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Beim Abriss des Hauses Ritterstraße 32 entdeckt / Hier entsteht ein modernes Fleischereifachgeschäft

Seltener Fund: Dachstuhl aus dem Jahr 1454

Rinteln (wm). Beim Abbruch des Hauses Ritterstraße 32 - hier will Fleischermeister Veit Rauch ein neues Geschäft einrichten - ist der wohl älteste Dachstuhl in der Stadt Rinteln entdeckt und behutsam auseinandergebaut worden. Der Bauhistoriker Michael Sprenger aus Lemgo, der bereits Bürgerhäuser und Adelshöfe in Rinteln bau- und sozialgeschichtlich untersucht hat, hat die Balken jetzt auf das Jahr 1454 datiert.

Die Balken sollen für eine mögliche spätere Verwendung eingelage

Ein sehr seltener Fund, betonte Sprenger, vor allem, weil das Dachwerk noch komplett erhalten geblieben sei. Bisher hielten Balken aus dem Bergmannschen Haus (ebenfalls in der Ritterstraße) aus dem Jahr 1490 den Rekord. Sprenger hat den Abbruch der Balkenlage mit den Sparren dokumentiert, das Alter der Balken dann durch Kernbohrungen bestimmt. 1454, da wandelte sich die Stadt von einer Ackerbürger- in eine Bürger-, Handwerker und Handelsstadt mit zehn Gilden, darunter auch die der Fischer, denen der Rat vorschrieb, aus der Weser gefangene Lachse und Hechte seien Stadtoberen zuerst anzubieten - eine Art spätmittelalterliche Diätenregelung. Fehden der Grafen waren damals noch gang und gäbe, was den Rintelnern die Heerfolge und der Stadt hohe finanzielle Forderungen einbrachte. 1443 ist die Stadt sogar von Graf Otto II. zu Holstein-Schaumburg an den Grafen Bernhard zu Lippe verpfändet worden - als Brautschatz für die Tochter des Lippers. Sprenger nimmt an, dass an der Stelle einälteres einstöckiges Haus gestanden hat. Das muss abgerissen worden sein, nur den Dachstuhl habe man dann offenbar wieder verwendet. Das neue Haus wurde - wie damals üblich - gleich zweistöckig im Renaissance-Stil gebaut. Sprenger datiert den Hausbau auf 1562/63, damals habe es in Rinteln einenwahren Bauboom gegeben in einer Zeit relativen Wohlstandes. Rinteln war Marktort, Obernkirchener Sandstein, der in Rinteln verschifft wurde, ein Exportschlager - 80 Jahre ehe der Dreißigjährige Krieg auch die Weserstadt erreicht hat. Dirk Eggers vom Bauamt in Rinteln betonte, das Haus Ritterstraße 32 sei im Ursprung ein typisches Ackerbürgerhaus, habe aber nicht unter Denkmalschutz gestanden. Einfach deshalb nicht, weil es im Laufe der Jahrzehnte oft umgebaut und bis zur Unkenntlichkeit verändert worden sei. So sei beispielsweise der typisch ausragende Stufengiebel verschwunden. Über dem Bruchsteinsockel war das Haus mit Platten verblendet. Die Balken des Dachstuhls sind jetzt eingelagert - was mit ihnen geschehen soll, ist noch unklar. Fleischermeister Veit Rauch erläuterte, ursprünglich habe er das Haus modernisieren wollen. Aber seit dem Jahr 2006 gebe es für Fleischereien strengere Hygieneverordnungen, so hätte unter anderem eine Hygieneschleuse eingebaut werden müssen. Das alles habe sich in dem alten Haus aber beim besten Willen nicht mehr bewerkstelligen lassen. Deshalb habe er sich zu einem Neubau entschlossen. Außer dem Fachgeschäft soll es hier dann auch eine Theke mit Bewirtung und etwa 20 Sitzplätze geben. Im Herbst soll das neue Haus fertig und neu eröffnet sein.



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