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Interhelp-Team gründet „Hameln Hospital“ / Hilfsorganisation will auf Haiti Schule bauen

„Seuchengefahr wird von Tag zu Tag größer“

Port-au-Prince (red). Sie nennen ihn den Berg der Hoffnungslosen – an seinem Fuße campieren mehr als 75 000 Menschen. Und täglich werden es mehr. Es sind Überlebende des schweren Erdbebens, das Haiti vor drei Wochen fast völlig zerstört hat. Seit Sonnabendmittag betreibt das Rettungsteam der heimischen Hilfsorganisation „Interhelp“ in diesem „Camps de Réfugiés“ im Vorort Pétion Ville einen eigenen medizinischen Stützpunkt. Die Zeltklinik, die mithilfe des Vereins „Demira – Deutsche Minenräumer“ errichtet wurde, trägt den Namen „Hameln Hospital“.

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Port-au-Prince (red). Sie nennen ihn den Berg der Hoffnungslosen – an seinem Fuße campieren mehr als 75 000 Menschen. Und täglich werden es mehr. Es sind Überlebende des schweren Erdbebens, das Haiti vor drei Wochen fast völlig zerstört hat. Seit Sonnabendmittag betreibt das Rettungsteam der heimischen Hilfsorganisation „Interhelp“ in diesem „Camps de Réfugiés“ im Vorort Pétion Ville einen eigenen medizinischen Stützpunkt. Die Zeltklinik, die mithilfe des Vereins „Demira – Deutsche Minenräumer“ errichtet wurde, trägt den Namen „Hameln Hospital“. Israelische Ärzte und haitianische Krankenschwestern unterstützen die Hamelner. Bislang hatten die Interhelper gemeinsam mit Freiwilligen aus aller Welt zunächst auf offener Straße und später in einem US-Feldlazarett gearbeitet. „In unserem Zuständigkeitsbereich wurden bislang 6500 Menschen in Not, darunter viele Kinder, behandelt“, sagt der Leiter der Interhelp-Task-Force, Reinhold Klostermann. Manchmal verlieren die Helfer allerdings den Wettlauf mit dem Tod. Ein kleines Mädchen starb nur deshalb, weil sich ihr gebrochener Fuß böse infiziert hatte und es zu spät in die Rettungsstation gebracht wurde. Trotz aller Bemühungen überlebte am Samstag auch ein Neugeborenes nicht. „Das ist uns sehr an die Nieren gegangen“, sagt Lehrrettungsassistent Bernhard Mandla.

Im Camp der Hoffnungslosen gibt es weder fließend Wasser noch Toiletten. Dafür aber umso mehr Exkremente und Rinnsale aus Urin. „Die Seuchengefahr wird von Tag zu Tag größer“, glaubt Rettungsassistent Christian Käse. Die Zahl der Patienten, die schweren Durchfall haben, steigt rapide. „Es sind vor allem Kinder, die unter den katastrophalen hygienischen Bedingungen leiden“, sagt Krankenschwester Gesche Cook aus Hameln.

Sechs von zuletzt zehn Interhelp-Rettern leisten im Katastrophengebiet weiter Erste Hilfe – sie werden noch mindestens eine Woche in Haiti bleiben. Ob weitere Freiwillige in die Inselrepublik geschickt werden, stehe noch nicht fest, sagt Interhelp-Vorsitzender Ulrich Behmann.

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Am Wochenende sind vier Interhelper, die zwei Wochen im Erdbebengebiet geholfen haben, zurückgekehrt zu ihren Familien. Einer von ihnen ist Christian Käse. „Die Bilder, die ich in meinem Kopf habe, werde ich wahrscheinlich niemals wieder los“, sagt er. Nun brauchen Helfer Hilfe. „Was unsere Ehrenamtlichen erlebt haben, können sie nicht ohne professionelle Unterstützung verarbeiten“, sagt Behmann.

Interhelp will sich auch in Zukunft in Haiti engagieren. „Wir möchten eine Schule oder ein Heim für Kinder, denen Arme oder Beine amputiert werden mussten, bauen. Dafür sammeln wir Spenden“, sagt Ulrich Behmann.

Konten: Nr. 20313 bei der Sparkasse Weserbergland (BLZ 254 501 10), Nr. 33233 bei der Stadtsparkasse Hameln (BLZ 254 500 01) und Nr. 700 700 000 bei der Volksbank Hameln-Stadthagen (BLZ 254 621 60). Stichwort: Erdbeben.

Internet: www.interhelp.info oder www.wesio.de/user/ Interhelp

Einsatz im „Hameln Hospital“ (v.l.): Reinhold Klostermann, Bernhard Mandla und Jens Kladen behandeln ein Erdbebenopfer. Links: Freude im Elend: Die kleine Suzanne hat von den Hamelner Helfern ein Kuscheltier geschenkt bekommen. Foto: interhelp.info

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