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"Otto - Das Original" bringt das Publikum dennoch zum Johlen / Auftakt zur Tour in der Mindener Kampahalle

Seine Witze sind drei Mal so alt wie das Gros seiner Fans

Minden. Ach, Otto. Irgendwie kam man ihm ja einfach nicht zürnen, auch wenn seine Kalauer auch noch so vorsintflutlich, seine Pointen noch so antiquiert und der Bart seiner Parodien länger als der Weg von Bückeburg in die Kampa-Halle ist. 60 Jahre wird der ostfriesische Götterbote im kommenden Sommer alt. Und während andere an Vorruhestand denken, singt er immer noch den Schwamm-Drüber-Blues: "Willst du ein Muster auf der Butter, geh mit dem Kamm rüber!" Oder präsentiert seine Variante pädagogisch wertvoller Fernsehbeiträge: "23 Uhr 30 die Sendung für das aufgeweckte Kind!" So auch bei Ottos Auftritt in Minden, der Premiere zur Tour "Otto - Das Original", mit dem sich der ewige Friesenjung aus Emden derzeit über deutsche Bühnen kalauert.

"Wenn einer einen Gast zersägt, weil ihn ein Gymnasiast erregt,

Autor:

Johannes Pietsch

Das Publikum in der Kampa-Halle ist altersmäßig buntgemischt: Neben ergrauten Mittsechzigern, die "Holodehido" in den sechziger Jahren für Anarchie hielten, finden sich Teenager, die noch nicht einmal auf der Welt waren, als der Ostfriese anno 1983 "Hänsel und Gretel" aus der Taufe hob, jenen Evergreen, der seitdem in keiner Bühnenshowmehr fehlen darf. Otto, das komödiantische Urgestein der Republik, grimassiert zum "kleinen grünen Kaktus" der Comedian Harmonists und geht als "Robin Wood, der Stecher der Witwen und Waisen" im Sherwood Forrest auf die Pirsch. Selbst Richter Ahrends, einst für ihn vom Titanic-Autor Robert Gernhardt geschrieben, darf da nicht fehlen: "Wenn einer einen Gast zersägt, weil ihn ein Gymnasiast erregt, der vor seinem Palast gefegt, dann wird die Tat mit Knast belegt." Und im Publikum johlen Zuschauerüber Witze, die drei mal so alt sind wie sie selbst. Mit seinem Repertoire bleibt Otto innerhalb des Geschmacks (nicht unbedingt des guten). "Angeklagter, wieso haben Sie denn nicht geholfen, als der Einbrecher Ihre Frau verprügelt hat?" "Ach, ich dachte, der schafft das alleine." Seine Witze über den Schniedelwutz sind familientauglich. Und es muss ja nicht immer nur um das eine Körperteil gehen. Sondern auch: "Der Pornostar hat's im Vertrag stehen, man muss im Film auch seinen Sack sehn." Das Publikum hat schon lange vorher beschlossen, sich von ihm dirigieren zu lassen. "Worauf liegt der Agassi nachts im Schlaf" stimmt Otto an. Und das Publikum antwortet unisono: "Steffi Graf! Steffi Graf!" Auf eine eigentümliche Weise strahlt die kleine, dürre Witzfigur auf der Bühne der Kampahalle sogar etwas Väterliches aus. Es ist wahr: Im Alter erinnert Otto immer stärker an Freddie Quinn. Über Otto Waalkes lachen inzwischen drei Generationen. Und sie lachen immer noch. Auch wenn man seine neue arabische Frisur Achsachmawardamahaardran auch schon seit 1995 kennt. Für Otto gilt das gleiche, was einmal der Historiker Joachim Fernau über das griechische Militärkönigtum Sparta schrieb: "Es wurde nie erobert, es ist nie untergegangen, es ist versteinert."

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