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"Die Linke" will integrierte Gesamtschule als Regelschule verankern

"Selektion macht nicht schlauer"

Bad Nenndorf (tes). Die Partei "Die Linke" macht Bildungspolitik zum Wahlkampfthema. "Die CDU hat einiges in die falsche Richtung gelenkt", hat der Ortsverbandsvorsitzende Mark Schäfer das Verbot kritisiert, neue Gesamtschulen zu schaffen. Sparkurs auf Kosten der Schüler sei fehl am Platz, brachten die Landtagskandidaten Christa Köster-Reichwald und Michael Hans Höntsch die Ziele der Partei auf den Punkt: "Es muss investiert werden in ein flächendeckendes Angebot an integrierten Gesamtschulen."

Mark Schäfer (v.r.) und die Landtagskandidaten Christa Köster-Re

Hoher Krankenstand bei Lehrern,überforderte Schüler, verunsicherte Eltern: Michael Hans Höntsch, Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Hannover, kennt die Probleme im "Betrieb Schule" aus erster Hand. "Mehr als 50 Prozent wählen das Gymnasium. Für Kinder, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, setzen häufig ganz schlechte Mechanismen ein - vom Sitzenbleiben, dem Verlust der sozialen Kontakte bis zur Rückstufung an die Realschule." Als Lehrer an einem Gymnasium kritisierte er "diese pädagogisch fragwürdigen Entwicklungen" ebenso, wie die "Stigmatisierung der niedrigen Bildungsabschlüsse." Beides spreche für die integrierte Gesamtschule. Christa Köster- Reichwald, die auf Platz drei der Landesliste kandidiert, ging noch weiter und forderte "ein Recht auf einen Gesamtschulplatz". Als ersten Schritt nannte die Sparkassenangestellte: "Das Verbot im Schulgesetz muss weg." Für die studierte Lehrerin ist es kein Zufall, dass die diesjährigen Schulpreise an die IGS gingen: "Selektion macht nicht schlauer." Die hiesige Ablehnungsquote an Gesamtschulen sei keineswegs ein "Sonderfall", betonte der Fraktionsvorsitzende im Schulausschuss der Landeshauptstadt: "In Hannover ist es genauso wie in Schaumburg." "Niedersachsenweit fehlen 2300 Gesamtschul-Plätze", ergänzte Köster-Reichwald. In Schaumburg habe sich der Zorn daran entzündet, dass Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier eine Bedarfsermittlung fordert, so Schäfer. "Wenn 80 Prozent abgelehnt werden, ist der Bedarf da", nannte eine Lehrerin aus dem Publikum diese Forderung "abwegig". Schäfer sah ein weiteres Problem: "Viele Gemeinden wollen eine Gesamtschule und überbieten sich nach dem Motto "bei uns ist es nötiger als bei Euch." Zudem blieben Kinder mit Förderbedarf in den Grundschulen, mit nur zwei Wochenstunden einer Sonderlehrkraft, auf der Strecke, sagte ein Lehrer. Geld sei genug da, kritisierte Köster-Reichwald die im Landtag beschlossene niedrige Investitionsquote: "Und das bei einem Bildungsnotstand, der seinesgleichen sucht." Pisa sei dazu angelegt, die Debatte in Gang zu bringen, bevorzuge Höntsch die "IGLU"-Studie, die den Fokus auf die ersten vier Schuljahre legt. Hier liegt Deutschland im oberen Drittel, betonte er: "Unsere Probleme fangen da an, wo wir anfangen zu selektieren." Die Linke will daher die integrierte Gesamtschule als Regelschule verankern. Nicht als "Einheitsschule", oder um die Gymnasien abzuschaffen, sondern als Chance für nachhaltiges, gemeinsames Lernen. Die Partei positioniere sich gegen Privatschulen. In einem Land, in dem jedes sechste Kind arm sei, garantierten laut Höntsch einheitliche Standards gebührenfreie Bildung für alle. Nach der Diskussion griffen die Politiker auf dem Weihnachtsmarkt zum Waffeleisen. Der Erlös geht an die Berlinschule für weitere "Faustlos"-Koffer.

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