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Senioren aus Bad Münder werden Opfer von Enkeltrick

BAD MÜNDER/HAMELN. Mehrfach hatte die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden in den vergangenen zwei Wochen vor Anrufen falscher Polizeibeamter und dem sogenannten Enkeltrick gewarnt hat – und doch wurden nun erneut Senioren Opfer von Betrügern, darunter auch ein Ehepaar aus Bad Münder.

Die Münderaner wurden am Dienstag, 18. August, nachmittags von ihrem angeblichen Patensohn angerufen. „Der Mann gab an, einen Unfall gehabt zu haben“, teilt die Polizei mit. Er habe gesagt, dass er gegen Zahlung einer größeren Bargeldsumme er die Situation bereinigen könne, ohne seinen Führerschein zu verlieren. Die Eheleute im Alter von 81 und 83 Jahren machten sich daraufhin auf den Weg zu ihrer Bank in Bad Münder. „Da die benötigte Summe dort nicht vorrätig war, fuhr das arglose Paar im Anschluss weiter nach Hameln, wo ihnen die komplette Summe ausgehändigt wurde“, so die Polizei. Während der Fahrt von Bad Münder nach Hameln blieb der angebliche Patensohn am Handy der 81-Jährigen und gab ihr immer wieder Verhaltensanweisungen.

Nachdem die Senioren die Bank verlassen hatten, forderte der Anrufer sie auf, das Geld einer Person auszuhändigen, die sie in der Hamelner Innenstadt kontaktieren würde. Tatsächlich trat wenig später eine junge Frau in der Bäckerstraße auf Höhe Tchibo an das Ehepaar heran und gab sich als „Frau Bach“ aus. Sie wird laut Polizeiangaben als zirka 25 bis 30 Jahre alt, etwa 1,65 Meter groß, schlank und mit kurzen, dunklen Haaren („persisches Erscheinungsbild“) beschrieben. Sie soll mit einem feinen, gelben T-Shirt und einem schwarzen Rock bekleidet gewesen sein und akzentfreies Hochdeutsch gesprochen haben. Die 81-Jährige händigte ihr die gesamte fünfstellige Summe aus, die die Unbekannte in einer Umhängetasche verstaute und sich anschließend in unbekannte Richtung entfernte.

Der angebliche Patensohn blieb auch während der Übergabe am Telefon und bestand darauf, so lange in der Leitung zu bleiben, bis das Ehepaar wieder zu Hause sei, teilt die Polizei mit. „Dort angekommen beschlich die Eheleute ein seltsames Gefühl und sie nahmen Kontakt zur Familie ihres richtigen Patensohnes auf“, heißt es weiter. „Hier teilte man ihnen mit, dass es diesem gut gehe und er keinen Unfall gehabt habe, daraufhin wurde die Polizei informiert.“

Am selben Tag wurde eine 85-jährige Frau in Hameln gegen 23.30 Uhr von einem angeblichen Polizeibeamten, der sich als „Markus Stahl“ ausgab, angerufen. Er teilte der Seniorin mit, dass die Polizei in der Nachbarschaft einen Einbrecher verhaftet habe, und fragte beiläufig, ob sie Wertsachen im Haus habe, was diese bejahte. Am folgenden Tag, Mittwoch, 19. August, klingelte es bei der Hamelnerin gegen 11.45 Uhr gleichzeitig an der Wohnungstür und am Telefon. Am Telefon meldete sich erneut „Markus Stahl“ und forderte die Seniorin auf, die Tür zu öffnen und dem Beamten „Müller“ ihre Wertsachen auszuhändigen, da die Polizei weitere Einbrüche in der Gegend befürchtete. Sie übergab dem Mann eine fünfstellige Bargeldsumme; daraufhin entfernte er sich in unbekannte Richtung. Die 85-Jährige beschreibt ihn als zirka 20 bis 30 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß, mit normaler Statur, kurzem dunklem Haar (vermutlich Mitteleuropäer). Er sprach akzentfreies Hochdeutsch und sei mit einem weißen Hemd und einer langen beigefarbenen Hose bekleidet gewesen.

Die Tat wurde erst am Mittwochnachmittag bei der Polizei bekannt, nachdem die Tochter der Geschädigten von dem Sachverhalt erfuhr.

Die Polizei rät dazu, misstrauisch zu sein, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selbst mit ihrem Namen melden. Man solle nicht raten, sondern den Anrufer auffordern, seinen Namen zu nennen. Zudem können Angerufene auch Dinge erfragen, die nur der richtige Verwandte oder Bekannte wissen kann, oder auch auflegen und den jeweiligen Angehörigen unter der bekannten Nummer anrufen. Zudem sollten keine Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen preisgegeben werden. Und: Die echte Polizei wird niemals um Geldbeträge bitten; auch an Unbekannte sollten Geld und Wertgegenstände nicht ausgehändigt werden.

Darüber hinaus rät die Polizei dringend dazu, keine Unbekannten in die Wohnung zu lassen. Von angeblichen Amtspersonen, zum Beispiel Polizisten, solle man sich den Dienstausweis zeigen lassen. Beim geringsten Zweifel sollten Bürger bei der Behörde anrufen, von der die angebliche Amtsperson kommt - die Nummer sollten sie sich aus dem Telefonbuch suchen oder von der Auskunft geben lassen. Dabei sollte der Besucher unbedingt vor der abgesperrten Tür warten.




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