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Anton Friedrich Büsching – eigenwilliger Schaumburger Professor in Diensten Friedrichs des Großen

Seelenverwandt mit dem Alten Fritz

Die Klassenräume wären gut zu Weinkellern“, beschrieb Anton Friedrich Büsching beim Dienstantritt in Berlin den Zustand seiner künftigen Wirkungsstätte. Der in Stadthagen aufgewachsene Geograph, Historiker Theologe und Pädagoge war 1766 zum Leiter des in einem düsteren Ex-Franziskanerdomizil untergebrachten Berliner Gymnasiums „Zum Grauen Kloster“ berufen worden. Darüber hinaus hatte sich der damals europaweit bekannte Gelehrte um die höhere Schulbildung in der Preußenmetropole zu kümmern.

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Autor:

Wilhelm Gerntrup

Büsching packte seinen Job mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit an. Er schrieb Schulbücher und entwickelte neue Lehrmethoden. Nach seiner Einschätzung hätte das keiner besser gekonnt als er. Zuvor habe das Lehren und Lernen im Lande „einer großen Verbesserung bedurft“, schrieb der zum Oberkonsistorialrat beförderte Professor in seinen 1789 veröffentlichten Lebenserinnerungen, „und die (erforderliche Verbesserung) hat es zu meiner Zeit auch bekommen“.

Eine entscheidende Rolle für Büschings Erfolg spielte die „Seelenverwandtschaft“ zwischen ihm und Friedrich II.. Beide waren überzeugte Anhänger der „Aufklärung“. Der Advokatensohn aus dem Schaumburgischen war wegen seiner radikal-liberalen Ansichten andernorts bereits angeeckt. Während seiner Lehrtätigkeit als Theologieprofessor in Göttingen in den 1750er Jahren hatten die örtlichen Kirchenoberen einen Vorlesungsstopp durchgesetzt. Der Vater von 13 Kindern sah sich gezwungen, ins Philosophie-Fach überzuwechseln.

Auch während seiner Berliner Zeit blieb Büsching seiner kompromisslosen Art treu. Kritik, Vorschläge und sonstige Anliegen pflegte er – ohne Rücksicht auf Dienstweg, Vorschrift und Etikette – auf direktem Weg dem König vorzulegen.

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Die Reaktionen des Potsdamer Schlossherrn lassen ein beträchtliches Maß an Wertschätzung für den Bildungsbeauftragten erkennen. Nur wenn es um Geld ging, gab sich der Alte Fritz meistens zugeknöpft. „Eure Forderung ist schlecht überlegt“, ließ er Büsching 1784 abblitzen, als der eine Rundumsanierung seines Gymnasiums beantragt hatte. Schließlich sei die Schule „schon einige Jahrhunderte, der Gesundheit unbeschadet, besuchet worden“. Er (Friedrich II.) sehe deshalb keine Notwendigkeit, für eine solch kostspielige Maßnahme „einige tausend Taler zu verwilligen“.

Der Berlin-Einsatz war die letzte und längste Station in Büschings aufregendem Leben. Nach Ende der Schulzeit war er von seinem strengen und geizigen Vater vor die Tür gesetzt worden. Den Lebensunterhalt für sein Theologiestudium verdiente er als Hauslehrer. Nach mehreren in- und ausländischen Jobs nahm er 1761 einen Posten als Schulleiter in Petersburg an. Vier Jahre später kehrte er als Lehrstuhlinhaber in Halle und Göttingen in deutsche Gefilde zurück. Zu bleibendem Ruhm und Ansehen verhalfen ihm seine zahlreichen wissenschaftlichen Schriften. Seine elfbändige „Neue Erdbeschreibung“ war ein Jahrhundertereignis. Büsching habe „durch sein Wirken und seine Publikationen zu Geographie, Geschichte, Statistik, Theologie sowie zu pädagogischen Themen das wissenschaftlich-kulturelle Leben seiner Zeit maßgeblich mitgestaltet“, heißt es in der bislang umfassendsten Biographie. Umso verwunderlicher erscheint es, dass der wohl bedeutendste Sohn Stadthagens in seiner Heimatregion in Vergessenheit geraten ist.

Quellenhinweis: Wer tiefer in Leben und Werk Anton Friedrich Büschings einsteigen möchte, dem sei die 322-seitige Veröffentlichung des Historikers Dr. Peter Hoffmann mit dem Titel „Anton Friedrich Büsching (1724-1793) – Ein Leben im Zeitalter der Aufklärung“, Berlin 2000, ISBN 3-8305-0022-X, empfohlen. Eine Kurzfassung der Arbeit ist in dem historisch-biografischen Handbuch „Schaumburger Profile“, (Band 66 Schaumburger Studien), Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89534-666-8 abgedruckt.

Büschings Geburtshaus Niedernstraße Nr. 42 in Stadthagen (Foto aus den 1930er Jahren). Heute weist ein Hinweisschild an der Eingangsfront auf den berühmten einstigen Bewohner des 1574 errichteten Fachwerkbaus hin.



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