geburtshilfe sowie Früh- und Neugeborenenstation ist immer 24 Stunden mit entsprechender Fachexpertise vor Ort verfügbar. Drillinge aber bringt das Sana-Klinikum nicht zur Welt. Im Fall von Drillingen werden die Neugeborenen meist vor der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt gebracht. Das geschieht nur in Perinatal Zentren des ersten Levels, wie sie in der näheren Umgebung Hannover mit der Medizinischen Hochschule sowie Minden und Hildesheim besitzen. Für diese Zentren hat der Gemeinsame Bundesausschuss noch einmal strengere Anforderungen festgelegt.

Die Schwangeren werden meist bereits im Vorfeld der Geburt stationär aufgenommen, der Ablauf der Geburt von vorne bis hinten durchgeplant, weil zu viel schiefgehen könnte bei einer spontanen Entbindung. Spontan Drillinge zur Welt zu bringen dürfte aber auch deshalb schon ausfallen, da die meisten Drillingsgeburten aufgrund des frühen Geburtszeitpunkts per Kaiserschnitt geholt werden müssen. Nach ausreichender Stabilisierung der Kinder könnten sie in andere Krankenhäuser zur weiteren heimatortnahen Behandlung verlegt werden.

Drillingsgeburten sind ein seltenes Ereignis in Deutschland. Fast immer stellen sie ihre Familien vollkommen auf den Kopf. Aber auch für Krankenhäuser bedeuten sie trotz aller medizischener Fortschritte nach wie vor eine große Herausforderung, der sich längst nicht alle Kliniken stellen. Die Geburt muss von langer Hand geplant werden und auch die Versorgung nach der Entbindung ist umfangreich.

Drillingsgeburten sind selten. Die Neugeborenen kommen meist vor der 29. Schwangerschaftswoche auf die Welt und bedürfen somit noch deutlich mehr Pflege in der Kinderklinik, bevor sie mit ihren Eltern nach Hause dürfen.dpa




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