weather-image
12°
Oldendorfer Grenzbezieher laden am Samstag zur Wanderung mit anschließendem Fest ein

Seit 50 Jahren „Allet use“

OLDENDORF. Die Geburtsstunde der Grenzbeziehung in Oldendorf entsprang einem Gespräch zwischen Landwirt Heinrich Hattendorf, dem Gemeindebrandmeister Erich Freise und dem Gemeindebürgermeister Fritz Klemme 1966 im Schützenhaus in Oldendorf.

Die Oldendorfer Grenzbezieher hoffen auf viele Teilnehmer zur 50. Wanderung. FOTO: Christel Piehl/PR

Damals wurde in der Dewezet über die Grenzbeziehungen in Hameln berichtet. Warum sollte man so etwas nicht auch in Oldendorf machen? Die drei Herren waren von dieser Idee so angetan, dass schon wenige Wochen später auf der Gemeinderatssitzung beschlossen wurde, ein Grenzbeziehungskomitee zu bilden.

Dem Komitee gehörten 1967 die Ratsherren Otto Hessing, Richard Heuer, Bürgermeister Klemme sowie Hermann Carnehl, Hermann Kassel und Wilhelm Sander an. Am 7. Oktober 1967 begrüßte Bürgermeister Fritz Klemme um 14 Uhr vor der Gaststätte Schützenhaus viele Oldendorfer zur 1. Grenzbeziehung.

Hermann Carnehl verkündete die in Reimform gehaltenen Richtlinien für das Verhalten bei der Grenzbegehung und die bei Zuwiderhandlungen anfallenden Bußgelder. Es kamen damals 102,00 DM zusammen, die für die Aktion Sorgenkind gespendet wurden.

1967 marschierten die Teilnehmer unter Begleitung des Musikzugs der Freiwilligen Feuerwehr zur Mühle Sander. Von dort aus führte der Weg die Kinder, Männer und die einzige Frau, Ute-Barbara Günther, in Richtung Hemmendorf. Weiter ging es querfeldein zum ‚Dreiländereck‘. Warum die Bezeichnung Dreiländereck? Hier stoßen die Grenzen der Dörfer Hemmendorf, Osterwald und Oldendorf zusammen. Dann ging es Richtung Osterwald und am Gasthaus Brandes am Anhalt wurden die Grenzgänger mit flotter Musik begrüßt. Die Müdigkeit des langen Marsches war wie weggeblasen, als die Teilnehmer im Oldendorfer Schützenhaus mit einem von Heinrich Hattendorf gespendeten Spanferkel, kühlen Getränken und den nötigen „Kurzen“ bewirtet wurden. Die Grenzbeziehung gefiel den Teilnehmern und wurde fortan künftig abgehalten. In den folgenden Jahren waren immer mehr Frauen dabei – die Grenzbegehung wurde eine Familienveranstaltung mit geselligem Beisammensein. Ab 1968 entstanden durch Jörg Günther Kontakte und Freundschaften mit den Soldaten der Stabsbatterie des ersten Artillerieregiments in Hannover. Im Rahmen der Grenzbeziehung kam auch die Gulaschkanone der Bundeswehr zum Einsatz. In den Jahren 1969, 1970 und 1971 wurde die jeweilige Grenzbeziehung mit großen Zeltfesten begangen. Dazu kamen auch regelmäßig die Soldaten der Stabsbatterie. Die Soldaten waren Gäste der Oldendorfer Familien. Leider endete die Freundschaft zur Stabsbatterie 1976 durch Führungswechsel in Hannover.

Am 11. Juni 1980 wurde der Verein für Grenzbeziehung und Heimatpflege gegründet. Veranstaltungen und Aktivitäten fanden das ganze Jahr lang statt. Da gab es Steinsetzungen, Baumpflanzungen, die alte Waschtreppe wurde wieder hergerichtet. Zur 20. Grenzbeziehung wanderten etwa 200 Bürger, begleitet vom Musikzug der Feuerwehr, entlang der Hemmendorfer und Osterwalder Grenze. Die Nachbargemeinden waren mit von der Partie und standen an den Grenzen und forderten Wegezoll oder es wurden auch schon mal regelrechte Wasserschlachten ausgeführt.

In den Jubiläumsjahren gab es besondere Veranstaltungen so wie „Spiel ohne Grenzen“ und „Römisches Wagenrennen“. Ein Naturlehrpfad wurde errichtet und Lehrtafeln an verschiedenen Stellen im Ort aufgestellt. Im Juni 2004 wurde ein großes Scheunenfest mit Modenschau veranstaltet.

Inzwischen gibt es eine Internetseite unter www.oldendorf-im saaletal.de. Die Seite berichtet über Veranstaltungen des Vereins und man findet Artikel zur Geschichte von Oldendorf. Vereinsvorsitzende waren Hermann Carnehl, Siegfried Müller und seit 1996 steht Erika Rasch dem Verein als Vorsitzende vor.

Der Oldendorfer Verein für Grenzbeziehung und Heimatpflege e.V. möchte auch das 50. Jubiläum feiern. Und zwar am Samstag, 9. September, mit der Grenzbegehung. Treffen ist um 13 Uhr auf dem Schulhof. Ab 15 Uhr wird auf dem Hof Wöhler, Auf der Hube, gefeiert. Viele Überraschungen erwarten die hoffentlich ganz vielen Wanderer und Besucher, sodass noch ganz viele Jahre der Schlachtruf „Allet use“ ertönt.PR



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt